Die Görres-Korrespondenz für Zentrumswähler und Zentrumspresse, meist kurz Görres-Korrespondenz oder GK, war eine 1920 gegründete Publikation auf dem rechten Flügel der Deutschen Zentrumspartei in der Weimarer Republik. Sie wurde als Zeitschrift publiziert, die sich unmittelbar an Leser richtete, war aber zugleich als Informations- und Artikeldienst (Presse-Korrespondenz) für Zeitungen und Zeitschriften gedacht, um von diesen zitiert oder nachgedruckt zu werden.

Ihr Titel implizierte eine Verbindung mit Organisationen wie der wissenschaftlichen Görres-Gesellschaft und deren Namensgeber, dem einflussreichen katholischen Publizisten des 19. Jahrhunderts, Joseph Görres (1776–1848). Die Görres-Korrespondenz war aber tatsächlich nach dessen Urenkel Karl Görres benannt, einem Berliner Rechtsanwalt und Zentrumspolitiker. Er war verheiratet mit einer Schwester des Zentrumspolitikers und Historikers Martin Spahn (1875–1945) und war Schwiegersohn des Zentrumspolitikers Peter Spahn (1846–1925).Neubach, Helmut (2022). Peter Spahn (1846–1925). In: Rudolf Morsey (Hg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern : aus dem deutschen Katholizismus des 20. Jahrhunderts. Band 1. Bonn: Verlag des Borromäusvereins, S. 78.

Karl Görres’ Mitgründer waren zwei Politiker, die sich wie er als „Rechtskatholiken“ verstanden und eine enge Allianz von Zentrumspartei und Deutschnationaler Volkspartei (DNVP) befürworteten: der Volkswirt, DNVP-Politiker und Verbandsfunktionär Paul Lejeune-Jung (1882–1944), Geschäftsführer des Vereins Deutscher Zellstoff-Fabrikanten, sowie Carl Auffenberg (1873–1945), preußischer Zentrums-Landtagsabgeordneter und Rechtsanwalt aus Westfalen. Görres und Lejeune traten als Herausgeber auf. Als verantwortlicher Redakteur war der Berliner Rechtsanwalt Franz Velder angegeben. Bei der Anschubfinanzierung kooperierten die Gründer mit Heinz Brauweiler (1885–1976), einem katholischen Journalisten, der sich in der jungkonservativen Bewegung engagierte, und den Brüdern Ferdinand von Lüninck (1888–1944) und Hermann von Lüninck (1893–1975).Hübner, Christoph (2014). Die Rechtskatholiken, die Zentrumspartei und die katholische Kirche in Deutschland bis zum Reichskonkordat von 1933. Ein Beitrag zur Geschichte des Scheiterns der Weimarer Republik. Münster: Lit, S. 194f. (Google Books)

Die Görres-Korrespondenz erschien erstmals im Februar 1920. Allerdings waren die ersten Ausgaben mit wenigen Blättern äußerst dünn, und sie erschienen unregelmäßig (teils wöchentlich, teils halbmonatlich oder monatlich). Ende 1920 war die schwankende Auflage jedoch vergleichsweise hoch, nämlich zwischen 12 000 und 20 000 Stück.

Das Ziel war es, ein für die Programmdebatten und Tagespolitik der Zentrumspartei relevante Kommentar- und Richtungsmedium zu schaffen, das den Rechtskatholiken eine starke Stimme gab. Während der 1920er Jahre war die Zentrumspartei stark von Konflikten zwischen linkem, demokratischen Flügel und rechtem, monarchistischem Flügel geprägt. Nach der Wahl zur Nationalversammlung 1919 und der nachfolgenden Regierungsbildung sahen sich die Rechtskatholiken in einer Minderheitenposition. Christoph Hübner zufolge hatte die Görres-Korrespondenz jedoch einen äußerst einflussreichen Bezieherkreis, sowohl prominente Persönlichkeiten als auch Zeitungsredaktionen. Sie positionierte sich so, dass sie der Zentrumsparteiführung gefährlich erscheinen musste.Hübner, Christoph (2014). Die Rechtskatholiken, die Zentrumspartei und die katholische Kirche in Deutschland bis zum Reichskonkordat von 1933. Ein Beitrag zur Geschichte des Scheiterns der Weimarer Republik. Münster: Lit, S. 196. (Google Books) Das galt nicht zuletzt, weil sie mit anderen Organisationen und Initiativen vernetzt war wie etwa dem Ketteler-Bund von Ferdinand von Lüninck und Heinz Brauweiler; die GK war 1921 Wegbereiter dieser Vereinigung, die allerdings bald ihr eigenes Organ gründete.Simon, Carina (2016). Heinz Brauweiler : eine politische Biographie im Zeichen des antidemokratischen Denkens. Diss., Universität Kassel, S. 108, 110, 115. (uni-kassel.de)

Die Görres-Korrespondenz war das erste neu gegründete Periodikum im Umkreis der Zentrumspartei nach dem Ersten Weltkrieg. Sie befand sich von Anfang an auf innerparteilichem Oppositionskurs und legte es auf Angriff an. Sie „enthielt Artikel in flotter lebendiger Aufmachung und scharfe, aber in der Form gemäßigte Angriffe auf die offizielle Politik der Zentrumspartei“, beschrieb der Zeitungswissenschaftler Helmut Hüttig die Zeitschrift. Ihre Artikel waren oft polemisch und richteten sich gegen die Zusammenarbeit des katholischen Zentrums mit SPD und der linksliberalen DDP in der Weimarer Koalition sowie besonders gegen den Exponenten des demokratischen Kurses, Matthias Erzberger.Hüttig, Helmut (1928). Die politischen Zeitschriften der Nachkriegszeit in Deutschland von der ersten Milderung der Pressezensur bis zum Locarnovertrag. Diss., Universität Leipzig, S. 48. (DNB-Portal)

Mit Hilfe der GK und ähnlicher Publikationen versuchte der Rechtskatholizismus Einfluss in der Zentrumspartei und in ihrem Pressevorfeld zu gewinnen, grenzte sich aber zugleich von der Partei ab, denn es bildeten sich auch in anderen Parteien rechtskatholische Gruppen, etwa 1920 die „Nationale Arbeitsgemeinschaft deutscher Katholiken“ in der DNVP. In diesem Sinne zählt der Politikwissenschaftler Bernhard Stangl die Görres-Korrespondenz zu Medien wie den Historisch-Politischen Blättern, nachmals Gelbe Hefte, den Trierer Petrus-Blättern, der Frankfurter Zeitschrift Der Fels, der Wiener Zeitschrift Das Neue Reich und anderen.Stangl, Bernhard: Staat und Demokratie in der Katholischen Kirche. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 46–47, 14. November 1987. S. 32–45. (Webversion; PDF)

Die Zeit der Hyperinflation 1921–23 war auch eine Zeit des „Zeitungs- und Zeitschriftensterbens“, einer weitgreifenden Krise der Printbranche, die mit rasch steigenden Produktionskosten und dem Wegbrechen von Abonnenten und Anzeigenkunden nicht mithalten konnte. Davon waren viele politische Nachkriegsgründungen und auch mehrere rechtskatholische Organe betroffen. Die Görres-Korrespondenz musste Mitte 1922 ihr Erscheinen einstellen.Görres-Korrespondenz für Zentrumswähler und Zentrumspresse. ZDB-ID 578924-2 In: ZDB-Katalog, abgerufen am 11. September 2026.

Einzelnachweise

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