mini|hochkant|Ein Motorola 9500 der ersten Generation eines Iridium-Satellitentelefons (späte 1990er Jahre)
Iridium ist ein durch das gleichnamige US-amerikanische Unternehmen Iridium Communications Inc. mit Sitz in McLean (Virginia) betriebenes weltumspannendes Satellitenkommunikationssystem aus 66 aktiven Satelliten auf sechs Umlaufbahnen und zusätzlich einem oder mehreren Reservesatelliten pro Umlaufbahn. Ursprünglich waren 77 Satelliten für diese Satellitenkonstellation geplant; das System ist deshalb nach dem chemischen Element Iridium mit der Ordnungszahl 77 benannt. Da der Name Iridium beim Entscheid, nur 66 Satelliten einzusetzen, schon etabliert war, erfolgte keine Umbenennung auf Dysprosium.
Das Iridium-Netz hat für die von ihm genutzten Satellitentelefone die Vorwahlen +8816 und +8817. Die von der ITU zugewiesene Netzkennung ist 901-03.
Entwicklung mini|Soldaten der U.S. Air Force kontrollieren in der Antarktis die Funktionstüchtigkeit eines Iridium-Mobiltelefons (2010)
Iridium Inc. Die Idee für Iridium wurde 1985 bei Motorola geboren. Es sollte die weltweite Sprach- und Datenübermittlung über Satellitentelefone und PDAs ermöglichen. Bis 1988 stand das Konzept dafür fest. 1991 wurde das Unternehmen Iridium Inc. gegründet, das das System entwickelte und im September 1998 in Betrieb nahm. Die Gesprächskosten waren anfangs mit ca. acht US-Dollar pro Minute sehr hoch, die Endgeräte teuer und wesentlich unhandlicher als geplant. Dies führte dazu, dass statt der geplanten zwei Mio. Nutzer nur etwa 55.000 Kunden gewonnen werden konnten.
Am 23. August 2000 musste Iridium Inc. Konkurs anmelden. Die Satelliten sollten in die Erdatmosphäre gelenkt werden, um sie gezielt verglühen zu lassenHandelsblatt: Iridium Satellite nimmt Telekommunikationsdienste wieder auf (Offline, Archivlink). Von einer geplanten Abschaltung wären auch Expeditionen betroffen gewesen. Sie hatten sich im Vorfeld auf die Erreichbarkeit verlassen und verfügten über keine weiteren Kommunikationssysteme. Dazu zählten Rune Gjeldnes und Torry Larsen auf einer norwegischen Nordpolexpedition, Prinz Frederik zu Dänemark auf einer Hundeschlittenexpedition in Grönland und der französische Abenteurer Jo Le Guen, der allein in seinem neun Meter langen Ruderboot den Pazifik überquerte. Sie erhielten einen Anruf vom Unternehmen, der ihnen das Betriebsende ankündigte. Schließlich wurde die Abschaltung auf Druck der Öffentlichkeit zum Teil verschoben.
Iridium Satellite LLC Zum 1. Januar 2001 wurde das Iridium-System von der neu gegründeten Iridium Satellite LLC übernommen.Forbes: The Return Of Iridium Die Satelliten wurden von Boeing betrieben und gewartet. Der kommerzielle Betrieb konnte am 30. März 2001 wiederaufgenommen werden. Größter Unterschied zum vorherigen Betrieb ist, dass kein Roaming mit GSM-SIM-Karten im Iridiumnetz wie auch mit Iridium-SIM-Karten im GSM-Netz mehr möglich ist.
Im Jahr 2005 sanken die Gerätepreise deutlich, und eine Minute Telefonat in das Festnetz oder Mobilnetz kostete je nach bestelltem Minutenvolumen noch zwischen 0,90 und 1,50 US-Dollar. Deutlich geringer waren die Preise bei regional begrenzt einsetzbaren SIM-Karten, wie in Amerika oder Afrika. Ein neues Iridium-Satellitentelefon kostete rund 1300 €. Das Jahresabonnement für die weltweite Sprachtelefonie mit einem Iridium-Satellitentelefon kostete rund 530 US-Dollar. Eine weltweit gültige Pre-Paid-SIM-Karte für ein Iridium-Satellitentelefon mit einer Gültigkeitsdauer von 30 Tagen war ab 160 € erhältlich.
Iridium verfügte im April 2018 über eine Million zahlende Abonnenten. Iridium – Pressemitteilung (englisch) – Fifth Successful Iridium® NEXT Launch Completed as Iridium Surpasses 1 Million Subscribers Mehr als 50 % aller Iridium-Abos waren für M2M-Datenübertragungs-Anwendungen (SBD), weniger als 50 % für Sprachtelefonie und den weltweiten Internetzugang. Iridium – Pressemitteilung (englisch) – Iridium Announces Fourth-Quarter and Full-Year 2017 Results; Company Issues 2018 Outlook Größter Einzelkunde mit rund 10 Prozent Teilnehmeranteil ist oder war das Militär, allen voran das US-amerikanische Verteidigungsministerium. Weitere Nutzer sind Reedereien, Fluglinien, Wissenschaftler oder Unternehmen aus der Bodenschatzförderung.
Im Juni 2026 kündigte das US-amerikanisch-neuseeländische Raumfahrtunternehmen Rocket Lab an, Iridium für acht Milliarden US-Dollar zu übernehmen.
Netzabdeckung Die Kommunikation mit Iridium ist grundsätzlich von jedem Standort auf der Erdoberfläche mit freier Sicht zum Himmel möglich. Über das Iridium-Satellitennetzwerk ist weltweiter Empfang möglich, jedoch kann der Iridium-Empfang zeitweise ausfallen. Bei einem Iridium-Empfangsausfall befindet sich ein Objekt in der ersten Fresnelzone und stört die Sichtverbindung vom Satellitentelefon zum Iridium-Satelliten. In der ersten Fresnelzone sollten sich keine Sträucher, Bäume, Felsen, Haus- und Hüttenwände befinden. Iridium-Satelliten befinden sich außerhalb der Polarregion zeitweise sehr tief am Himmel (kleiner Höhenwinkel). Deshalb ist die Satellitenkommunikation über das Iridium-Satellitennetzwerk sehr anfällig für Störungen der Sichtverbindung.
Unterbrechungsfreiheit ist bei klarer Sicht zum Himmel in alle Richtungen ab einem Höhenwinkel von 8,2° gegeben. Um eine einwandfreie, unterbrechungsfreie Kommunikation mit Iridium sicherzustellen, darf kein Objekt ab einem Höhenwinkel von 8,2° die Sicht zum Himmel stören. Als Faustregel gilt die geballte Faust bei waagerecht ausgestrecktem Arm.Iridium 9555 Tutorial: Preparing to Make a Call Outdoors Die Höhe der geballten Faust entspricht ungefähr dem Höhenwinkel von 8,2°. Kein Objekt darf höher als die geballte Faust zum Himmel ragen.
In einer sehr tiefen Schlucht, in der nur im Zenit uneingeschränkte Sicht zum Himmel besteht, ist im schlimmsten Fall über 120 Minuten keine Kommunikation möglich, da in dieser Zeit kein Iridium-Satellit in Sichtkontakt kommt. Durch die Erddrehung und Bewegung der Satelliten auf ihren Umlaufbahnen befindet sich nach rund 120 Minuten wieder ein Satellit im Zenit.
Auf der Webseite „ASE Satfinder“ (siehe Weblinks) oder mit einer Smartphone-App zum Satellitentracking kann der aktuelle Standort der Iridium-Satelliten am Himmel berechnet werden. Hierzu benötigt die Satellitentracking-App aktuelle Satellitenbahndaten. Mit diesen TLE-Daten kann die App die Standorte aller Iridium-Satelliten für die nächsten 2 Stunden bestimmen. Mit Hilfe dieser Daten kann dann ein geeigneter Zeitpunkt für ein bevorstehendes Telefonat gewählt werden. Idealerweise wird ein Telefongespräch über den jeweils gerade im Zenit stehenden Iridium-Satelliten geführt.
Iridium ist neben OneWeb und Starlink heute (2025) das einzige, aktive kommerzielle Satellitennetzwerk mit einer vollständigen und zeitlich unbeschränkten Netzabdeckung der Polkappen. OneWeb und Starlink nutzen jedoch mit dem Ku-Band ein Frequenzband für die Satellitenkommunikation, welches wesentlich durch die Erdatmosphäre gestört werden kann. Die Polkappen werden im L-Band nur über das Iridium-Satellitennetzwerk versorgt. Aufgrund der polaren Satellitenumlaufbahnen ist die Versorgungsdichte in den Polarregionen besonders hoch. Für eine unterbrechungsfreie Iridium-Kommunikation benötigt man in den Polarregionen daher weniger freie Sicht zum Himmel als am Äquator.
Iridium-Kommunikation möglich, wennuneingeschränkte Sicht zum Himmel ab dem Höhenwinkel GeografischeBreite Standort Jederzeit(Unter-brechungsfrei) Nur im Bereich der gegenläufigenSatellitenbahnen sindEmpfangslücken zu erwarten(tritt nur alle 12 Stunden auf) 0° Äquator 8,2° 8,2° 50° Frankfurt am Main 10° 12° 56° Edinburgh 10° 13° 60° Helsinki 10° 14° 66° 34′ Polarkreis 12° 18° 71° Nordkap, Point Barrow 20° 20°
Bei langen Telefongesprächen muss im Schnitt alle neun Minuten der Iridium-Satellit gewechselt werden, da der bisher verwendete Satellit hinter dem Horizont verschwindet. Der Satellitenwechsel geschieht vollautomatisch. Die beiden Gesprächsteilnehmer merken vom Satellitenwechsel nichts, solange die Faustregel „keine Objekte mit Höhenwinkel über 8,2°“ eingehalten wird. Wird die Faustregel nicht eingehalten (Objekte mit Höhenwinkel über 8,2°), kann es zu einem Abbruch der Gesprächsverbindung kommen, wenn der alte Satellit hinter dem Horizont verschwindet und der neue Satellit noch nicht in Sichtweite ist.
Obwohl die Netzabdeckung von Iridium technisch den weltweiten Einsatz erlaubt, dürfen Iridium-Satellitentelefone in einigen Staaten aus rechtlichen Gründen nicht importiert oder eingesetzt werden (z. B. im Jahr 2015: Kuba, Nordkorea). Einige Länder erlauben den Import, Export und Betrieb von Iridium-Satellitentelefonen auf ihrem Staatsgebiet nur unter Einhaltung bestimmter Auflagen. In einigen Staaten besteht eine Meldepflicht für Iridium-Satellitentelefone (z. B. im Jahr 2015: Russland, Indien). Vor dem Betrieb, Import oder Export von Satellitentelefonen ist abzuklären, ob dies gestattet ist und ob eine Meldepflicht besteht.
Anwendungen Iridium ermöglicht weltweite Sprach- und Datenkommunikation. Iridium ist das einzige zuverlässige kommerzielle Zweiweg-Kommunikationsmittel, das in den Polarregionen eine unterbrechungsfreie Kommunikation mit der Außenwelt ermöglicht. In den Polarregionen über dem 82. Breitengrad ist kein zuverlässiger Signalempfang von geostationären Satelliten möglich.boeing.com (PDF; 2,8 MB). Zum Beispiel wird Iridium von mehreren Forschungsstationen in der Antarktis (Amundsen-Scott-Südpolstation, Neumayer-Station III) für die unterbrechungsfreie Kommunikation mit der Außenwelt eingesetzt.usap.gov
Auf Schiffen oder Flugzeugen, die sich in den Polarregionen fortbewegen, ist es heute nicht gesetzlich vorgeschrieben, dass Iridium-Kommunikationsmittel an Bord mitgeführt werden müssen. Jedoch ist zu erwarten, dass in den Polarregionen das Mitführen von Iridium-Kommunikationsmitteln in naher Zukunft zur Pflicht wird. In einigen wenigen Anwendungsgebieten (z. B. LRIT) ist in den Polarregionen die Verwendung von Iridium als Kommunikationsmittel bereits heute Pflicht.
Sprachtelefonie mini|hochkant|Iridium-Mobiltelefon
Iridium ermöglicht die weltweite Telefonie. Telefongespräche werden mit Leitungsvermittlung (CS) über die Iridium-Satelliten übertragen. Iridium ermöglicht den Versand und Empfang von SMS. Der Versand und Empfang von SMS zwischen dem Iridium-Netzwerk und einem terrestrischen Mobilfunknetz ist möglich. Der Austausch von SMS zwischen Iridium- und Mobilfunknetz muss durch den Mobilfunkanbieter unterstützt werden (SMS-Interworking).
Da die Übertragungsrate von Sprachdaten mit 2400 Baud extrem gering ist, kommt ein stark komprimierender Codec mit dem Namen „Advanced Multi-Band Excitation“ (AMBE) zum Einsatz, der von der nordamerikanischen Firma Digital Voice Systems, Inc. entwickelt wurde. Dieser Codec wird in den aktiven kommerziellen Satellitentelefonen von Iridium, Inmarsat und Thuraya eingesetzt und wird auch häufig für Funkgeräte mit digitalen Übertragungsverfahren (DMR, dPMR) verwendetWebsite der Firma Digital Voice Systems Inc.31C3 talk by Sylvain von OsmocomGMR28C3 talk by Sylvain von OsmocomGMR. Durch die starke Komprimierung der Sprachdaten entspricht die Sprachqualität einem MOS-Wert von 3,3Sprachqualität von AMBE(+) auf der Website der Firma Digital Voice Systems Inc. Die Sprachqualität liegt also zwischen „ordentlich“ und „gut“. Die Sprach- und Verbindungsqualität ist deutlich schlechter als die gewohnte Sprach- und Verbindungsqualität vom terrestrischen Mobilfunk mit Handy/Natel. Zum Vergleich: Bei Telefongesprächen über die terrestrische Mobilfunktechnik GSM/2G und UMTS/3G wird im Normalfall der Codec Adaptive Multi-Rate Narrowband (AMR-NB) mit 12,2 kbit/s eingesetzt. AMR-NB mit 12,2 kbit/s erreicht einen MOS-Wert von 4,2 (Sprachqualität: „gut“ bis „ausgezeichnet“)gsma.com.