Hans „Juan“ Hoffmann Heinkeder (* 8. September 1916 in Berlin; † 22. Oktober 1998 in Málaga) war ein deutsch-spanischer Diplomat und Unternehmer.
Werdegang Im Jahr 1929 wanderte Hoffmanns Familie von Deutschland nach Spanien aus. Er legte das Abitur an der Deutschen Schule Madrid ab und kehrte anschließend 1936 nach Deutschland zurück, wo er als Fahnenjunker in eine Militärschule eintrat. Bereits im selben Jahr kehrte er nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs mit einer dorthin verlegten Einheit der Wehrmacht nach Spanien zurück. Ab 1938 war er in einem zivilen Dienstverhältnis als Übersetzer und Verbindungsmann zwischen der spanischen Armee und der deutschen Legion Condor tätig. Zudem trat er der NSDAP bei.Carlos Collado Seidel: Unser Mann in Marbella. Das exemplarische Lebenswerk des Auslandsdeutschen Juan Hoffmann, in: Carlos Collado Seidel (Hrsg.): Geheimdienste, Diplomatie, Krieg. Das Räderwerk der internationalen Beziehungen. Zum 65. Geburtstag von Wolfgang Krieger. Lit, Berlin 2013, ISBN 978-3-643-12066-3. S. 45–54.
Von 1941 bis 1942 und von 1943 bis 1945 war er erst am deutschen Generalkonsulat in Bilbao und dann an der Deutschen Botschaft Madrid beschäftigt. Zwischenzeitlich leistete er von 1942 bis 1943 Kriegsdienst an der Ostfront.Deutscher Bundestag, Stenographischer Bericht, 168. Sitzung, 16. April 1997 (PDF-Datei) auf dserver.bundestag.de, S. 15193–15195 Dort wurde er als Übersetzer und Verbindungsoffizier im Rang eines Sonderführers zwischen der 16. Armee der Wehrmacht und der spanischen Blauen Division eingesetzt. In dieser Funktion schrieb er auch vertrauliche Berichte an Außenminister Joachim von Ribbentrop und fungierte als Vermittler zwischen General Agustín Muñoz Grandes und Adolf Hitler, die damals gemeinsam mit dem deutschen Diplomaten Erich W. Gardemann eine Intrige über eine mögliche Absetzung Francisco Francos planten.
Nach dem Krieg versuchte Hoffmann die Deutsch-spanische Gesellschaft wiederzubeleben, die als halboffizielle Verbindungsstelle 1945 wegen ihrer nationalsozialistischen Tätigkeiten aufgelöst worden war. Die spanischen Behörden verhinderten jedoch die Wiedergründung, da das zu Problemen mit den Alliierten geführt hätte. Zu Beginn der 1950er Jahre nahm er erneut Kontakt zur deutschen Botschaft in Madrid auf und bot seine Dienste als Mittelsmann an. Die Botschaft vermied allerdings einen offiziellen Umgang mit ihm, insbesondere da der Botschafter Adalbert von Bayern Hoffmann als mögliches Risiko für die diplomatischen Beziehungen zu Spanien betrachtete. Hintergrund war unter anderem die Position des spanischen Außenministers Alberto Martín Artajo, der die Vermittlung bilateraler Beziehungen über ehemalige Nationalsozialisten als ungeeignet erachtete.
In Bonn bestanden zunächst geringere Vorbehalte gegenüber Hoffmann. Über den CSU-Bundestagsabgeordneten Joseph-Ernst Fugger von Glött gelangten dessen Berichte bis in das Bundeskanzleramt und unmittelbar zu Bundeskanzler Konrad Adenauer. Hoffmanns Kenntnisse über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Spanien wurden von der Bundesregierung zunächst als nützlich eingeschätzt. Er galt damals noch vor dem deutschen Botschafter in Madrid als die wichtigste bundesdeutsche Person in Spanien. Erst allmählich entstanden Zweifel an seiner persönlichen und politischen Integrität. Aufgrund seiner Verbindungen zum nationalsozialistischen Herrschaftsapparat wurde es ab Mitte Mai 1954 nicht mehr als ratsam angesehen, seine Berichte unmittelbar an Adenauer weiterzuleiten. Im selben Jahr begleitete er noch den spanischen Landwirtschaftsminister Rafael Cavestany Anduaga auf dessen Deutschlandreise.
Ein Jahr später lernte Hoffmann Franz Josef Strauß kennen und fungierte während dessen erster Spanienreise als Vermittler bei politischen Gesprächen. Daraus entwickelte sich eine längerfristige Verbindung, in deren Verlauf Hoffmann zu einem Vertrauten und persönlichen Freund von Strauß wurde. Er fungierte als Verbindungsmann zwischen Strauß und den franquistischen Führern. Parallel dazu war Hoffmann als Bauunternehmer wirtschaftlich erfolgreich und erwarb ein erhebliches Vermögen. Er arbeitete dabei eng mit dem ehemaligen spanischen Arbeitsminister José Antonio Girón zusammen. Ab 1962 war er zunächst deutscher Honorarkonsul in Algeciras; von 1966 bis zu seinem Tod im Oktober 1998 im Alter von 82 Jahren war er schließlich Honorarkonsul in Málaga.
1967 gründete Hoffmann die Deutsche Schule Málaga, deren Schulverein er jahrzehntelang vorstand. Er initiierte eine enge Zusammenarbeit der Schule mit der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. Die Schule war bis 2018 nach Hoffmann benannt. 1986 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.
Literatur Carlos Collado Seidel: Unser Mann in Marbella. Das exemplarische Lebenswerk des Auslandsdeutschen Juan Hoffmann, in: Carlos Collado Seidel (Hrsg.): Geheimdienste, Diplomatie, Krieg. Das Räderwerk der internationalen Beziehungen. Zum 65. Geburtstag von Wolfgang Krieger. Lit, Berlin 2013, ISBN 978-3-643-12066-3. S. 45–54. Dominik Herzner: Deutsche Auslandsschulen in Spanien. Auswärtige Kulturpolitik zwischen Konflikt und Kooperation. Transcript Verlag, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4759-4.
TV-Dokumentation
Einzelnachweise
Kategorie:Honorarkonsul von Deutschland Kategorie:Person (Legion Condor) Kategorie:Militärperson (Heer der Wehrmacht) Kategorie:Person der deutschen Außenpolitik 1933–1945 Kategorie:Unternehmer (Spanien) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Deutscher Emigrant in Spanien Kategorie:Spanier Kategorie:Deutscher Kategorie:Preuße Kategorie:Geboren 1916 Kategorie:Gestorben 1998 Kategorie:Mann