Das Fröbel-Seminar in Gießen war eine Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Kinderpflegerinnen, die 1910 gegründet wurde.
Gründung und Konzept Das Fröbel-Seminar wurde 1910 von Lina Möser (1859–1922), einer früheren Lehrerin der Gießener Aliceschule, mit Unterstützung des Gießener Kindergarten-Vereins eröffnet. Benannt wurde es nach dem Pädagogen Friedrich Fröbel, an dessen Kindergartenpädagogik sich die Ausbildung orientierte. Untergebracht war das Seminar im Wohnhaus der Familie Möser in der Gartenstraße 30. Die Gründung fügt sich in eine Welle privater, meist von bürgerlichen Vereinen getragener Fröbel-Seminare ein, die seit dem späten 19. Jahrhundert in vielen deutschen Städten entstanden und 1912 staatlich anerkannt wurden. Dem Seminar war ein Kindergarten angeschlossen. Ausgebildet wurden Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Kinderpflegerinnen.
Das ursprüngliche Gebäude des Fröbel-Seminars wurde bei den Bombardierungen Gießens 1944/45 zerstört.
Das Seminar unter Hedwig Burgheim Im April 1918 kam die aus Leipzig stammende Pädagogin Hedwig Burgheim (1887–1943) an das Fröbel-Seminar, wo sie Staatsbürgerkunde, Philosophie und Pädagogik unterrichtete. 1920 übernahm sie die Leitung. Am 1. April 1921 ging die Trägerschaft auf den Gießener Alice-Schulverein für Frauenbildung und Frauenerwerb über; Burgheim blieb Leiterin. In den folgenden Jahren erweiterte sie die Einrichtung erheblich. Zum Seminar kamen eine Haushaltsschule, ein Lehrerinnenseminar für Kindergärtnerinnen, drei Kindergärten sowie zwei Kinderhorte hinzu. Bis 1933 bildete das Seminar unter ihrer Leitung etwa 800 junge Frauen zu Kindergärtnerinnen aus. 1933 wurde Hedwig Burgheim auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft zwangspensioniert und musste die Leitung des Seminars aufgeben. 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. An Hedwig Burgheim und ihre Gießener Tätigkeit erinnern eine Gedenktafel in der Aliceschule Gießen sowie ein Stolperstein vor ihrer ehemaligen Wohnadresse in der Gartenstraße 30. Seit 1981 verleiht der Magistrat der Universitätsstadt Gießen alle zwei Jahre die Hedwig-Burgheim-Medaille. In Gießen tragen außerdem eine Grundschule im Stadtteil Rödgen sowie der Hedwig-Burgheim-Ring ihren Namen.
Literatur Andrea Dilsner-Herfurth: Hedwig Burgheim. Leben und Wirken. Herausgegeben von Rolf und Brigitte Kralovitz. Passage-Verlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-938543-45-0.
Einzelnachweise
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