Die Metro M1 ist ein U-Bahn-Wagentyp, der seit dem Jahr 2000 auf der Linie C der Metro Prag im Einsatz ist. Entwickelt wurde er von einem Konsortium aus dem tschechischen Hersteller ČKD Dopravní systémy, der deutschen Siemens AG (Siemens Kolejová vozidla) und der Bahntechniksparte Adtranz. Nach der Übernahme von ČKD durch Siemens im Jahr 2001 wurden spätere Lieferungen ausschließlich von Siemens gefertigt. Neben Prag kommt eine davon abgeleitete Ausführung auch bei der Metro Maracaibo in Venezuela zum Einsatz.
Geschichte
Der Vertrag über die Lieferung der neuen Zuggeneration wurde im Juli 1995 zwischen den Prager Verkehrsbetrieben (Dopravní podnik hlavního města Prahy) und einem Konsortium unterzeichnet, das sich letztlich aus ČKD Dopravní systémy, Siemens und Adtranz zusammensetzte; ursprünglich waren 22 fünfteilige Garnituren bestellt. Der erste Zug wurde im Juli 1998 vorgestellt und absolvierte anschließend einen mehrjährigen Testbetrieb. Die Fertigung der Baureihe erstreckte sich insgesamt über die Jahre 1998 bis 2011, wobei der Großteil der Produktion zwischen 2000 und 2003 erfolgte. Seit 2003 verkehrt auf der Linie C ausschließlich dieser Fahrzeugtyp. Im Zuge der Streckenverlängerungen der Linie C wurden weitere Züge nachbeschafft, die – nach der Übernahme von ČKD durch Siemens im Jahr 2001 – allein von Siemens gefertigt wurden.
Fertigungsserien
Die insgesamt 53 gebauten Garnituren verteilen sich auf vier Fertigungsserien, die sich in Details unterscheiden:
Serie Stückzahl Auslieferung Besonderheiten M1A 22 bis Anfang 2002 Erste Serie; nach der Insolvenz von ČKD Dopravní systémy im Jahr 2000 verzögert fertiggestellt M1B 20 2003 Erste vollständig von Siemens Kolejová vozidla gefertigte Serie, nachdem das Unternehmen das ehemalige ČKD-Werk in Prag-Zličín übernommen hatte M1C 6 2005 – M1D 5 2011 Letzte Serie, montiert im Depot Kačerov, da das Werk in Zličín inzwischen geschlossen war; ausgestattet mit modernisierter elektrischer Ausrüstung
Die ersten drei Serien unterscheiden sich vor allem in kleineren Details wie der Sitzanordnung im Innenraum, der Türausführung und der Ausrichtung der Frontscheiben. Die vierte Serie M1D hebt sich hingegen durch eine überarbeitete elektrische Ausrüstung von den vorangegangenen Serien ab.
Technik und Ausstattung
Die Züge des Typs M1 besteht aus fünf permanent gekuppelten Wagen, die betrieblich nicht voneinander getrennt werden können. Die Gesamtlänge einer Garnitur beträgt 96,66 Meter, die Breite 2,712 Meter, das Leergewicht liegt bei rund 133 Tonnen. Angetrieben werden die Züge von Asynchronmotoren mit Mikroprozessorsteuerung, die im Vergleich zu den zuvor eingesetzten sowjetischen Fahrzeugen der Baureihe 81-71/81-71M einen deutlich geringeren Energieverbrauch aufweisen und zugleich das geringere Gewicht der Baureihe ermöglichen – ein Vorteil, der insbesondere die Statik der Nusle-Brücke schont, in deren Hohlkasten die Linie C verläuft. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Regelbetrieb liegt bei 80 km/h. Ein Zug bietet Platz für 224 sitzende und – bei einer Maximalbesetzung von acht Personen pro Quadratmeter – bis zu 1240 stehende Fahrgäste.
Entworfen wurde die Innen- und Außengestaltung von dem Architekten Patrik Kotas, an der technischen Konstruktion war unter anderem der Ingenieur Antonín Honzík beteiligt.
In Prag werden die Fahrzeuge über eine seitliche, von unten bestrichene Stromschiene mit 750 Volt Gleichstrom versorgt.
Einsatz in Prag
Seit 2003 verkehrt auf der Linie C der Prager Metro ausschließlich der Typ M1, sie werden vom Depot Kačerov aus eingesetzt. Im morgendlichen Berufsverkehr sind rund 42 Züge im Einsatz, wobei in Spitzenzeiten ein Mindestabstand von 90 Sekunden zwischen zwei Zügen eingehalten wird.
2023 einigten sich die Prager Verkehrsbetriebe mit Siemens auf einen 15 Jahre laufenden Instandhaltungsvertrag im Volumen von 7,5 Milliarden tschechischen Kronen (rund 290 Millionen Euro), der unter anderem den Austausch von 530 Fahrgestellrahmen umfasst, bei denen es in der Vergangenheit zu Problemen gekommen war. Da die technische Spezifikation der M1-Baureihe ausschließlich bei Siemens liegt, kam laut DPP-Geschäftsführer Martin Gillar für diesen Auftrag kein anderer Anbieter infrage.
Einsatz in Maracaibo miniatur|rechts|Metro Maracaibo Eine vom Prager M1 abgeleitete Fahrzeugversion wird auch von der Metro Maracaibo in Venezuela eingesetzt; sie wird dort als eigene Variante unter der Bezeichnung M1-MARA geführt und ist von den vier Prager Serien zu unterscheiden. Die venezolanischen Garnituren unterscheiden sich von den Prager Fahrzeugen in mehreren Punkten: Sie bestehen nur aus drei statt fünf Wagen, sind grün lackiert statt in Prager Farbgebung und werden – da in Maracaibo keine seitliche Stromschiene, sondern eine Oberleitung verwendet wird – über einen Pantografen mit Energie versorgt. Auf Kundenwunsch wurden die Fahrzeuge zudem mit einer Klimaanlage ausgestattet, die die Prager Garnituren nicht besitzen.
Fahrzeugbestand und Kenndaten
Merkmal Prag Maracaibo Wagen pro Zug 5 3 Spurweite 1435 mm 1435 mm Stromsystem 750 V DC, seitliche Stromschiene 750 V DC, Oberleitung Lackierung Rot/Grau (ursprünglich hellgrau/rot) Grün-Weiß Höchstgeschwindigkeit 80 km/h (betrieblich) ca. 70 km/h Hersteller ČKD/Siemens/Adtranz, ab 2004 nur Siemens Siemens
Weblinks
Einzelnachweise
Metro M1 Kategorie:U-Bahn-Fahrzeug Kategorie:Schienenfahrzeug (Siemens)