Hydnora bolinii ist eine blattgrünlose Pflanzenart aus der Gattung Hydnora innerhalb der Familie der Hydnoraceae. Dieser Holoparasit auf Pflanzen ist nur von drei Aufsammlungen aus drei afrikanischen Ländern bekannt. Er wächst mit Ausnahme der Blüten vollständig unterirdisch.
Merkmale Wie alle Arten der Gattung hat auch Hydnora bolinii die Photosynthese aufgegeben und bildet dementsprechend kein Chlorophyll mehr. Hydnora bolinii ist ein unterirdisch wachsender, ausdauernder Wurzelparasit ohne Blätter oder Sprossachsen.
Das Rhizom ist unregelmäßig, oft sowohl kreisrund im Querschnitt, annähernd kreisrund und an verschiedenen Stellen zusammengedrückt. Es hat bis 3 cm Durchmesser. Die Oberfläche des Rhizoms ist ledrig, dunkel graubraun. Es wächst horizontal. Auf dem Rhizom sitzen zahlreiche seitliche Tuberkel von unterschiedlicher Größe und Form, in zufälliger und dichter Verteilung auf dem Rhizom, jedoch nicht in deutlicher linearer Anordnung. Aus den Tuberkeln können sich Blüten oder Haustorien entwickeln. Das Rhizom-Innere ist fleischig, die Farbe ist nicht bekannt.
Die Blüten sind üblicherweise vierzählig, können jedoch auch drei- oder fünfzählig sein. Die Blüte wächst nur teilweise über die Bodenoberfläche hinaus. Die Blüte besitzt zwei Blütenkammern: eine andrözische Kammer und unter dieser die gynözische Kammer. Die innere Oberfläche der Kammern ist glatt. Die Blütenhülle (Perianth) ist außen ledrig, rostbraun und bis 16 cm lang. Das Perianthgewebe ist fleischig. Die Blütenröhre ist innen lachsfarben und weiß, und bis 3 cm breit. Die Tepalen sind innen lachsfarben und weiß und bei einer Länge von 5 bis 10 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 3 Zentimetern lanzettlich, leicht gebogen, sodass sie sich an der Spitze berühren. Das Gewebe an der Tepalenspitze ist eine kahle Haube (Cucullus) und kein Osmophor. Die Ränder der Tepalen sind mit Setae besetzt. Die Setae sind rund 2 mm lang. Die Seitenfläche der Tepalen reicht nur zur Hälfte von der ventralen zur dorsalen Seite des Tepals. Pro Tepal gibt es zwei Osmophore: der apikale Osmophor ist ein schmaler, verkehrt V-förmiger Streifen, über der Tepalen-Seitenfläche und unter dem äußeren Cucullus. Der vertiefte Osmophor befindet sich in der inneren Tepalen-Höhlung. Es ist nicht bekannt, ob die Osmophore einen Geruch produzieren.
Die Antherenlappen sind verwachsen und w-förmig, sie bilden einen Antherenring mit einer zentralen Öffnung. Der Ring ist gestreift und in zahlreiche horizontale Pollensäcke unterteilt. Der Fruchtknoten steht unterständig, ist unilokulär und mit zahlreichen Samenanlagen an der apikalen Plazenta. Der Fruchtknoten ist rund 1,5 bis 2,5 cm im Durchmesser. Die Narbe ist gelappt und polsterartig, sie sitzt am Grund der gynözealen Kammer.
Frucht und Samen von Hydnora bolinii sind nicht bekannt.
Die bekannten Exemplare wurden im April und Juni im blühenden Zustand gesammelt. Möglicherweise folgt die Blütezeit wie in anderen Hydnora-Arten auf Regenfälle.
Vorkommen Hydnora bolinii kommt in Afrika vor. Hydnora bolinii ist nur aus Äthiopien, dem nördlichen Kenia und aus Somalia bekannt. Das Verbreitungsgebiet von Hydnora bolinii ist wahrscheinlich größer, es gibt jedoch nur wenige Aufsammlungen dieser Art.
Die bekannten Exemplare von Hydnora bolinii wurden in Commiphora-Acacia-Buschland aufgesammelt, in denen auch große Bäume aus den Gattungen Delonix, Terminalia und Gyrocarpus wuchsen. Andere Vorkommen waren in degradierten Acacia-Beständen.
Die Wirtspflanzen von Hydnora bolinii sind nicht bekannt. Neben den bereits genannten Gattungen wachsen in der Nähe von Hydnora bolinii auch Boscia, Ziziphus und Salsola. Es wird vermutet, dass die Wirtspflanze zu einer dieser Gattungen gehört.
Systematik Taxonomie Die Erstbeschreibung von Hydnora bolinii erfolgte 2024 durch Sebastian Hatt in Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin, Band 79, 2024, Seite 459–514. Das Artepitheton bolinii ehrt den Botaniker Jay F. Bolin, Professor am Catawba College in Salisbury (North Carolina) in Anerkennung seiner jahrzehntelangen Forschung an Hydnora.
Botanische Geschichte Hydnora bolinii ist nur von Herbarbelegen von drei Aufsammlungen 1952, 1963 und 1981 bekannt. Es sind weder Lebendexemplare noch Fotos von solchen bekannt.
Systematische Einordnung Die Art Hydnora bolinii gehört zur Untergattung Hydnora subg. Dorhyna in der Gattung Hydnora
Unterscheidung zu anderen Arten Von anderen Arten der Untergattung Dorhyna unterscheidet Hydnora bolinii sich durch einen apikalen Osmophor, der zu einem schmalen Streifen reduziert ist, der vertiefte Osmophor reicht bis zu den Tepalrändern, und an der Tepal-Spitze befindet sich ein kahles äußeres Gewebe, das eine Kappe (Cucullus) bildet.
Literatur Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin, Band 79, 2024, S. 459–514. doi:10.1007/s12225-024-10193-5
Einzelnachweise Sebastian A. Hatt, Chris J. Thorogood, Jay F. Bolin, Lytton J. Musselman, Duncan D. Cameron, Olwen M. Grace: A taxonomic revision of the genus Hydnora (Hydnoraceae). In: Kew Bulletin, Band 79, 2024, S. 459–514. doi:10.1007/s12225-024-10193-5
Kategorie:Pfefferartige Kategorie:Pflanzenparasit Kategorie:Piperales