mini|Jean Tiger: Portrait de Nicolas Loir (1624–1679), peintre. Louvre, Paris Jean Tiger (* 1623 in Falaise, Normandie; † 30. Dezember 1698 in Paris) war ein französischer Maler, der vor allem als Porträtist tätig war.
Leben Jean Tiger wurde 1623 in Falaise in der Normandie geboren. Er war Schüler des Malers Pierre Mignard (I.). Am 2. März 1675 wurde er als Agrégé an der Pariser Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen, am 5. Oktober desselben Jahres folgte die Aufnahme als Vollmitglied.Anatole de Montaiglon (Hrsg.): Procès-verbaux de l’Académie royale de peinture et de sculpture 1648–1793. Paris 1875–1892. Als Aufnahmestücke (morceaux de réception) dienten ihm Bildnisse der Maler Nicolas Loir und Henri Testelin. Laut André Fontaine sind dies die beiden im Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon aufbewahrten Porträts. Sie wurden im Katalog von Eudore Soulié (1859–1861) noch als Werke eines unbekannten Künstlers geführt.André Fontaine: Les Collections de l’Académie royale de peinture et de sculpture. Paris 1910. Jean Tiger führte den Titel Gentilhomme de la Chambre de Son Altesse Royale Monseigneur le duc d’Orléans und stand damit im Dienst Philipps I. von Orléans, des Bruders Ludwigs XIV. Zwischen 1679 und 1689 hielt er sich im Gefolge von Marie Louise von Orléans, der Tochter Philipps I. und seit 1679 Gemahlin Karls II. von Spanien, am Hof in Madrid auf.
Später ließ er sich in Troyes nieder, wo 1692 ein Streit mit der örtlichen Malergilde belegt ist. Er starb jedoch nicht in Troyes, sondern am 30. Dezember 1698 in Paris. Anlässlich des Todes seiner Ehefrau Marie Oudot, einer Tochter des Druckers Jean (III.) Oudot aus Troyes, wurde am 12. Juni 1698 ein Inventar seines Besitzes erstellt. In dem unter dem Titel Inventaire des biens de J.-B. Tiger, peintre ordinaire du Roi, gentilhomme ordinaire de Monsieur, frère unique du Roi veröffentlichten Inventar sind zahlreiche Gemälde mit religiösen und porträthaften Motiven aufgeführt. Darunter befinden sich Darstellungen von Esther vor Ahasver, dem Heiligen Karl, der Heiligen Cäcilie, der Heiligen Magdalena, der Verlobung der Heiligen Katharina, der Flucht nach Ägypten, dem Heiligen Nikolaus sowie ein Ecce Homo und ein Kruzifix. Ferner sind Bildnisse des Königs, des Herzogs von Orléans und der verstorbenen Königin von Spanien enthalten. Diese Werke werden überwiegend oder ausschließlich Tiger selbst zugeschrieben.
Pierre Jean Grosley (1718–1785), Verfasser der Mémoires sur les Troyens célèbres, rühmte Tiger als einen Hyacinthe Rigaud und Nicolas de Largillière ebenbürtigen Porträtisten. Ein jüngerer Maler namens Tiger, dessen Vorname nicht überliefert ist, war zwischen 1686 und 1694 Schüler an der Pariser Académie royale. Er wird mit Jean Tigers Sohn, Jean-Baptiste Tiger, identifiziert, der seinem Vater 1696 als peintre ordinaire du roi nachfolgte.
Werk Jean Tiger war vorwiegend als Porträtmaler tätig. Als gesichertes Werk gilt das Aufnahmebildnis des Malers Nicolas Loir, das sich heute in den Sammlungen des Musée du Louvre beziehungsweise als Dauerleihgabe im Schloss Versailles befindet. Es wurde 1793 aus dem Bestand der Académie royale de peinture et de sculpture übernommen und war zuvor im Inventar Villot als anonymes französisches Werk des 17. Jahrhunderts geführt worden. Das Pendant, das Bildnis des Malers Henri Testelin, wird ebenfalls Jean Tiger zugeschrieben. Die im Inventar von 1698 verzeichneten religiösen Gemälde und Bildnisse sind nicht näher lokalisiert und ihr heutiger Verbleib ist nicht dokumentiert.
Literatur Johann Rudolf Füssli: Allgemeines Künstler–Lexicon. Zürich 1763; erweiterte Neuausgabe, besorgt von Hans Heinrich Füssli, Zürich 1779. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. Band 18, München 1848. Anatole de Montaiglon (Hrsg.): Procès-verbaux de l’Académie royale de peinture et de sculpture, 1648–1793. Paris 1875–1892; Register von Paul Cornu, 1909. Ludovic Vitet: L’Académie royale de peinture et de sculpture. Étude historique. Paris 1861, S. 341. Octave Fidière: État-civil des peintres & sculpteurs de l’Académie royale. Billets d’enterrement de 1648 à 1713. Paris 1883. André Fontaine: Les collections de l’Académie royale de peinture et de sculpture (L’art dans l’ancienne France). Paris 1910. Nouvelles archives de l’art français. 3. Série, Bd. 2, 1886. Réunion des sociétés des beaux-arts des départements. Bd. 27, 1903, S. 572. Bulletin de la Société de l’histoire de l’art français. 1911, S. 401. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009
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Einzelnachweise
Kategorie:Maler des Barock Kategorie:Porträtmaler Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1623 Kategorie:Gestorben 1698 Kategorie:Mann