mini|Porträt (1915) mini|C. Louis Leipoldt (1925) mini|Cover von Leipoldts Bands Oom Gert Vertel
Christiaan Frederik Louis Leipoldt (* 28. Dezember 1880 in Worcester, Kapkolonie; † 12. April 1947 in Kapstadt, Südafrikanische Union), meist als C. Louis Leipoldt zitiert, war ein südafrikanischer Dichter, Schriftsteller, Journalist und Arzt.
Leben Leipoldt war der Sohn von Christian Friedrich Leipoldt und seiner Frau Anna Meta Christiana Eschen. Sein Vater war Pfarrer der Niederländisch-Reformierten Kirche in Clanwilliam und zuvor rheinischer Missionar in Sumatra. Sein Großvater Johann Gottlieb Leipoldt war ebenfalls rheinischer Missionar und gründete die Missionsstation Wupperthal in Cederberg. Seine Mutter war die Tochter des rheinischen Missionars Louis F. Eschen in Worcester.
Er verbrachte seine Jugend in Clanwilliam und wurde zunächst von seinem Großvater mütterlicherseits und anschließend von seinen Eltern zu Hause unterrichtet. Sein Vater förderte sein Interesse an der Naturkunde. Leipoldt las früh auf Englisch, Niederländisch und Deutsch, wobei letztere seine häusliche Sprache war. In Kapstadt lernte er unter anderem P. D. Hahn, P. MacOwan, Mitglieder des South African Museum sowie die Botaniker Harry Bolus und Rudolf Schlechter kennen. 1893 begleitete er Schlechter auf einer Expedition nach Namaqualand. Schon früh interessierte er sich für Medizin und begann zu schreiben.
1891 erschien sein erster Beitrag in der Tageszeitung Cape Argus. 1897 und 1898 veröffentlichte das Cape Illustrated Magazine eine Reihe seiner Prosaskizzen. 1897 legte Leipoldt die Immatrikulationsprüfung ab und begann in Kapstadt als Journalist zu arbeiten, zunächst bei der Zeitung De Kolonist und später beim Het Dagblad. Während des Zweiten Burenkriegs war er Gerichtsreporter bei Verfahren gegen Rebellen der Kapkolonie und Korrespondent mehrerer ausländischer Zeitungen. 1901 übernahm er vorübergehend die Redaktion des South African News, nachdem dessen Herausgeber Albert Cartwright inhaftiert worden war. Nach dem Verbot der Zeitung unter Kriegsrecht ging Leipoldt 1902 mit finanzieller Unterstützung von Harry Bolus nach England.
Er arbeitete zunächst weiter als Journalist und berichtete unter anderem für den Manchester Guardian aus mehreren europäischen Ländern. 1902 begann er ein Medizinstudium am Guy’s Hospital in London. Daneben arbeitete er für medizinische Zeitschriften und war Herausgeber von The Hospital und School Hygiene. 1907 erwarb er die Abschlüsse M.R.C.S. und L.R.C.P. und erhielt Goldmedaillen für Chirurgie und Medizin. Nach seiner Tätigkeit als Houseman (Assistenzarzt) am Guy’s Hospital absolvierte er postgraduale Studien in Europa, darunter Lehrgänge der Orthopädie in Berlin sowie Tätigkeiten in Bologna und Wien. In Graz studierte er ein Jahr Kinderkrankheiten.
In der ersten Hälfte des Jahres 1909 arbeitete Leipoldt als Schiffsarzt auf einer Luxusyacht an der Ostküste der Vereinigten Staaten und betreute den Sohn des Zeitungsverlegers Joseph Pulitzer. Dort besuchte er orthopädische Einrichtungen. Im Sommer 1909 bestand er die Prüfungen zum F.R.C.S. Anschließend arbeitete er in London am Kinderkrankenhaus in Chelsea und am German Hospital in Dalston. Er wurde als Schularzt im London County unter James Kerr tätig und untersuchte im Rahmen dieser Tätigkeit die medizinische Schulaufsicht in mehreren europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten.
1910 zeigte er seinem Freund, dem Linguisten J. J. Smith (später Professor in Stellenbosch) die Manuskripte seiner zwischen 1896 und 1910 entstandenen Gedichte. Smith redigierte sie; 1911 erschienen sie unter dem Titel Oom Gert vertel en ander gedigte. Der Gedichtband begründete Leipoldts Stellung als bedeutender afrikaanssprachiger Dichter. Gemeinsam mit Jan F. E. Celliers und Totius bildete er das als „Triumvirat“ bezeichnete Zentrum der Zweiten Afrikaansen Sprachbewegung. 1915 wurde Leipoldt in die Maatschappij der Nederlandse Letterkunde gewählt. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit veröffentlichte er weiterhin Gedichte, Dramen und Sachbücher. Sein erstes Kochbuch war Common-sense dietetics (1911).
Ende 1911 unterzog sich Leipoldt einer Operation und arbeitete anschließend als Schiffsarzt auf der Ulysses in Südostasien. Nach seiner Rückkehr nahm er seine Tätigkeit als Schularzt in London wieder auf und organisierte Schulferienlager und Reisen. 1913 wurde er zum medizinischen Schulinspektor in Transvaal ernannt. Während des Ersten Weltkriegs begleitete er General Louis Botha als medizinischer Offizier beim Südwestafrika-Feldzug. Im Juni 1915 nahm er seine Tätigkeit als medizinischer Schulinspektor wieder auf und war an der Einführung entsprechender Dienste in Natal 1916 und in der Kapprovinz 1919 beteiligt.
1920 erschien sein zweiter Gedichtband Dingaansdag. Daneben veröffentlichte Leipoldt mehrere Schriften über Gesundheit und Bildung, darunter Praatjies met die oumense (1918), Skoolgesondheid (1920), Praatjies met die kinders (1920) und Die Afrikaanse kind in siekte en gesondheid (1920). 1923 erschien Die heks, außerdem Uitgesoekte gedigte vir jong Suid-Afrika und der Gedichtband Uit drie wêrelddele. 1923 gab Leipoldt sein Amt als medizinischer Schulinspektor auf und wurde stellvertretender Herausgeber des De Volkstem. Dort widmete er sich öffentlichen Angelegenheiten und dem Bildungswesen und veröffentlichte zahlreiche Artikel, Übersetzungen und Gedichte.
Bei den Südafrikanischen Parlamentswahlen von 1924 kandidierte Leipoldt für die South African Party im Wahlkreis Wonderboom, unterlag jedoch. 1925 wurde er beim De Volkstem entlassen. Im April desselben Jahres ließ er sich in Kapstadt als Kinderarzt nieder. 1926 wurde er Teilzeitdozent an der medizinischen Fakultät der Universität Kapstadt sowie erster Organisationssekretär der Medical Association of South Africa und erster Herausgeber des South African Medical Journal. 1928 absolvierte er eine Bildungsreise nach England.
Leipoldt veröffentlichte zahlreiche Gedichte, Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke sowie biografische, autobiografische und historische Werke. Zu seinen Erzählungen über das Übernatürliche gehören War spoke speel (1927) und Wat agter ’n ander verhale (1930), zu seinen Romanen Die donker huis (1931), Galgsalmander (1932) und Die dwergrouwtjie (1937). Zu seinen Dramen zählen ’n Vergissing (1927), Die laaste aand (1930), Afode (1931) und Die kwaksalwer (1931). Kriminalerzählungen sind unter anderem Die moord op Muirenberg (1932), Die verbrande lyk (1934) und Die moord in die Bosveld (1939). Zu seinen Kinderbüchern gehören Kampstories (1924), As die natuur geklets (1928), Paddastories vir die peetkind (1934) und Die goue eier (1937). Seine historischen Werke umfassen Jan van Riebeeck (1936 auf Englisch, 1938 auf Afrikaans), Die Groot Trek (1938) und Die Hugenote (1939). Autobiografische Werke sind Uit my Ooserse dagboek (1932) und Bushveld doctor (1937).
1932 veröffentlichte Leipoldt die Gedichtbände Die bergtragedie und Skoonheidsverse. Für Skoonheidsverse erhielt er 1934 den Hertzogprys für Dichtung. Die Witwatersrand-Universität verlieh ihm die Ehrendoktorwürde D.Litt. Als Herausgeber des South African Medical Journal und hauptamtlicher Sekretär der Medical Association of South Africa bis Dezember 1944 war er weiterhin im medizinischen Bereich tätig und bereiste das Land. 1944 erhielt er den Hertzogprys für Dramatik für Die heks und Die laaste aand.
Nach dem Verkauf seines Hauses Arbury widmete sich Leipoldt zunehmend der literarischen und journalistischen Arbeit. Ein Anfall einer Koronarthrombose führte zu seinem Tod. Seine Asche wurde entsprechend seinem Wunsch am Pakhuis Pass bei Clanwilliam beigesetzt. 1957 gründeten seine Freunde in Clanwilliam die Leipoldt-Nortier Library.
Postum erschienen unter anderem Die Moermansget en ander verhale en natuurverse (1948), Geskende skaduwees (1949), The ballad of Dick King and other poems (1949), 300 years of Cape wine (1952) und Polfyntjies vir die proe (1963).
Leipoldts gilt insbesondere als Begründer des dramatischen Monologs im Afrikaans und trug zur Verwendung von Blankvers und Sonett in der afrikaanssprachigen Dichtung bei.
Dedikationsnamen Harriet Margaret Louisa Bolus benannte 1927 die Gattung Leipoldtia zu Ehren von Leipoldt.
Literatur
Hugh F. Glen, Gerrit Germishuizen (Hrsg.): Botanical exploration of southern Africa. 2. Aufl., Strelitzia 26, South African National Biodiversity Institute, Pretoria 2010, ISBN 978-1-919976-54-9, S. 259–260. (auf biodiversitylibrary.org)
Weblinks
Literaturwörterbuch für Nord und Süd: Eintrag für C. Louis Leipoldt C. Louis Leipoldt in der Encyclopaedia Britannica
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