Das Institut für Mathematik „Simion Stoilow“ der Rumänischen Akademie (, Kurzform IMAR) ist ein mathematisches Forschungsinstitut in Bukarest. Es gehört zur Rumänischen Akademie und ist benannt nach dem Mathematiker Simion Stoilow (1887–1961), einem seiner Gründer und langjährigen Leiter.
Sitz Das Institut hat seinen Sitz in der Calea Griviței 21 im Sektor 1 von Bukarest.
Geschichte
Vorgeschichte und Gründung Am 29. Dezember 1945 versammelten sich an der Universität Bukarest zwanzig rumänische Mathematiker unter der Leitung von Dimitrie Pompeiu, um ein Institut für mathematische Wissenschaften zu gründen, das die mathematische Forschung durch Vorträge, Publikationen und Kongresse fördern sollte. Zu dieser Gruppe zählten unter anderem Dan Barbilian, Alexandru Froda, Gheorghe Mihoc, Grigore Moisil, Miron Nicolescu, Octav Onicescu, Simion Stoilow, Gabriel Sudan und Gheorghe Vrânceanu. Im Januar 1946 wurde die Einrichtung beim Gericht des Kreises Ilfov als eingetragener Verein registriert.
Nachdem das kommunistische Regime die Rumänische Akademie 1948 nach dem Vorbild der sowjetischen Akademie der Wissenschaften umgestaltet hatte, ging aus dem Verein 1949 das Institut für Mathematik der Rumänischen Akademie hervor. Erster Direktor wurde Dimitrie Pompeiu; da dieser erkrankt war, leitete faktisch sein Stellvertreter Simion Stoilow das Institut, der von 1954 bis zu seinem Tod 1961 auch formal Direktor war.
Blütezeit und Auflösung 1975 Unter Stoilow entwickelte sich das Institut rasch weiter. Sein Nachfolger Miron Nicolescu, zugleich Präsident der Rumänischen Akademie, baute es zwischen 1961 und 1973 zu einem international beachteten Forschungszentrum aus. 1973 wurde das Institut dem Bildungsministerium unterstellt; Direktor war bis 1975 Romulus Cristescu.
Im April 1975 wurde das Institut per Dekret Nicolae Ceaușescus aufgelöst. Als Auslöser gilt ein Konflikt im Umfeld von Ceaușescus Tochter Zoia Ceaușescu, die 1974 am Institut angestellt worden war. Die Auflösung führte zu erheblichen Verwerfungen im wissenschaftlichen Leben Rumäniens. Mehrere führende Mathematiker verließen das Land, darunter Ciprian Foiaș und Dan-Virgil Voiculescu. Ein Teil der ehemaligen Institutsangehörigen fand ab Ende der 1970er Jahre in der mathematischen Abteilung des Nationalinstituts für wissenschaftliche und technische Kreation (INCREST) eine Anstellung, die zwischen 1977 und 1990 bestand.
Wiedergründung 1990 Nach der Rumänischen Revolution wurde das Institut am 8. März 1990 per Regierungsdekret neu gegründet und erneut der Rumänischen Akademie unterstellt. Sein wissenschaftlicher Kern bestand aus den Mitarbeitern der mathematischen Abteilung des INCREST. Seit 1999 trägt es den Namen Simion Stoilows. Von 2000 bis 2004 war das Institut im Fünften Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission als Centre of Excellence anerkannt. Seit 2008 besteht mit dem französischen CNRS ein Laboratoire Européen Associé. 2022 wurde das Institut in das Netzwerk European Research Centres on Mathematics (ERCOM), ein Komitee der Europäischen Mathematischen Gesellschaft, aufgenommen.
Forschung und Lehre Das Institut ist in neun Forschungsgruppen gegliedert, die jeweils ein eigenes Forschungsprogramm für ein bis drei Jahre verfolgen und mindestens ein wöchentliches Seminar veranstalten. Daneben besteht ein Zentrum für fortgeschrittene Studien in der Physik.
Das Institut beherbergt ein Graduiertenkolleg für mathematische Wissenschaften und Informatik der Rumänischen Akademie. Darüber hinaus wirkt es an forschungsorientierten Masterprogrammen der Școala Normală Superioară București (SNSB) mit, die sich an besonders leistungsstarke Studierende aus dem In- und Ausland richten.
Publikationen Das Institut gibt gemeinsam mit der Rumänischen Akademie drei mathematische Fachzeitschriften heraus: Mathematical Reports, die Revue Roumaine de Mathématiques Pures et Appliquées und das Journal of Operator Theory. Am Institut ist außerdem die gemeinnützige Theta Foundation angesiedelt, ein unabhängiger Verlag für mathematische Fachliteratur.
Direktoren
Dimitrie Pompeiu (1949–1954), de facto: Simion Stoilow Simion Stoilow (1954–1961) Miron Nicolescu (1961–1973) Romulus Cristescu (1973–1975) Gheorghe Gussi (1990–1999) Șerban Basarab (1999–2004) Vasile Brînzănescu (2004–2012) Lucian Beznea (seit 2012)
Weblinks
Geschichte des Instituts (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Organisation (Bukarest) Kategorie:Mathematisches Forschungsinstitut Kategorie:Forschungseinrichtung (Physik) Kategorie:Forschungsinstitut in Rumänien Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1949