Christiane Schill (* 23. Dezember 1944 in Lobenstein, heute Úvalno) ist eine deutsche Textilkünstlerin und -restauratorin.
Leben und Werk Die Familie Christiane Schills wurde in der Folge des Zweiten Weltkriegs aus der Tschechoslowakei vertrieben und kam in die Sowjetische Besatzungszone. Ihr Vater war bereits verstorben, und ihre Mutter betrieb eine kleine Werkstatt als Hutmacherin. Ausbildung Christiane machte das Abitur und studierte von 1962 bis 1965 in der Fachrichtung Spielzeug der Fachschule für Angewandte Kunst Sonneberg. Entgegen der üblichen Praxis, danach in einem volkseigenen Betrieb zu arbeiten, machte sie von 1965 bis 1967 ein Praktikum in der Paramentenwerkstatt im Diakonissenhaus Eisenach. Daneben bildete sie sich u. a. in Kunstgeschichte weiter. 1968/1969 hatte sie eine eigene Textilwerkstatt in Obergrunstedt, und seit 1970 arbeitet sie freischaffend als Textilgestalterin in Weimar, anfangs vor allem für private Auftraggeber.
Werdegang Christiane Schill war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR (VBK)easydb.archive und leitete ab 1983 in dessen Zentralvorstand die Zentrale Arbeitsgemeinschaft Textil. 1982 besuchte sie im Auftrag des Verbands die 10. Biennale Internationale de la Tapisserie in Lausanne.
Sie hatte im In- und Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, in der Zeit der DDR u. a. 1977/1978 an der VIII. Kunstausstellung der DDR in Dresden, 1983 in Göttingen an Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung und in Hannover und Tilburg an Minitextilkunst aus der DDR.
1991 zog Christiane Schill mit ihrem Ehemann, einem Architekten, nach Bad Lobenstein. Dort bauten sie sich ein Atelierhaus, das ihr Mann als Architekt entworfen hatte.
Sie schuf weiter textilkünstlerische Werke wie großformatige gewebte, auch bestickte, Bildteppiche, erlangte aber besondere Bedeutung als Textilrestaurateurin. Sie restaurierte u. a. textile Bestandteile von Särgen der Weimarer Fürstengruft, die Bauhaus-Wiege, eine Vielzahl von historischen Wandbespannungen und Vorhängen in thüringischen, hessischen und bayerischen Schlössern und Hinterlassenschaften von Häftlingen des KZ Buchenwald. Ab 2009 betreute sie die Restaurierung und Konservierung der kulturgeschichtlich wertvollen synagogalen Textilien der Judaica-Sammlung des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg aus Toramänteln, Toravorhängen, Torawimpeln und der Pultdecke.
2019 wurde Christiane Schill, vor allem für ihren ehrenamtlichen Einsatz zur Weiterbildung von Schülern und Studenten, mit der Kulturnadel des Freistaats Thüringen geehrt.
Selbstreflexion „Die Textilkunst soll dazu beitragen, das Leben der Menschen mit zu formen, es mitzugestalten. Andernfalls verliert die Textilkunst ihre gesellschaftliche Verankerung und degeneriert.“1984 in einem Gespräch der Redaktion der Zeitschrift Bildende Kunst mit Textilgestalterinnen. In: Bildende Kunst, Berlin, 8/1984, S. 345
Weitere Werkbeispiele
Textilkunst
Objekt (1982; Miniaturtextil, Kunstseide, Polyacryl)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 1/1983, S. 43 Irruption (Gobelin; 80 × 80 cm)Abbildung im Katalog der Ausstellung Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung, S. 59
Restaurierungsarbeiten
Von der Ehefrau des Architekten Thilo Schoder geschneiderte Bluse aus dem Archiv der Akademie der Künste Rokoko-Bett aus dem Fundus der Heidecksburg (um 2013/2014) Sechs Stühle von Henry van de Velde aus dem Geraer Museum für Angewandte Kunst (bis 2014) Historische Fahne des Krieger- und Landwehrvereins Schmiedebach (bis 2022) Kanzelbehang aus der Kirche St. Michael in Teutleben (um 2024) Textiltapeten in der Veste Coburg
Publizierter Essay
Neue Tendenzen der Textilkunst. 10. Biennale Internationale de la Tapisserie. In: Bildende Kunst, Berlin, 1982, S. 450–452
Einzelausstellung seit der deutschen Wiedervereinigung 2009/2010: Gera, Museum für angewandte Kunst („Fadenzauber – Textile Kunst von Christiane Schill“)
Literatur
Fritz Kämpfer, Klaus G. Beyer: Kunsthandwerk im Wandel. Aus dem Schaffen dreier Jahrzehnte in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1984 Gewebte Farbigkeit. Christiane Schill. In: Anne Wesigel et al.: Kunsthandwerk in Thüringen. Einblicke in eine meisterliche Tradition. Greifenverlag Rudolstadt, 1989, ISBN 3-7352-0115-6 Dietmar Eisold (Hrsg.): Christine Schill. In: Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 827
Weblinks
Ateliergespräch mit Christine Schill Offene Ateliers: Bad Lobensteinerin rettet textiles Kulturgut mit der chirurgischen Nadel Thronsessel und Ofenschirme im Atelier Schill restauriert
Einzelnachweise
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