Gerhard Vossel (* 20. Juli 1950 in Neustadt an der Weinstraße) ist ein deutscher Psychologe und emeritierter Professor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.Gerhard Vossel aus Research Gate, abgerufen am 14. August 2026.
Leben Er promovierte 1980 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einer Arbeit über Aufmerksamkeit und Habituation zum Dr. rer. nat. Danach war er Professor am Institut für Psychologie (Arbeitsgruppe Forensische Psychophysiologie) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.Gerhard Vossel auf Lie detector Test, abgerufen am 15. August 2026.
Werk In seinen frühen akademischen Arbeiten setzte er sich mit der Stress- und Belastungsforschung auseinander, etwa den Auswirkungen von Stress auf die Herzrate, der Transaktionalen Stresstheorie sowie den Einflüssen von Alltagsbelastungen auf die Stressreaktion. Er untersuchte auch die menschliche Aufmerksamkeit und Orientierungsreaktionen, beispielsweise mittels elektrodermaler Aktivität oder hirnelektrischer Potenziale.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Forensische Psychophysiologie. Durch seine Studien mit dem Lügendetektor gilt er als Experte für die psychophysiologische Aussagebeurteilung. Hierbei erforschte er intensiv die Methodik und Anwendung des sogenannten „Tatwissentests“ (auch als „Concealed Information Test“ (CIT) oder als „Guilty Knowledge Test“ (GKT) bekannt). Seine Forschungsbeiträge konzentrierten sich auf die Validierung und Verfeinerung psychophysiologischer Messverfahren zur Aufdeckung verborgenen Wissens. In einer Studie aus dem Jahr 2006 untersuchte er den Tatwissentest und stellte fest, dass elektrodermale, respiratorische und kardiovaskuläre Messgrößen eine erfolgreiche Unterscheidung zwischen schuldig und unschuldig befundenen Probanden ermöglichten; dabei erzielte ein logistisches Regressionsmodell Trefferraten von über 90 %. Seine fMRT-Studie aus dem Jahr 2007 übertrug ein Tatwissentest-Paradigma auf die funktionelle Magnetresonanztomografie, wobei zusätzlich Reaktionszeiten und Reaktionen der Hautleitfähigkeit quantifiziert wurden, um neuronale Korrelate von Verhaltens- und elektrodermalen Reaktionsmustern zu identifizieren. Er zeigte, dass emotionale Erregung die Enkodierung tatbezogener Details sowie die entsprechenden physiologischen Reaktionen im Tatwissentests moduliert.
Über die Polygrafieforschung hinaus erstreckte sich Vossels Expertise auf allgemeinere psychophysiologische Prozesse, darunter die elektrodermale Aktivität, die Differenzierung von Paradigmen zur Lügenerkennung sowie die Verknüpfung von Neuroimaging und Messungen des autonomen Nervensystems. Seine Arbeit schlug eine Brücke zwischen Laborstudien und theoretischen Modellen der Kognitionspsychologie sowie der Neurowissenschaften und er trug zum wissenschaftlichen Verständnis der Detektion von Gedächtnisinhalten sowie der physiologischen Marker bei, die in forensischen Kontexten zwischen wahrheitsgemäßen und täuschenden Antworten unterscheiden.
Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Maria von Salisch; Herbert Selg; Heinz Zimmer: Grundriss der Psychologie: Psychophysiologie: Bd. 4. Kohlhammer, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-17-012622-0. Elektrodermale Labilität: Ein Beitrag zur Differentiellen Psychophysiologie. Hogrefe Verlag, Göttingen 1990, ISBN 978-3801703608. Aufmerksamkeit und Habituation: interindividuelle Unterschiede in der Habituationsgeschwindigkeit der Orientierungsreaktion und Signal-Entdeckung. Univ. Mainz, Diss. 1980,
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Stefan Berti; Matthias Gamer: The orienting response in healthy aging: Novelty P3 indicates no general decline but reduced efficacy for fast stimulation rates. In: Frontiers in Psychology, 2017, 8, S. 1780. Mit Judith Peth; Tobias Sommer; Martin N. Hebart; Christian Büchel; Matthias Gamer: Memory detection using fMRI - Does the encoding context matter? In: NeuroImage, 2015, 113, S. 164–174. Mit Rainer Rossmann: The effects of electrodermal lability and stimulus intensity on skin conductance habituation: A preliminary report. In: Physiological Psychology, 2013, 9 (3), S. 321–324. Mit Manfred Velden: How can skin conductance responses increase over trials while skin resistance responses decrease? In: Physiological Psychology, 2013, 13 (4), S. 291–295. Mit Matthias Michal; Ansgar Koechel; Marco Canterino; Julia Adler; Iris Reiner; Manfred Beutel; Matthias Gamer: Depersonalization Disorder: Disconnection of Cognitive Evaluation from Autonomic Responses to Emotional Stimuli. In: PLOS One, 2013, 8 (9), e74331. Life Events, Hassles, and Future Strategies in Stress Research. In: Psychological Inquiry, An International Journal for the Advancement of Psychological Theory , 2009, 1 (1), S, 32–33. Mit Peter Stoeter; Thomas Bauermann; R. Nickel; L. Corluka; Joachim Gawehn; Goran Vucurevic; U. T. Egle: Cerebral activation in patients with somatoform pain disorder exposed to pain and stress: An fMRI study. In: NeuroImage, 2007, 36 (2), S. 418–430. Mit Jochen Hardt; Jutta Hunzinger; Ulrich Tiber Egle: Stabilität und Stimmungsabhängigkeit retrospektiver Berichte elterlichen Erziehungsverhaltens. In: Zeitschrift für klinische Psychologie und Psychotherapie, 2007, 36 (4), S. 235–242. Mit Heinz W. Gödert: Forensische Psychophysiologie (Lügendetektion): Polygraphie versus Stimmstressanalyse. In: Polizei & Psychologie, 2003, S. 247–278. Mit Heinz Werner Gödert; Hans-Georg Rill; Gerhard Vosse; Matthias Gamer: Forensische Psychophysiologie (Lügendetektion): Gegenüberstellung der wichtigsten Verfahren - Kontrollfragentest und Tatwissentest. In: Polizei & Psychologie, 2003, S. 279–294. Mit Heinz Werner Göder; Matthias Gamer: Forensische Psychophysiologie (Lügendetektion): Der Tatwissentest - Methodik, Anwendung und rechtliche Situation. In: Polizei & Psychologie, 2003, S. 561–571. Mit Heinz Werner Gödert; Hans-Georg Rill; Gerhard Vossel; Matthias Gamer: Forensische Glaubhaftigkeitsbeurteilung: Vergleich psychophysiologischer, inhaltsorientierter und naiv-intuitiver Vorgehensweisen. In: Polizei & Psychologie, 2003, S. 295–311. Stress conceptions in life event research: Towards a person‐centred perspective. In: European Journal of Personality, 1987, 1 (3), 123–140. Mit Rainer Rossmann: Electrodermal Habituation Speed and Visual Monitoring Performance. In: Psychophyiology, 1984, 21 (1), S. 97–100. Mit Lothar Laux: Neuere kognitive Stresskonzeptionen. In: Lutz H. Eckensberger (Hrsg.): Deutsche Gesellschaft für Psychologie: Bericht über den 31. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Hogrefe, Göttingen 1979, S. 148–152. Mit Werner D. Fröhlich: Arbeitsbelastung und Arbeitszufriedenheit: Beziehungen zu alltägl. Belastungsfaktoren, Organisationsgegebenheiten u. Persönlichkeitsmerkmalen (Forschungsvertrag InSan I - 0276 - V – 153). In: Wehrpsychologische Untersuchungen, 1979, 14 (1). Mit Lothar Laux: The impact of stress experience on heart rate and task performance in the presence of a novel stressor. In: Biological Psychology, 1978, 6 (3), S. 193–201. Mit Werner D. Fröhlich: Aufmerksamkeit bei Überwachungs- und Steuerungstätigkeiten. In: Wehrpsychologische Untersuchungen, 1977, 12 (4).
Weblinks
Gerhard Vossel auf Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 15. August 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Physiologe Kategorie:Hochschullehrer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Mann