mini|Ástarstafur-Abbildung aus dem frühen 20. Jahrhundert bei Finnbogi Bernódusson Der Ástarstafur (isländisch für „Liebesstab“; gebildet aus „ástir“ für „Liebe“, „Zuneigung“ und aus „stafur“ für „Stab“) ist ein altes isländisches magisches Zeichen, das mit geringen Abweichungen in der Zeichenform in vier Grimoires aus dem frühen 20. Jahrhundert abgebildet und erklärt wird. Die älteste vorhandene Handschrift mit dem Ástarstafur stammt von Finnbogi Bernódusson. Er hat das Manuskript Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt.Angabe zum Anfertigungszeitraum durch die National- und Universitätsbibliothek Islands Nach eigenem Bekunden hat er das Zeichen und dessen Beschreibung aus einer Handschrift aus dem Jahr 1676 abgezeichnet und abgeschrieben.Eintrag von Finnbogi Bernódusson
Das alte magische Zeichen gehört zu den sogenannten Galdrastafir (isländisch Plural von galdrastafur: „Zauberstäbe“, „Zauberzeichen“). Die heute ohne Ausnahme ausschließlich verwendete Bezeichnung Ástarstafur ist allerdings erst in unserer Zeit entstanden und in den früheren erhaltenen Handschriften nicht belegt. Die dortige Bezeichnung lautet durchgängig (mit geringen Abwandlungen) „Stafur til að fá stúlku“ („Stab, um ein Mädchen zu bekommen“).
Vorkommen Galdrastafir-Manuskript von Finnbogi Bernódusson – Anfang des 20. Jahrhunderts Die älteste noch erhaltene Handschrift mit dem Ástarstafur wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Isländer Finnbogi Bernódusson angefertigt. Das Manuskript mit der Signatur Lbs 4375 8vo wird in der National- und Universitätsbibliothek Islands aufbewahrt. Es ist auf der Seite 4 versoS. 4v abgebildet und beschrieben. Finnbogi hat Zeichen und Beschreibung gemäß seinem Manuskripteintrag einer (heute nicht mehr vorhandenen) Handschrift aus dem Jahr 1676 übernommen. Ein noch älteres Vorkommen des Ástarstafur ist nicht bekannt.
Links neben der Zeichnung ist die folgende für die Wirksamkeit erforderliche praktische Anwendung des Zauberzeichens beschrieben.
Text Stafur til að fá stulkuást Þennan staf skaltu skrífa á svins belg úr blódi þinu úr vinstri geirvörtunni og láta siðan stúlkuna sova á honum næturlangt og þarftu þa ekki að biðja hema eftir það framar.
Übersetzung Stab, um Liebe eines Mädchens zu bekommen Du sollst dieses Zeichen mit Blut aus deiner linken Brustwarze auf eine Schweinshaut schreiben und das Mädchen dann über Nacht darauf schlafen lassen; dann brauchst du es danach nicht mehr bitten.
Rún-Manuskript von 1928 mini|Ástarstafur im Rún-Manuskript von 1928 Das isländische Rún-Manuskript wurde 1928 für den Bauern Magnús Steingrímsson aus Hólum in Staðardalur am Steingrímsfjord geschrieben.Rafnsson, S. 106; Titelseite der Rún-Handschrift Magnús Rafnsson vermutet stark, dass Magnús Steingrímsson's damals 14-jährige Tochter Borghildur den Inhalt aus einer früheren Quelle für ihren Vater abgeschrieben hat.Rafnsson, S. 132
Die Handschrift befindet sich in Privatbesitz. Sie wurde in den Jahren 2006 bis 2010 der National- und Universitätsbibliothek Islands als Leihgabe überlassen und dort digitalisiert. Übersetzungen wurden in englischer Sprache 2014 von Magnús Rafnsson sowie in italienischer Sprache von Lorak Odal und Lothar Kaun 2021 veröffentlicht.Rafnsson: Rún, Faksimile-Ausgabe mit englischer Übersetzung der Beschreibungen; Odal/Kaun, S. 92–168
Die Ástarstafur-Zeichnung und ihre Anwendungsbeschreibung befinden sich auf S. 29 recto. Die Abweichungen zur Finnbogi-Handschrift sind nur geringfügig. In der deutschen Übersetzung ist nur in der Überschrift eine Veränderung: „Stab, um ein Mädchen zu bekommen“.
Text Stafur til að fá stúlku Þennan staf skaltu skrífa á svinsbelg úr blódi þinu úr vinstri geirvörtunni og láta siðan stúlkuna sofa á honum næturlangt og þarftu þa ekki að biðja hennar eftir það framar.
Handschrift von Þorsteinn Konráðsson – bis 1934 mini|Ástarstafur bei Þorsteinn Konráðsson – bis 1934 Das Werk Leifar fornra þjóðlegra fræða íslenskra („Überreste alter isländischer Überlieferungen“) wurde nach Angaben des Schreibers bis 1934 von dem Bauern, Zimmermann und Lehrer Þorsteinn Konráðsson angefertigt.Lebensdaten auf Netzseite der National- und Universitätsbibliothek Islands Welches Werk als Vorlage diente oder ob Þorsteinn Konráðsson die alten Galdrastafir einzeln gesammelt hat, geht aus der Handschrift nicht hervor. Die einzelnen Zauberzeichen sind mit schwarzer und mit roter Tinte gezeichnet. Es handelt sich um ein dreibändiges Werk, wobei der Ástarstafur unter der Nummer 69 auf Seite 45 recto und die Anwendung des Symbols auf S. 46 verso zu finden sind.Ástarstafur bei Þorsteinn Konráðsson Die Handschrift Leifar fornra þjóðlegra fræða íslenskra wird unter der Signatur 3902 4to in der National- und Universitätsbibliothek Islands aufbewahrt. Lorak Odal und Lothar Kaun brachten in Auszügen 2021 eine italienische Übersetzung heraus.Odal/Kaun, S. 37–91 mini|Skuggi's Ástarstafur von 1940
Handschrift von Skuggi – 1940 Die von dem isländischen Schriftsteller, Dichter und Volkskundler Jochum Magnús Eggertsson veröffentlichte Form des Ástarstafur ist genau die Form, die heute massenweise auf T-Shirts, Schmuck, Amuletten usw. verwendet wird. Jochum Magnús Eggertsson veröffentlichte unter dem Pseudonym Skuggi diese Ausprägung des Zeichens 1940 in der Zeitschrift Galdraskræða, Ársritið Jólagjöfin („Jährliches Weihnachtsgeschenkbuch“) auf Spalte 42 unter der Nummer 80. Die Beschreibung dieses und der anderen Zeichen erfolgt auch in Runen.
Text Stafur til að fá stúlku Þennan staf skaltu skrífa á svinsbelg úr blódi þinu úr vinstri geirvörtunni og láta siðan stúlkuna sofa á honum næturlangt; og þarftu þa ekki að biðja hennar eftir það framar.
Es handelt sich Wort für Wort und auch in der Rechtschreibung um exakt die gleiche Anwendungsbeschreibung wie beim Rún-Manuskript von 1928.
Falsche zeitliche Einordnung Fälschlicherweise werden der Ástarstafur sowie weitere Galdrastafir in der Werbung oft als „Wikingersymbole“ bezeichnetBeispiel für Bezeichnung als Wikingersymbol und als Symbole der Wikingerzeit dargestellt. Das ist – wie oben gezeigt wurde – völlig falsch, da der früheste Verweis auf das heute als Ástarstafur bezeichnete magische Zeichen „nur“ bis zum Jahr 1676 zurückreicht. „Viele Menschen, die sich für nordische Mythologie und die Wikingerkultur interessieren, betrachten diese Symbole fälschlicherweise als Relikte der heidnischen Zeit oder der Wikingerära.“ Sie „haben ihre Wurzeln in einer Zeit, in der das Christentum in Island bereits fest etabliert war.“Nilsen, S. 7
Heutige Verwendung und Bedeutung mini|Ástarstafur auf T-Shirt Der Ástarstafur gehört neben Vegvísir und Ægishjálmur zu den bekanntesten und am weitest verbreiteten Galdrastafir. Dieses alte isländische magische Zeichen ist auf T-Shirts und anderen Kleidungsstücken sowie auf Schmuck, Amuletten und vielem anderen zu finden.Schmuckanhänger aus Gold mit Ástarstafur Auch als Tattoo ist er weit verbreitet.
Hinsichtlich seiner Bedeutung wird der Ástarstafir in der heutigen Zeit neu interpretiert und somit mit einer neuen Bedeutung versehen. Weit weg von seiner historischen und ursprünglichen Anwendung und Bedeutung glaubt man, dqss das Zeichen „Liebe anzieht, Beziehungen stärkt und romantische Ergebnisse hervorbringt.“Heutige Verwendung Das magische Zeichen kann auch „als magisches Werkzeug genutzt werden, um Liebe zu finden, als Zeichen der Liebe für einen Partner oder als Erinnerung an Selbstliebe.“Heutige Interpretation
Siehe auch Liste isländischer magischer Handschriften mit Galdrastafir
Literatur Finnbogi Bernódusson: Galdrastafir. Skufaðir eftir Handriti Handriti frá Árid 1676, Anfang 20. Jahrhundert Mila Fois: Stafur til að fá stúlku, in: Galdrastafir. I Magici Sigilli d’Islanda, 2018, S. 221–224, ISBN 978-1-983-18150-4. Lorak Odal / Lothar Kaun: Galdrastafir. Il canto magico delle antiche formule d’Islanda, La Magia delle Rune I, Psiche 2, Turin 2021, ISBN 978-88-92700-35-2 Tim Nilsen: Symbole der Wikinger – Mythos und Wahrheit. Eine Enthüllung der isländischen Magie, ihren Wurzeln und der Irrglaube in der heutigen Zeit, Thalheim bei Wels 2024, ISBN 978-3-384-34424-3 Magnús Rafnsson: Rún, Strandagaldur ses, Hólmavík 2014, 2. Druck 2018, ISBN 978-9979-9584-7-5 Rún-Manuskript von 1928 Skuggi (Jochum Magnús Eggertsson): Galdraskræða, Ársritið Jólagjöfin 1940 Þorsteinn Konráðsson: Leifar fornra þjóðlegra fræða íslenskra, bis 1934
Weblinks
Anmerkungen
Kategorie:Isländisches magisches Zeichen Kategorie:Magisches Objekt Kategorie:Symbol