Die Metro Maracaibo (spanisch Metro de Maracaibo) ist ein Stadtbahnsystem in Maracaibo, der zweitgrößten Stadt Venezuelas und Hauptstadt des Bundesstaates Zulia. Sie wird von der staatlichen Gesellschaft Metro de Maracaibo, C.A. betrieben und umfasst gegenwärtig eine einzige Betriebslinie mit sechs Stationen auf einer Strecke von 6,5 Kilometern. Das System ging 2009 vollständig in Betrieb, blieb jedoch weit hinter dem ursprünglich geplanten Vier-Linien-Netz zurück.

Geschichte

Die Betreibergesellschaft *Metro de Maracaibo, C.A. wurde am 20. Juli 1993 gegründet, um das Verkehrskollaps in der Metropole zu reduzieren. Hauptanteilseigner waren zunächst der Stadtrat von Maracaibo und die Regionalregierung von Zulia. Erst ein Jahrzehnt später, ab 2003, nahm das Bauvorhaben konkrete Form an, als das venezolanische Infrastrukturministerium gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der Betreibergesellschaft den Bau der ersten Linie vorantrieb; die Nationalregierung übernahm dabei den Mehrheitsanteil von 67 Prozent.

Als Hauptauftragnehmer für Fahrzeuge, Signaltechnik, Automatisierung, Elektrifizierung und Telekommunikation wurde Siemens verpflichtet. Im Juli 2006 traf der erste aus Deutschland verschiffte Zug im Hafen von Maracaibo ein. Die Eröffnung erfolgte anschließend in mehreren Etappen: Die Stationen Altos de La Vanega und El Varillal nahmen am 25. November 2006 zunächst einen kostenlosen, TestBetrieb auf, gefolgt von El Guayabal im August 2007 und Sabaneta im Mai 2008. Mit der Eröffnung von Urdaneta und Libertador am 8. Juni 2009 – dem venezolanischen Marine-Tag – ging das System vollständig in den kommerziellen Betrieb über. Der ursprünglich als erster Bauabschnitt eines weit größeren Netzes gedachte Korridor blieb seither der einzige realisierte Streckenteil.

Streckennetz

Die Metro Maracaibo besteht aus einer Linie (Linie 1) auf einer Südwest-Zentrum-Achse zwischen dem Wohngebiet Altos de La Vanega im Südwesten der Stadt und der Station Libertador nahe der Altstadt. Die Strecke kombiniert ebenerdige Abschnitte mit erhöhten Viadukten; vier der sechs Stationen liegen ebenerdig, zwei sind als Hochbahnhöfe ausgeführt. Für die Linie sind drei weitere Stationen jenseits von Libertador vorgesehen – Padilla, Falcón und 5 de Julio –, die bisher nicht gebaut wurden. Auch eine seit 2011 diskutierte zweite Linie mit neun geplanten Stationen kam über die Entwurfsphase nicht hinaus.

Stationen miniatur|rechts|Haltestelle Liberator Die sechs Stationen der Linie 1 von Südwesten nach Nordosten: Altos de La Vanega – südwestlicher Endbahnhof, Anschluss an Zubringerbusse Richtung Flughafen und Randbezirke El Varillal – Wohnsiedlung gleichen Namens, mit Anschluss zum Universitätskrankenhaus El Guayabal – Anbindung umliegender Wohngebiete Sabaneta – Station mit Mittelbahnsteig und wichtigem Umsteigepunkt zu Zubringerbussen Urdaneta – Hochbahnhof, benannt nach dem Unabhängigkeitshelden Rafael Urdaneta Libertador – größter Bahnhof des Systems mit dem höchsten Fahrgastaufkommen, nahe der Altstadt

Fahrzeuge und Technik

Für den Betrieb stehen sieben dreiteilige Triebzüge zur Verfügung, die auf dem Fahrzeugtyp M1 der Prager Metro basieren und von Siemens Mobility geliefert wurden. Jeder Zug ist rund 58 Meter lang; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 70 km/h, die Durchschnittsgeschwindigkeit bei etwa 35 km/h. Die Fahrzeit über die gesamte Strecke beträgt rund 15 Minuten. Die Strecke ist in Normalspur ausgeführt und wird über eine Oberleitung mit 750 Volt Gleichstrom versorgt.

Betrieb, Tarife und Fahrgastzahlen

Die Züge verkehren werktags von 6:00 bis 21:00 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 8:00 bis 18:00 Uhr, mit Taktfolgen zwischen fünf und acht Minuten. Als Zahlungsmittel dient eine aufladbare Chipkarte namens SUVE; Bargeld wird an den Zugangssperren nicht akzeptiert. Studierende erhalten ermäßigte Tarife, während Personen über 60 Jahren sowie anerkannt schwerbehinderte Fahrgäste kostenfrei befördert werden. Angegeben werden rund 42.000 Fahrgäste pro Tag. Eine direkte Schienenanbindung an den Flughafen La Chinita besteht nicht; hierfür stehen ein Zubringerbus ab der Station Altos de La Vanega sowie Taxis zur Verfügung.

Korruptionsaffäre um Siemens

Im November 2006 deckten deutsche Ermittlungsbehörden ein System schwarzer Kassen auf, über das Siemens jahrelang Amtsträger im In- und Ausland bestochen hatte, um sich Großaufträge zu sichern – ein Fall, der in der deutschen Wirtschaftspresse, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, intensiv als Beispiel für Versagen der internen Kontroll- und Aufsichtsmechanismen im Vorstand thematisiert wurde. In den zugehörigen Verfahrensunterlagen wurden auch Metroaufträge in Venezuela genannt, darunter die Projekte in Maracaibo und Valencia. Auf den technischen Betrieb der bereits gebauten Infrastruktur hatte der Fall keine unmittelbaren Auswirkungen; er beleuchtet jedoch die Vergabepraktiken rund um große lateinamerikanische Infrastrukturprojekte jener Zeit.

Auch auf venezolanischer Seite gab es Ermittlungen: Im März 2009 berichtete der venezolanische Nachrichtensender Globovisión, dass eine Unterkommission des Nationalversammlungs-Rechnungshofausschusses (Contraloría) Vorwürfe im Zusammenhang mit dem 1998 unterzeichneten Bauvertrag mit Siemens untersuche.

Weblinks

Offizielle Betreiberseite

Einzelnachweise

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