Walter Fürst (geboren 21. Februar 1890 in Frankfurt am Main; gestorben 1954 in New York City) war ein deutsch-US-amerikanischer Gynäkologe und Röntgenologe.
Leben Fürst wurde 1890 als Sohn eines Sanitätsrats geboren. Er studierte in Heidelberg, München, Berlin, Frankfurt am Main und Zürich. In Frankfurt promovierte er über die Ergebnisse, die an der Universitätsfrauenklinik Frankfurt am Main unter Max Walthard mit Röntgenstrahlen bei der Behandlung von Myomen erzielt worden waren. Die gynäkologische Strahlentherapie, insbesondere die Röntgentherapie von Zervixkarzinomen, blieb auch das Hauptthema seiner künftigen wissenschaftlichen Arbeit. Seine Züricher Habilitationsschrift, die 1929 in drei Teilen in der Zeitschrift Strahlentherapie erschien, widmete sich ebenfalls diesem Thema.
Fürst folgte 1920 seinem Lehrer Walthard nach Zürich, wo er 1927 zum Leitenden Arzt der Röntgenabteilung und der Krebsstation ernannt wurde. 1931 kehrte er nach Deutschland zurück, um in Magdeburg das Amt des Direktors der Röntgenabteilung des Städtischen Krankenhauses zu übernehmen. Zwei Jahre später, zum 31. Dezember 1933, dem Jahr des Machtantritts der Nationalsozialisten, wurde er wieder entlassen, offiziell aus Kostengründen, denn die Kündigung wurde mit der Auflösung des Strahleninstituts begründet, die „der Stadt wesentliche Ersparnisse bringen“ sollte. Daraufhin emigrierte Fürst in die USA; über seinen dortigen weiteren beruflichen Werdegang ist bisher kaum etwas bekannt.
In den Mitgliederlisten der DGG, in der er ab 1922 Mitglied war, wurde Fürst bis 1936 geführt. Mit regelmäßigen Kongressbeiträgen und -vorträgen zählte er zu den aktiven Mitgliedern.
Veröffentlichungen (Auswahl) Die Leistungsfähigkeit der Röntgenstrahlung in der Myomtherapie. Diss. med. Frankfurt am Main 1923. Röntgentisch für die Tiefentherapie. In: Strahlentherapie 15 (1923), S. 480–505. Zur Frage der Strahlenbehandlung der Collumkarzinome. In: Zentralblatt für Gynäkologie 30 (1926), S. 1938–1945. Untersuchungen über die Dosierung harter Röntgenstrahlung aus Fernfeldern bei der Behandlung des Collumkarzinoms. I. Teil. In: Strahlentherapie 33 (1929), S. 601–636; II. und III. Teil. In: Strahlentherapie 34 (1929), S. 340–380, 501–540.
Literatur Fritz Dross, Wolfgang Frobenius, Andreas Thum: „Wir können ihr Geschick nicht wenden.“ Die jüdischen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie im Nationalsozialismus. (Herausgegeben von Anton Scharl) Hentrich & Hentrich, Berlin 2020, S. 84 f.
KAtegorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Gynäkologe, Geburtshelfer Kategorie:Radiologe Kategorie:Wissenschaftler (20. Jahrhundert) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1954 Kategorie:Mann