Die Diademtangare (Stephanophorus diadematus, Syn.: Tanagra diademata, Pyrrhula caerulea (nec. Daudin), Fringilla splendida, Bergia solanorum, Tanagra leucocephala (nec 1789)) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Brasilien, in Paraguay, in Uruguay und in Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art ist monotypisch.
Merkmale Die Diademtangare erreicht eine Körperlänge von ca. 9,0 cm bei einem Gewicht von ca. 35,0 bis 41,5 g. Es ist eine recht kräftig gebaute Tangare. Bei gutem Licht wirkt sie farbenprächtig, jedoch ist sie meist schwärzlich mit hellen Oberkopffleck wahrzunehmen. Die Federn des vorderen Oberkopfs sind kurz, dicht und samtartig. Der Schnabel ist kurz und kräftig. Der vordere Oberkopf, die Zügel, die Augenpartie und das Kinn sind schwarz gefärbt und bilden eine kleine Maske. Ein großer weißer Oberkopffleck wird vorn von einem kleinen, aber recht auffälligen roten Schopf überragt. Sowohl die weißen als auch die roten Federn können von ihr aufgerichtet werden. Das übrige Gefieder ist größtenteils glänzend dunkel blau, während die Flügeldecken, die Schwungfedern und die Schwanzfedern schwärzlich mit breiten, dunkelblauen Säumen sind. Die blauen Säume sind jedoch unauffällig. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schwärzlich und die Beine düster grau. Die Geschlechter ähneln einander. Jungvögel wirken deutlich matter und sind dunkler gefärbt als Altvögel, wobei die Merkmale am Scheitel undeutlich ausgeprägt sind.Steven Leon Hilty (2020)
Lautäußerungen Der Morgengesang der Diademtangare ertönt von einem hohen Ast oder der Baumkrone aus. Es ist ein kurzes, trillerndes tio turri, weri twii, bei dem die zweite und dritte Note tiefer liegen und das alle 3 bis 4 Sekunden wiederholt wird. Der Tagesgesang ist eine laute, klangvolle Abfolge musikalischer Töne, ähnlich dem Gesang der Kernknacker (Pheucticus), jedoch mit einer betonten, im Ton ansteigenden Endnote und längeren Pausen zwischen den Strophen. Als Gegengesang, möglicherweise vom Weibchen vorgetragen, erklingt ein gleitender Pfeifton, gefolgt von zwei leiseren, kurzen und tiefen Pfeiftönen. Zu den Rufen gehört ein leises hohes tschoup, das einzeln oder doppelt geäußert wird.
Fortpflanzung Aus Rio Grande do Sul gibt es Brutnachweise der Diademtangare im Oktober. Sie baut ein flaches Nest in 3 bis 4 Meter Höhe in den Bäumen oder den Sträuchern. Ein Gelege besteht aus 4 weißen oder bläulich weißen, dunkelrot oder purpurgrau gefleckten, teils mit schwarzen Schnörkeln versehen Eiern.
Verhalten und Ernährung Die Diademtangare ernährt sich von reichlich Früchte sowie Blüten, Knospen und einige Insekten. Zudem nimmt sie die süßen Ausscheidungen von Blattläusen auf. Aus Rio Grande do Sul wird berichtet, dass sie Früchte von neun verschiedenen Arten frisst, darunter Feigen, Kakis und Papayas. In einem Magen wurden Beeren, wahrscheinlich aus der Gattung der Pfefferbäume, nachgewiesen. Die Art tritt paarweise oder in kleinen Gruppen auf. Oft sitzt sie gut sichtbar an exponierten Stellen auf dem Gebüsch, suchen bei Gefahr jedoch rasch Deckung. In Waldgebieten schließt sich die Art regelmäßig gemischten Vogelschwärmen an und sucht in unterschiedlichsten Straten nach Nahrung. Dies reicht von bodennahen Bereichen bis hinauf in die oberen Schichten der Vegetation. In Brasilien wurde beobachtet, wie die Vögel Nahrung von Blattoberflächen ablasen.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Diademtangare (grün) Die Diademtangare bevorzugt vielfältige Lebensräume, die von bewaldeten bis zu halboffenen Gebieten reichen, darunter Araukarienwälder, dichter Niederwald, Gebüschgruppen an Sümpfen, Uferwälder, insbesondere mit Zürgelbäumen in den Küstengebieten Argentiniens, sowie Bäume und Sträucher in Parks und Gärten. In den Bergregionen ist sie auf Rio de Janeiro beschränkt. Hier ist die Art in den höchsten Lagen sowie an der Baumgrenze in 2400 Meter Höhe im Nationalpark Itatiaia am zahlreichsten. Ansonsten bewegt sie sich vorwiegend im Tiefland.
Migration Die Diademtangare gilt als Standvogel. Möglicherweise ist sie im Süden Uruguays und in Argentinien ein Zugvogel.
Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Erstbeschreibung der Diademtangare erfolgte 1823 durch Coenraad Jacob Temminck unter dem wissenschaftlichen Namen Tanagra diademata. Als Verbreitungsgebiet gab er Brasilien an.Coenraad Jacob Temminck (1823), S. Tafel 243 & Text.Zur genauen Publikationsgeschichte des Werkes siehe Edward Clive Dickinson (2001). Eigentlich hätte Tanagra leucocephala , 1819Louis Pierre Vieillot (1819), S. 408. Priotrität, doch war der Name bereits durch Tanagra leucocephala , 1789Johann Friedrich Gmelin (1819), S. 896. belegt. Auch Pyrrhula caerulea , 1822Louis Pierre Vieillot (1822), S. 61. ist durch Pyrrhula caerulea , 1802 François-Marie Daudin (1802), S. 247. (heute Azurfink (Passerina caerulea (, 1758))) vorbelegt. Weitere Synonyme sind Fringilla splendida , 1837Martin Hinrich Carl Lichtenstein (1837), S. 22. und Bergia solanorum , 1901Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 86–87. aus dem Departamento Alto Paraná. 1841 führte Hugh Edwin Strickland die für die Wissenschaft neue Gattung Stephanophorus für die Diademtangare ein.Hugh Edwin Strickland (1841), S. 30–31. Dieser Begriff leitet sich aus und ab.Stephanophorus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname diademata hat seinen Ursprung in .diademata The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Caerulea stammt von in caerulea The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling ab, splendida von splendida The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, solanorum von solanorum The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling und leucocephala von und .leucocephala The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. Laubmann sah Stephanophorus diadematus die Art für Paraguay. In der Literatur betrachtete er nur das Departamento Alto Paraná durch Bertoni als Nachweis für das für das Land. Außerdem erwähnte er Lindo del azul cabeza blancaFélix de Azara (1802), S. 375–376. von Félix de Azara auf den sich auch Vieillot 1819 bezog.Alfred Laubmann (1940), S. 159.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Tangaren