Die Altstadt von Ouro Preto umfasst den historischen Stadtkern von Ouro Preto im Bundesstaat Minas Gerais und wurde 1980 als erste Kulturstätte Brasiliens in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Die Stadt wurde Ende des 17. Jahrhunderts gegründet und war im 18. Jahrhundert das Zentrum des brasilianischen Goldrauschs. Nach der Erschöpfung der Goldminen im 19. Jahrhundert verlor Ouro Preto an Bedeutung, wodurch das barocke Stadtbild weitgehend unverändert erhalten blieb. Die Altstadt gilt als herausragendes Zeugnis des brasilianischen Barocks (Barroco Mineiro) und ist eng mit dem Künstler Aleijadinho verbunden, der hier die Kirche São Francisco de Assis gestaltete. Die UNESCO würdigt die Stätte unter den Kriterien (i) und (iii) als außergewöhnliches Zeugnis einer vom Bergbaureichtum unter portugiesischer Kolonialherrschaft geprägten Gesellschaft.

Geschichte

Die Siedlung entstand 1698 als Goldgräberort und erhielt 1711 unter dem Namen Vila Rica („Reiche Stadt“) die Stadtrechte. Binnen eines Jahrzehnts nach der Gründung war sie zum Zentrum des größten Goldrauschs Amerikas jener Zeit aufgestiegen. Von 1720 bis 1897 war die Stadt Hauptstadt der Provinz beziehungsweise des Bundesstaates Minas Gerais. Der Reichtum aus dem Goldbergbau ermöglichte den Bau zahlreicher Kirchen und repräsentativer Gebäude im Stil des Barroco Mineiro.

1789 war Vila Rica Schauplatz der Inconfidência Mineira, einer von der portugiesischen Krone unterdrückten brasilianischen Unabhängigkeitsbewegung. Ihr bekanntester Beteiligter, Joaquim José da Silva Xavier („Tiradentes“), wurde 1792 in Rio de Janeiro hingerichtet.

Mit der Erschöpfung der Goldminen im 19. Jahrhundert und der Verlegung der Hauptstadt nach Belo Horizonte 1897 verlor die Stadt ihre Bedeutung. Der wirtschaftliche Stillstand bewahrte jedoch das barocke Stadtbild vor größeren Veränderungen. 1933 wurde Ouro Preto zur Cidade Monumento erklärt, 1980 folgte die Aufnahme in die Welterbeliste.

Architektur und Stadtbild

Die Altstadt erstreckt sich über die steilen Hänge eines engen, gewundenen Tals zwischen zwei Bergketten. Ihr unregelmäßiger, den Geländekonturen folgender Grundriss mit gewundenen Straßen, Plätzen, Brunnen und Brücken bildet zusammen mit den Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden und Kirchen ein geschlossenes barockes Ensemble.

Zu den bedeutendsten Bauwerken zählen die von Aleijadinho gestaltete Kirche São Francisco de Assis, der Palácio dos Governadores (Gouverneurspalast, heute Bergbauschule) sowie die ehemalige Casa de Câmara e Cadeia (Verwaltungs- und Gefängnisgebäude), in der heute das Museum der Inconfidência untergebracht ist. Die Barockkirchen der Stadt enthalten Skulpturen Aleijadinhos und Deckenmalereien von Manuel da Costa Ataíde. Charakteristisch sind die an den Fassaden verwendeten Steinskulpturen aus Gneis und Speckstein. Da die portugiesische Krone die Ansiedlung religiöser Orden in Minas Gerais untersagt hatte, entstanden anstelle von Klöstern zahlreiche Kirchen und Kapellen.

Schutz und Erhaltung

Die Altstadt steht seit 1933 als Nationaldenkmal unter Schutz. Die Aufsicht über die Einzeldenkmäler und den historischen Stadtkern liegt bei der nationalen Denkmalschutzbehörde IPHAN (Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional). Die Welterbestätte umfasst eine Kernzone von 167,8 Hektar. Um diese liegt eine 2.036,9 Hektar große Pufferzone, innerhalb derer bauliche Veränderungen kontrolliert werden, um das historische Stadtbild zu bewahren.

Die UNESCO weist als zentrale Erhaltungsprobleme auf den Straßenverkehr hin, dessen Erschütterungen die historischen Bauten belasten, sowie auf das unkontrollierte Wachstum der modernen Stadt am Rande des Schutzgebiets.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Baugruppe (Städtebau) des Barock

Ouro Preto Kategorie:Welterbestätte in Amerika Kategorie:Welterbestätte in Brasilien Kategorie:Weltkulturerbestätte