mini|Ehemaliges Bredeneyer Rathaus, 2026 mini|Bredeneyer Rathaus um 1920 Das Bredeneyer Rathaus im Essener Stadtteil Bredeney war Sitz der Verwaltung der 1902 gebildeten Bürgermeisterei Zweihonnschaften, die ein Jahr später in Bürgermeisterei Bredeney umbenannt wurde. Das Gebäude aus dem Jahr 1902 verlor seine Funktion als Verwaltungssitz 1915, als die Bürgermeisterei zum größten Teil zur Stadt Essen eingemeindet wurde. Heute steht das Rathaus unter Denkmalschutz.
Geschichte und Architektur Die Gemeinde Zweihonnschaften bestand nach einer Gebietsreform seit 3. April 1875 aus den Orten Bredeney und Schuir und gehörte zur Bürgermeisterei Kettwig-Land. Durch den aufstrebenden Steinkohlenbergbau, entstehende Ziegeleien und der Straßenbahnmeisterei kam es zum Zuzug großenteils wohlhabender Bürger. Durch steigenden Wohlstand und hohen Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen, insbesondere durch die in Bredeney auf der Villa Hügel ansässige Industriellenfamilie Krupp, kam es zu großzügiger Bautätigkeit in der Gemeinde, so dass man sich auch ein prachtvolles Rathaus leisten konnte. Zum 1. September 1902 wurde die Gemeinde Zweihonnschaften aus der Bürgermeisterei Kettwig-Land ausgegliedert und 1903 in Bürgermeisterei Bredeney umbenannt. 1910 kam die Gemeinde Haarzopf zur Bürgermeisterei hinzu.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf 1903, S. 70 Zum 1. April 1915 wurde ein Großteil der Bürgermeisterei Bredeney zur Stadt Essen eingemeindet, nur Unterbredeney kam an Werden.
Das Baugrundstück des Rathauses gehörte zum einstigen Hof Wüsthoff/Ostermann. Die damaligen Eigentümer verkauften es nach 1865 an die Gemeinde und an den Industriellen Krupp. Am 24. Mai 1901 fand die Grundsteinlegung in Anwesenheit des Gemeinderats von Zweihonnschaften und dem Kettwiger Bürgermeister Karl (Eduard Adolph) Göring (1848–1929) sowie der am Bau beteiligten Personen statt. Der Essener Architekt Oskar Kunhenn ließ die Urkunde in den Grundstein ein.Essener Volkszeitung vom 30. Mai 1901 Das freistehende, zweigeschossige Bredeneyer Rathaus wurde nach Plänen des Architekten Kunhenn, der auch die Bauleitung innehatte, in den Jahren 1901 und 1902 im Stil der Neorenaissance errichtet, um den Wohlstand der Gemeinde nach außen zu zeigen. Das Sockelgeschoss ist mit bossierten Buckelquadern versehen. Die Fassade ist hell verputzt und wird von einem Giebel mit Rathausuhr geprägt. In einem Erker der hinteren Gebäudeseite befindet sich das Treppenhaus. Das Gebäude ist mit einem Walmdach gedeckt. Der Ratssaal trägt im Innern Stuckverzierungen und feine Holzarbeiten.
Die feierliche Einweihung des Rathauses fand am 22. November 1902 statt. Aus diesem Anlass und auch wegen der erlangten Selbständigkeit der Gemeinde Zweihonnschaften hatten sich die Gemeindevertreter unter dem Vorsitz des neuen Bürgermeisters Georg Vorberg zu einer Festsitzung im neuen Ratssaal zusammengefunden. Anschließend fand ein Rundgang durch die beleuchteten Räume des neuen Rathauses statt. Die Festlichkeit wurde unterbrochen, als die Anwesenden aus sicheren Kreisen erfuhren, dass der auf der Villa Hügel ansässige Industrielle und Geheimrat Friedrich Alfred Krupp verstorben ist. Ein abends anberaumtes Festessen wurde abgesagt. Stattdessen wurde am Rathaus Trauerbeflaggung gesetzt.Essener Volkszeitung vom 26. November 1902
Im Rathaus befand sich eine Polizeidienststelle, zu der im Keller Gefängnisräume gehörten. Früh reichten die Räumlichkeiten für die Verwaltung der Bürgermeisterei im Rathaus nicht mehr aus, so dass das Baubüro im Sommer 1907 unweit in ein Haus an der Werdener Straße (seit 1915 Bredeneyer Straße) umzog.Rheinisch-Westfälischer Anzeiger vom 26. Juli 1907
Bürgermeister im Bredeneyer Rathaus Erster Bürgermeister im Bredeneyer Rathaus war Georg Gustav Eduard Vorberg, geboren am 29. Oktober 1858 in Lemgo. Er war Sohn eines Pastors und erzielte 1880 in Lemgo die Oberprimareife (Jahrgangsstufe 13). Eine Ausbildung absolvierte er unter anderem auf den Landratsämtern in Bochum und Brilon. 1886 war er Zivilsupernumerar in Düsseldorf, zwei Jahre später Bürohilfsarbeiter auf dem Landratsamt Solingen. Ab Januar 1890 war er mit der Verwaltung der Bürgermeisterei Gahlen beauftragt. Am 30. August 1902 wurde Vorberg vorläufig und am 21. April 1903 endgültig zum Bürgermeister der Bürgermeisterei Bredeney ernannt. Aus gesundheitlichen Gründen ließ er sich seit dem 15. Januar 1910 beurlaubenStadt Essen und Historischer Verein für Stadt und Stift Essen (Hrsg.), Erwin Dickhoff (†): Essener Köpfe. Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1, S. 353. und trat folglich zum 1. Juni 1910 in den Ruhestand, was bereits in der Gemeinderatssitzung vom 26. März 1910 beschlossen wurde.Generalanzeiger für Essen und Umgegend vom 30. März 1910 Er starb am 16. Mai 1946 in Detmold.
Vorbergs Nachfolger im Bredeneyer Rathaus wurde Walter Heinrich Maria Sachsse, geboren am 6. Oktober 1882 in Hamm. Er war Sohn des evangelischen Theologen Eugen Sachsse und seiner Ehefrau Clara Charlotte Gertrude Hartmann. Walter Sachsse machte das Abitur in Bonn und studierte im Anschluss dort und in Berlin Rechtswissenschaften. Nach bestandenem Examen trat er in den Dienst der Stadt Mülheim an der Ruhr. Mit der Verwaltung der Bürgermeisterei Bredeney wurde er einstweilig am 31. Mai 1910 und kommissarisch am 23. Juni 1910 betraut. Endgültig zum Bürgermeister wurde er am 25. Februar 1911 ernannt. Dieses Amt führte er bis zur Eingemeindung 1915 aus und wurde danach als Beigeordneter der Stadt Essen übernommen. Er starb am 12. März 1919 in Essen. Sachsse war mit Karoline Henriette Marie Diergardt verheiratet. Der Walter-Sachsse-Weg in Bredeney erhielt 1929 seinen Namen.Stadt Essen und Historischer Verein für Stadt und Stift Essen (Hrsg.), Erwin Dickhoff (†): Essener Köpfe. Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1, S. 292.
Nachnutzung Nach 1915 diente das Gebäude noch einige Jahre als Dienststelle der Stadt Essen. Bis in die Mitte der 1960er Jahre waren hier standesamtliche Hochzeiten möglich. Zeitweise befand sich hier auch eine Zweigstelle der Stadtsparkasse. In einem Anbau wurde 1924 eine Behelfswache der Berufsfeuerwehr eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war diese zusätzlich auch für Rüttenscheid zuständig. Um 1970 zog die Feuerwache aus, da sie den Anforderungen nicht mehr genügte.Rüttenscheid, 75 Jahre Eingemeindung, 30 Jahre Bürger- und Verkehrsverein, 10 Jahre Stiftung Rüttenscheid; Jubiläumsausgabe; Hrsg.: Bürger- und Verkehrsverein Rüttenscheid e. V.; A. Sutter Buchdruckerei und Verlag; Essen, 1980 Von 1982 bis Ende 2020 war in dem Gebäude eine Schule für Ergotherapie des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ansässig. Am 14. Februar 1985 wurde das Haus in die Denkmalliste der Stadt Essen eingetragen.Rathaus Bredeney in der Denkmalliste der Stadt Essen, abgerufen am 11. August 2026
Der Rat der Stadt Essen beschloss im Februar 2019 den Verkauf des Rathauses. Seit September des Jahres gehört es einem Bredeneyer Unternehmer, der es in den Jahren 2022 bis 2024 innen und außen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes sanieren ließ und es als Firmensitz nutzt. Dabei wurde der Anbau der Feuerwache abgerissen. Im Oktober 2024 wurde der renovierte Ratssaal eingeweiht. Er wird bis heute zu repräsentativen Zwecken genutzt.Einweihung des renovierten Ratssaales im Rathaus Bredeney. In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 8. Oktober 2024
Weblinks
Altes Rathaus Bredeney: Sanierung und Erweiterung eines Essener Denkmals aus dem Jahr 1902 (pdf), abgerufen am 12. August 2026
Einzelnachweise
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