Der Bahnhof Haifa Merkas – haSchmonah ist einer von sechs Stationen der Rakkevet Jisraʾel (RI) in Haifa, davon drei direkt im inneren Stadtgebiet. Er ging 1937 gleich von Beginn an als Hauptbahnhof der Stadt in Betrieb und ist einzige vollwertige Station der britischen Zwischenkriegszeit in Israel.David Bar On (), “” (8. Dezember 2023), auf: ; abgerufen am 2. August 2026. Die Station zählt inzwischen deutlich weniger Passagiere als der 2001 eröffnete, eher im östlichen Gewerbegebiet gelegene Bahnhof Haifa Merkasit haMifratz. Im Jahre 2019 ergab die Fahrgastzählung 2.242.279 Personen, das entsprach für den Hauptbahnhof Platz 22 unter den damals 68 Stationen Israels, gegen 2.984.821 Reisende bzw. Platz 15. Der Bahnhof ist eine Station von Küstenbahn (Haifa–Tel Aviv, 1920 begonnen, 1953 vollendet) und Bahnstrecke Haifa–Beirut–Tripoli, die 1942 entstand. Im Empfangsgebäude sind neben der Schalterhalle verschiedene Büros der RI untergebracht. Das große Silo Dagon mit Dagon-Museum zur Geschichte der Getreidekenntnis befindet sich gleich zu Seiten des Bahnhofs.
Lage Die israelische Küstenbahn (anfangs Lod–Haifa–Bahn) beginnt mit Kilometer 0 ab dem Bahnhof Haifa MisrachDer hebräische Buchstabe ‹Samech› (mit stimmlosem S/s, wie ‹ss›) gibt einen Laut wieder, der in jeder Position stimmhaft ist, andars der deutsche Buchstabe ‹S/s›, der im Deutschen je nach Region nach folgendem Konsonant stimmhaft oder stimmlos sein kann, wie im hebräischen Wort ‹Məs[s]illah› (). Entsprechend wird ‹Samech› gelegentlich als ‹ss› wiedergegeben, das hebräische ‹Zajin› (stimmhaftes S/s) im Deutschen gelegentlich durch das anglophone ‹Z/z› dargestellt. Beispiele sind der Begriff Misrach (=Osten) mit stimmhaftem ‹S/s›, wie auch ‹Merkas› (Zentrum) und ‹Merkasit› (Zentral). und passierte die Enge westwärts zwischen Haifas Altstadt und dem Seeufer. Nördlich der Gleise liegt der Hafen Haifa. Mit der Aufschüttung des Küstenstreifens kam 1931 bis 1937 jenes Gebiet hinzu, wo Innenstadt (eigentlich auf genannt), erweiterter Hafen und dazwischen neuer Bahnhof Haifa Merkas, dieser nur 1,422 Kilometer abseits vom älteren Bahnhof, entstanden. Die Küstenbahn bildet hier seit 1993 einen Teil der Hauptlinie Naharijja–Beʾer Scheva der Rakkevet Jisraʾel (RI).
Südlich vor dem Bahnhof liegt der Kikkar Plumer (),Benannt nach dem Hochkommissar für Palästina und Transjordanien Herbert Plumer (1857–1932). Er war ein britischer Militär und Kolonialbeamter. Bekannt wurde er durch seinen Sieg über die deutsche Armee in der Schlacht bei Messines 1917. an die westlich das große Silo Dagon mit Dagon-Museum zur Geschichte der Getreidekenntnis anschließt. Die Derech haʿAtzmaʾut (Weg der Unabhängigkeit; Nord-Süd-Küstenstraße Formell heißt diese Haupt-Landesstraße 4 ().) erschließt den Platz zur weiteren Stadt. Drei der wichtigsten Bahnhöfe Haifas befinden sich an der Derech haʿAtzmaʾut unweit voneinander: Bahnhof Bat Gallim (etwas westlich), Bahnhof Merkas – haSchmonah (dazwischen) und der stillgelegte Bahnhof Misrach (etwas östlich). Vom Bahnhof Haifa Merkas – haSchmonah sind es etwas 500 Meter Wegs südöstlich zur Kikkar Paris mit der gleichnamigen Talstation der Karmelit. Nach Verlegung der Busstationen auf den neuen Bahnhof Haifa Bat Gallim 1975 diente der Kikkar Plumer als Parkplatz für Personenwagen.
Name
Die ursprüngliche Stationstafel Bahnhof Haifa Merkas wurde nach einem Anschlag am 16. Juli 2006 auf viele Eisenbahner im Wartungsdepot Haifa (), deren acht die Terroristen töteten, erweitert.Diese sind Nissim Alharrar (), ‹Schmulik› Schmuʾel Ben-Schimʿon (), Rafi Schimʿon Chasan (), ‹ʿEschi› ʿAssaʾel Damti (), David Feldman (), Denis Lapidus (), Reʾuven Levi () und ‹ʿSchuqi› Schlomi Mansoure (). Bilder der Verstorbenen zeigt der Artikel: ‹Arik› Arjeh Bender (), “” (15 Oktober 2017), auf: Maʿariv; abgerufen am 2. August 2026. Zum Gedenken an die Eisenbahner erhielt die Station am 10. Juli 2007 auf , auf und auf den erweiterten Namen; dieser Name bedeutet auf Deutsch Bahnhof Haifa Zentral – die Acht. Eine Gedenktafel erläutert die Umstände der Namensänderung.
Geschichte Haifas, bis September 1918 Teil des Osmanischen Reichs, erster Bahnhof war die 1904 eröffnete Station, die als anfangs Einzige am Ort keinen Namenszusatz trug. Am Mittelmeer im osmanisch-libanesischen Vilâyet Beirut, wozu Haifa zählte, bildete dieser Bahnhof Ende und Anfang der Jesreʿeltalbahnen Haifa–Darʿa, die im osmanischen Vilâyet Syrien gen Hedschasbahn führte. Daneben verband die kurze Bahnstrecke Haifa–Akko Ersteres und Zweiteres. Beide Strecken verliefen in Schmalspur von 1050 mm. Neben dem Bahnhof Haifa (Misrach; wie er ab 1937 hieß) bestand ein Ausbesserungswerk (AW).
Die im Ersten Weltkrieg siegreiche Triple Entente betrieb die Palestine Military Railways (PMR), die vom Sultanat Ägypten aus die neue normalspurige Sinai-Bahn (Bau 1915–1917Daneben erbaute die PMR 1917/1918 auch die Bahnstrecke Rafah–Beʾer Scheva (), damals britisch besetztes osmanisches Mutesarriflik Jerusalem. In der hebräischen Wikipedia gibt es dazu mehr Quellen im Eintrag «מסילת הרכבת רפיח – באר שבע».) bis Lod (osmanisches Mutesarriflik Jerusalem) einrichtete, ab wo sie einen Teil der ebenfalls 1915–1917 erbauten schmalspurigen osmanischen Militärbahn Masʿūdiyya–Sinai übernahm. Die PMR spurte die Strecken der Hauptlinie zwischen Lod und Tulkarm und ab dort weiter die zugehörige osmanische Nebenbahn bis Kafr Qara und Chadera, wo fürs Heizen der Lokomotiven Wälder gerodet wurden, auf Normalformat um. Bis 1920 hatten die PMR diese um eine völlig neue Strecke bis zum alten Bahnhof Haifa verlängert, zur damaligen Lod–Haifa–Bahn.Sie zählt heute als Ostbahn Lod–Chadera und dann weiter als Küstenbahn Tel Aviv–Haifa. Seither endete hier neben der Normalspurstrecke vom südlichen Lod am Bahnhof Haifa [Misrach; so ab 1937] die beiden alten Schmalspurbahnen vom nördlichen Akkon und der Jesreʿeltalbahn ins östliche Darʿa.
mini|Der enge Küstenstreifen der Altstadt Haifa ließ wenig Raum für die Bahn, wie die PR-Werbung 1922 zeigt. Das Ausbesserungswerk Haifa, inzwischen Teil der zivilen Palestine Railways (PR), wurde ab 1920 auch für normalspurige Waggons und Lokomotiven ertüchtigt und dient seit 1983 als Israelisches Eisenbahnmuseum. Im Oktober 1929 begannen die Arbeiten vor Haifa, insbesondere die Planierung des Geländes und die Anlage eines verbreiteten Bahnstrecke. Sie entstand auf Landflächen, die dem Mittelmeer im Zuge des Baus des Hafens Haifas in den 1930er Jahren abgewonnen worden waren. Das Ausbesserungswerk Qischon an der Akkobahn in den Qrajot erfüllt seit 1932 seine Dienste, per Dreischienengleis auch für Normalspurverkehr zwischen altem Bahnhof und neuem AW.
Frederick Palmer (; 1862–1934In der hebräischen und der englischsprachigen Wikipedia gibt es zu ihm mehr Quellen in den Einträgen «פרדריק פלמר» und «Frederick Palmer (engineer)».), seit 1909 Hauptingenieur der Port of London Authority, setzte ab 1928 den Plan Report of the Provision of Harbour Facilities in Palestine zur Erweiterung von neuer Innenstadt und großem, seegeschützten Hafen Haifas um, wie das Government of Palestine 1927 nach jahrelang verzögerter Finanzierung hatte entscheiden können. Palmers Umbau brachte eine Landgewinnung von 340 metrischer Dunam Größe in Teilen der Bucht von Haifa mit sich, womit die Altstadt Haifas nicht mehr direkt an der See lag und die anderthalb Kilometer lange neue Fläche von 120 bis 350 Metern Breite mit 1.300.000 Kubikmetern Kurkar-Gestein aus ʿAtlit einbrachte. Damit verschwand auch die Kaiser-Pier Wilhelms II. von 1898 im inneren Gelände. Den erweiterten Hafen schützt Dezember 1931 ein langer Wellenbrecher vor der offenen Bucht.Yigʾal Greiber (), “The best port in the Levant” (14. Januar 2022), auf: (Chai Poh); abgerufen am 2. August 2026.
Erweiterungen von neuer Stadt und Hafenzone teilten diese neue Fläche von der alten Uferlinie in die Mitte des neugewonnenen Landstreifens auf. Entlang der alten Uferlinie direkt vor der Altstadt Haifas entstand die neue Hauptstraße Derech haʿAtzmaʾut (, ; bis 1951 King’s Way) und daran nordöstlich bis an die neue Bahntrasse anschließend zwei bis drei Blocks des neuen Geschäftsviertels Haifas inklusive des neuen Zentralbahnhofs von 1937, des neuen Bahnhof Haifa Merkas. Die enge des vorigen schmalen Buchtstreifens ließ gar keinen Raum für einen Bahnhof an dieser Stelle. Jenseits der Bahn zur neuen Wasserkante fanden Gleisanlagen und Lagerhäuser des Hafens Platz. Für den Bau hatte das Government of Palestine eine Anleihe im Gegenwert von einer Million US-Dollar aufgenommen.NN, "Government Engineer Arrives to Supervise Haifa Harbor Works" (23. Januar 1928), in: Jewish Telegraphic Agency; abgerufen am 10. September 2025.
links|mini|Reisende an Gleis 1, 1964 von Boris Carmi Ab 1937 führte die alte Station die Bezeichnung Bahnhof Haifa Misrach (Haifa Ostbahnhof) bzw. in den palästinensischen Amtssprachen auf , und auf . Der britische Architekt und Stadtplaner Albert Clifford Holliday (1897–1960In der hebräischen und eher bescheiden in der englischsprachigen Wikipedia gibt es zu ihm mehr Quellen in den Einträgen «קליפורד הולידיי» und «Clifford Holliday».) schuf die Pläne für den neuen Bahnhof Haifa Merkas,NN, , Haifa: , 2018. der im urbanen Geschäftszentrum zentral gelegen den Verkehr auf sich zog.
Mit diesem neuen Zentralbahnhof, am 1. Juni 1937 eröffnet, leitete das Dreischienengleis die Vorortzüge bis Qirjat Motzkin und zurück.NN, “”, in: Davar, 1. Juni 1937, S. 6. Der Bahnhofsvorplatz, nach dem Tode von Hochkommissar Herbert Plumer umbenannt, wurde Busbahnhof der Stadt. Von dort bis zum Kopfbahnhof Akko weiter fahren nur die schmalspurigen Züge der Bahnstrecke Haifa-Akko. Durch die 1942/1943 neu angelegte normalspurige Bahnstrecke Haifa–Beirut–Tripoli (HBT-Linie) öffnete abseits vom Kopfbahnhof Akko der neue, heute weiterhin bedienten, Durchgangsbahnhof Akko. Die Züge der schmalspurigen Jesreʿeltalbahn endeten bis zu deren Stilllegung 1951 am Bahnhof Haifa Misrach.
mini|Villa Salim Effendi Choury, 1940–1948 Hauptverwaltung der PR, am 22. April 1948 ausgebrannt Die PR-Hauptverwaltung hatte 1940 teils den Beit Choury (, auch von 1908) in Haifa bezogen, wo britische Bahnbeschäftigte die Übergabe des Betriebes an einheimische Mitarbeiter, meist jüdische Palästinenser, besorgten. Mit Rückzug der Briten aus dem Stadtgebiet in den Hafen Haifas am 21. April 1948 begegnete am Folgetag sich arabische und jüdische Palästinenser im Gebiet der Generaldirektion der PR in Gewalt, der Beit Choury ging dabei in Flammen auf, bevor tags darauf sich die arabischen Kämpfer der Hagannah ergaben. Während noch in den Folgetagen viele arabische Haifaner über neutrale Schiffe, die im britisch verwalteten Hafen anlandeten, die Stadt verließen und in benachbarten arabischen Nachbarhäfen Aufnahme fanden, mussten jüdische Palästinenser samt Familien in Haifa und anderen Orten Palästinas ausharren, da kein Staat der Welt jüdischen Palästinenser eine sichere Zuflucht bot, obwohl Militär aus arabischen Feindstaaten sie bedrohten.
Auch nach Unabhängigkeit Israels am 14. Mai 1948 blieb es in Haifa ruhig, im Gegensatz zu vielen ländlichen Orten um zu, während die Briten ein Teil des Hafens als kleinen Außenposten hielten, um britische Dokumente und Materialien geordnet ins Mutterland abzuführen. Die Rakkevet Jisraʾel (RI) nahm am 22. Mai 1948 den Eisenbahnverkehr wieder auf, zunächst zwischen einem provisorischen Halt am Hafentor Schaʿar Palmer (; nach Hafenbau-Ingenieur Frederick Palmer [1862–1938]) und Qirjat Motzkin in den Küstenorten der Qrajot.NN, “”, in: Davar, 23. Juli 1948, S. 4. Etwa 500 Meter westlich vom Schaʿar Palmer hielt das britische Militär den Bahnhöfen Haifa Merkas noch bis zum Ende des Monats in Beschlag, bevor sie den Hafen räumten und Israels Hoheit überließen.