mini|Porträt des französischen Malers Jean-Baptiste Perronneau, Brustbild im Profil nach rechts. Radierung von Bénédict-Alphonse Nicolet (1743–1806/1807) nach einer Zeichnung von Charles-Nicolas Cochin (1715–1790). École nationale supérieure des Beaux-Arts, Paris. Jean-Baptiste Perronneau (* um 1715 in Paris; † 19. November 1783 in Amsterdam) war ein französischer Pastell- und Porträtmaler sowie Kupferstecher. Obwohl sein Werk bereits kurz nach seinem Tod weitgehend in Vergessenheit geriet, zählt er zu den bedeutendsten Malern des 18. Jahrhunderts. Zahlreiche seiner Werke befinden sich heute in nationalen und internationalen Museen und Sammlungen.

Leben

Jean-Baptiste Perronneau erhielt ab 1731 eine Ausbildung zum Kupferstecher bei Laurent Cars. Ab 1734 besuchte er Akt- und Zeichenkurse an der Pariser Académie royale de peinture et de sculpture. Im selben Jahr wurde ihm für seine Studien der Prix de quartiers verliehen. Ab 1737 arbeitete er für den Kunsthändler Gabriel Huquier und fertigte Reproduktionsstiche nach Werken von Charles-Joseph Natoire, François Boucher und Edme Bouchardon an. In diesem Zusammenhang erschienen 1738 erste Veröffentlichungen seiner Reproduktionen, darunter das Livre de diverses figures d'académie dessinées d'après le naturel par Edme Bouchardon, sculpteur du Roi.

Ab 1741 wandte sich Jean-Baptiste Perronneau der Pastellporträtmalerei zu, wie das Bildnis der Mme Tourolle (Musée des Beaux-Arts d’Orléans) zeigt. 1746 wurde er Agrée der Akademie und beteiligte sich im selben Jahr erstmals am Pariser Salon, unter anderem mit einem Pastellporträt von Hubert Drouais (Orléans, Musée des Beaux-Arts). 1747 entstand das Pastellporträt Mlle Huquier tenant un petit chat (Louvre), das der Künstler in der Folge mehrfach wiederholte, unter anderem um 1750 im Auftrag der Markgräfin Karoline Luise von Baden (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe). Mit dieser korrespondierte er zeitlebens. Im Jahr 1750 stellte er im Salon ein Bildnis von Maurice Quentin de La Tour aus (Saint-Quentin, Musée Antoine Lécuyer). 1753 wurde Perronneau mit den Ölporträts von Jean-Baptiste Oudry und Lambert-Sigisbert Adam d. Ä. (beide Paris, Louvre) als Porträtmaler in die Akademie aufgenommen. 1754 heiratete er Louise Charlotte Aubert, die Tochter des Miniaturmalers Louis François Aubert.

Seine Kundschaft rekrutierte Perronneau hauptsächlich außerhalb von Paris, vermutlich in Konkurrenz zum erfolgreicheren Latour. Er war in Bordeaux (1756, 1769), Orléans (1765), Toulouse, Abbeville (1769) und Lyon (1759, 1773) sowie im Ausland tätig, unter anderem in Italien (März 1759 in Rom), den Niederlanden (1761/62, 1772, 1783), England (1761) und Russland (1781 in Sankt Petersburg). Dazwischen kehrte er wiederholt nach Paris zurück. Während sich seine Klientel in Frankreich vor allem aus dem Bürgertum und der intellektuellen Elite rekrutierte, erhielt er im Ausland auch Aufträge von der europäischen Aristokratie. Zu seinen Auftraggebern zählten beispielsweise Karl Friedrich, Markgraf von Baden-Durlach (Pastell, 1764), und Stanislaus II. August Poniatowski, König von Polen (Pastell, 1782). 1779 stellte Perronneau ein letztes Mal im Pariser Salon aus. Er starb 1783 während eines Aufenthalts in Amsterdam.

Werk mini|Jean-Baptiste Perronneau: Magdaleine Pinceloup de la Grange, geborene de Parseval, 1747, Öl auf Leinwand, 64,9 × 52,5 cm. J. Paul Getty Museum, Los Angeles Jean-Baptiste Perronneaus Bildnisse zeichnen sich durch eine harmonische Farb- und Lichtbehandlung sowie eine natürliche Darstellung der Physiognomie aus. Wie Latour verwendete er in offiziellen Porträts einen glatten Farbauftrag, während seine privaten Freundschaftsbildnisse eine skizzenhaftere Technik aufweisen. Charakteristisch für seine Frauen- und Kinderbildnisse sind helle, blasse Farben wie Blau, Rosa und Grau.

Werke von Perronneau befinden sich unter anderem in folgenden Museen:

Musée National des Beaux-Arts d’Alger Rijksmuseum Amsterdam University of Michigan Museum of Art, Ann Arbor National Gallery of Ireland, Dublin Statens Museum for Kunst, Kopenhagen Universitätsbibliothek Leipzig National Portrait Gallery, London J. Paul Getty Museum, Los Angeles Metropolitan Museum of Art, New York Nationalmuseum, Stockholm Eremitage, Sankt Petersburg Musée des Beaux-Arts, Tours National Gallery of Art, Washington

Literatur

Dominique d’Arnoult: Jean-Baptiste Perronneau, ca. 1715–1783. Un portraitiste dans l’Europe des Lumières, Arthena, Paris 2014. Pierre Rosenberg, David Mandrella: Gesamtverzeichnis französische Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts in deutschen Sammlungen, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland / Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Bonn/München 2005. Léandre Vaillat, Paul Ratouis de Limay: J.-B. Perronneau (1715–1783). Sa vie et son œuvre, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, G. Van Oest & Cie, Paris/Brüssel 1923. Maurice Tourneux: J.-B. Perronneau, Gazette des Beaux-Arts, Paris 1903. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 10: Müller – Pinchetti. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.

Weblinks

Einzelnachweise

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