Mary Hahn, geborene Marie Margarethe Jeß, auch bekannt als Mary Tromholt (geboren am 26. Dezember 1866 in Flensburg; gestorben am 18. August 1948 in Baden-Baden) war eine deutsche Opern- und Konzertsängerin, Gesangspädagogin und Schauspielerin. Sie gründete und leitet die Neue Opernschule in Berlin.

Leben und Wirken Mary Jess wurde als Tochter des Schumachermeisters Johan Henrik JessAbweichend in manchen Quellen auch: Jakob Hinrich Jeß (VIAF) oder Heinrich Jakob Jeß (August Degener: Wer ist's?, S. 582). und Anna Sophie Elisabeth („Elise“) Henningsen in Flensburg geboren. Am 27. November 1887 heiratete sie den dänisch-norwegischen Astronomen, Nordlichtforscher und Pionier der ethnographischen Fotografie Sophus Tromholt und lebte zunächst mit ihm in Christiania (heute: Oslo). Da die Finanzierung der norwegischen Regierung für Tromholts Forschung auslief, zogen sie bald nach der Hochzeit gemeinsam nach Deutschland: zunächst nach Dresden, dann nach Möckern.Peter Michaelsen und Kira Moss: Sophus Tromholt (1851-1896). A Neglected Danish Games Inventor, in: Board Game Studies Journal, Volume 19, 2025, S. 130.

1888 besuchte Mary Tromholt das Königliche Konservatorium der Musik zu Leipzig (heute: Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig). Dort belegte sie folgende Klassen: Ensemblespiel bei Carl Reinecke, Vorlesungen bei Oscar Paul, Gesang bei Heinrich Klesse, Theorie der Musik und Komposition bei Leo Grill, Pianofortespiel bei Carl Beving. Darüber hinaus nahm sie privaten Gesangsunterricht u. a. in Leipzig, in Paris bei Andrée Lacombe und in Berlin bei Luise Ress.

1890 hatte Mary Tromholt ihr Bühnendebüt als Opernsängerin in Rostock in der Rolle der Leonore im Fidelio. Am Thalia-Theater in Rostock war sie bis 1893 als dramatische Sängerin engagiert. Bis 1898 folgten weitere Engagements und Gastspiele u. a. am Stadttheater Koblenz, in Barmen und Kopenhagen.

Nach dem frühen Tod ihres ersten Ehemanns Sophus Tromholt im Jahr 1896 nannte sich Mary Tromholt zwischenzeitlich Thomsen. Die Gründe dafür sind unklar. Möglich ist, dass sie in einer Beziehung zu Carl Thomsen stand, der zeitgleich mit ihr am Stadttheater Koblenz als Opernsänger engagiert war. Am 6. April 1898Heiratsregister-Nr. 55/1889, Stadtarchiv Flensburg. heiratete sie den Berliner Rechtsanwalt Max Hahn und beendete vorerst ihre Bühnenlaufbahn.

Nachweislich ab 1911 war Mary Hahn als Gesangslehrerin in Berlin (Potsdamer Straße 138) tätig. Eine Anzeige versprach: „Sorgfältigste Stimmbildung mittels kombinierter Kopfton- und Atemtechnik.“ Und: „Bühnenfertige Einstudierungen u. Aufführungen ganzer Opern auf eigener Uebungsbühne.“ Zusammen mit dem Opernregisseur Maximilian Moris gründete sie am 1. September 1912 die Neue Opernschule in der Potsdamer Straße 39. Zu den Lehrenden gehörten neben Hahn und Moris u. a. der Kammersänger Hermann Gura, Regisseur Heinz Sattler und der Komponist Adolf Schreiber, der an der Schule auch Richard-Strauß-Abende, einen Wagner-Abend sowie Szenen aus Glucks Orpheus und Eurydike von Christoph Willibald Gluck ausrichtete.

Von 1912 bis 1916 kehrte Mary Hahn als Schauspielerin auf die Bühne zurück und spielte u. a. am Theater des Westens. Ab 1916 unterrichtete sie an der von Max Reinhardt gegründeten und von Berthold Held geleiteten Schauspielschule des Deutschen Theaters (heute: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) das Fach Stimmbildung.

Mary Hahn hielt regelmäßig Vorträgeu. a.: Stimmbildung für alle. Vortrag, gehalten am 23. November 1930 in der Gesellschaft für deutsche Gesangskunst und -Forschung. und publizierte Artikel in Fachzeitschriften zu Fragen der Gesangs-, Stimm- und Atemtechnik.u. a.: Zur Frage des Portamento, in: Die Stimme. Centralblatt für Stimm- und Tonbildung, Gesangunterricht und Stimmhygiene, Band 29, 1934. Außerdem war sie Gründerin und Leiterin des Berliner Frauen-Terzett (auch: Berliner Frauenterzett) und gehörte sowohl dem Vorstand des Vereins Berliner Tonkünstler, der Gesellschaft für deutsche Gesangskunst als auch dem Sachverständigengremium für Musik der Preußischen Akademie der Künste an.

Einzelnachweise

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