mini|hochkant|Nicolas Loir (Porträt von Jean Tiger) Nicolas Pierre Loir (* 1624 in Paris; † 6. Mai 1679 ebenda), auch Nicolas Loir bzw. Nicolas Loyr, war ein französischer Maler, Zeichner und Kupferstecher des Barock. Er zählte zu den Malern Ludwigs XIV. und wirkte als Professor sowie zeitweiliger Rektor der Académie royale de peinture et de sculpture in Paris. In der kunsthistorischen Fachliteratur gilt Nicolas Pierre Loir als technisch versierter Maler, dem jedoch ein gewisser Mangel an eigenständiger Erfindungskraft nachgesagt wird. Er habe sich um die Verbreitung der Malweise Nicolas Poussins unter Ludwig XIV. verdient gemacht. Der zeitgenössische Kunstschriftsteller Roger de Piles nahm ihn in seine Aufstellung bedeutender französischer Künstler auf und bezeichnete ihn als Sohn eines Goldschmieds sowie als sehr guten Zeichner.

Leben Nicolas Pierre Loir war der Sohn des Pariser Goldschmieds Nicolas Loir (* 1592) und der Bruder des Goldschmieds Alexis Loir (* 1640). Er wurde zunächst bei Simon Vouet und anschließend bei Sébastien Bourdon in Paris ausgebildet. In den Jahren 1647 bis 1649 hielt er sich in Rom auf, wo er im Umkreis von Nicolas Poussin verkehrte. Laut einer Angabe des Institut national d’histoire de l’art unternahm er diese Reise in Begleitung des Kunstschriftstellers André Félibien. 1650 kehrte Loir nach Paris zurück. Im selben Jahr erhielt er von der Pariser Goldschmiedezunft den Auftrag für deren traditionelles Maigeschenk (Mays de Notre-Dame de Paris) an die Kathedrale Notre-Dame: das Gemälde Sergius Paulus schlägt den falschen Propheten Bar-Jesus mit Blindheit (in situ; eine Skizze befindet sich im Musée Carnavalet, Paris). Nicolas Loir wurde als agréé in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen. Die Umstände seiner Aufnahme als ordentliches Mitglied sind in den Quellen nicht einheitlich überliefert. Als Aufnahmestück (morceau de réception) diente eine Allégorie du progrès des arts du dessin sous le règne de Louis XIV, die durch einen Stich seines Bruders Alexis Loir überliefert ist.

Im Jahr 1665 heiratete Nicolas Loir Marguerite Cotelle, die Tochter des Malers Jean Cotelle. Mit diesem arbeitete er in der Folgezeit wiederholt zusammen. Ab 1666 wirkte Loir als Professor der Akademie, 1668 wurde er deren stellvertretender Rektor und 1675 schließlich Rektor. Nicolas Loir starb am 6. Mai 1679 in Paris.

Werk mini|Nicolas Pierre Loir – Le triomphe de l’art. The Atkinson, Southport, England Nicolas Loirs Schaffen umfasst vorwiegend mythologische, religiöse und historische Darstellungen für weltliche und kirchliche Auftraggeber. Ab Ende der 1650er Jahre gestaltete er gemeinsam mit Jean Cotelle die Innendekoration privater Hôtels und Schlösser. Zu den von ihnen ausgestatteten Gebäuden zählen das Schloss von Le Plessis-Belleville (1657/61) und das Pariser Hôtel de La Ferté-Senneterre (1664). Beide Ausstattungen sind nicht erhalten.

Die weitere Zusammenarbeit erstreckte sich auf königliche Residenzen: das Schloss Vincennes (1666), das Pariser Palais des Tuileries (Salle des Gardes und Antichambre im Appartement haut des Königs, 1668–1671) und Schloss Versailles (Appartements des Attiques und des Bains, 1671/72) sowie in Saint-Germain-en-Laye (Appartements der Madame de Montespan, 1673). Zwischen 1671 und 1679 schuf Loir allein sieben Ölgemälde für das Grand Appartement der Königin Maria Theresia in Versailles. Von diesem Zyklus haben sich Fragmente erhalten, darunter Pithès und Pithopolis (1673) sowie Pithopolis, Ehefrau des Pithès (vor 1679), die sich beide im Musée de Brou in Bourg-en-Bresse befinden. Weitere Werke sind Die Königin wendet sich an Soldaten und Jupiter und Juno, die sich beide im Louvre in Paris befinden. Von Loirs Altarbildern für Pariser Kirchen sind nur wenige erhalten oder bekannt: Heilige Maria von Ägypten (Musée des Beaux-Arts de Marseille, ursprünglich aus dem Karmeliterkloster in der Rue Saint-Jacques in Paris), Christi Geburt (Kirche Saint-Honoré, Paris) und Der Ordenseintritt des heiligen Wilhelm von Aquitanien (Louvre, Paris, ehemals Couvent des Feuillants). Zwei weitere Kompositionen, Maria und Christus erscheinen der heiligen Teresa von Ávila (1649, ehemals Église des Carmes déchaux) und Die mystische Vermählung der heiligen Katharina (ehemals Kirche Saint-Barthélémy), sind nur durch Stiche überliefert. Daneben schuf Loir mehrere Fassungen der Heiligen Familie und der Madonna mit dem Christuskind, die teils auch als Vorlagen für Reproduktionsstiche dienten. Für die Manufacture des Gobelins lieferte er Tapisseriekartons und für seinen Bruder Alexis entwarf er mehrere Ornamentfolgen als Stichvorlagen, darunter eine Folge von zwölf Deckenstuckentwürfen. mini|hochkant|Nicolas Loir – Saint Paul rend aveugle le faux prophète Barjésu (Der heilige Paulus blendet den falschen Propheten Barjésu blind (Ölskizze)). Musée Carnavalet, Paris Stilistisch wird Nicolas Loirs Malerei durch den Barock-Klassizismus geprägt, insbesondere durch die Auffassung Nicolas Poussins, was sich in seinem ausgewogenen Bildaufbau zeigt. In der Farbgebung blieb er hingegen stärker von Sébastien Bourdon beeinflusst. Zu seinen Schülern zählte François de Troy, der 1669 seine Schwägerin Jeanne Cotelle heiratete.

Werke Nicolas Loirs befinden sich unter anderem im Musée des Beaux-Arts d’Angers und im Musée des Beaux-Arts de Dijon, im Louvre (Département des Peintures sowie Département des Arts graphiques) und in der Bibliothèque nationale de France (Département des Estampes et de la Photographie) in Paris sowie im Musée des Beaux-Arts de Rennes (Zeichnungen).

Literatur

Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 23, E. A. Seemann, Leipzig 1929, s. v. „Loir (Loyr), Nicolas Pierre“. Sylvain Laveissière: Le classicisme français: masterpieces of seventeenth century painting. A loan exhibition from the Louvre and French regional museums at the National Gallery of Ireland, 30 April–9 June 1985. National Gallery of Ireland, Dublin 1985. Christiane Nicq, Pierre Nicq: Petits et grands maîtres du Musée Atger. Cent dessins français des 17ème et 18ème siècles. Bibliothèque interuniversitaire de Montpellier, Montpellier 1996. Marie-Françoise Poiret: Le monastère royal de Brou : l'église et le musée, Bourg-en-Bresse. Éditions du Patrimoine, Paris; Art Lys, Versailles; Les Amis de Brou, Bourg-en-Bresse 2000. Les peintres du roi, 1648–1793. Ausstellungskatalog, Musée des Beaux-Arts de Tours, 18. März–18. Juni 2000; Musée des Augustins, Toulouse, 30. Juni–2. Oktober 2000, Réunion des musées nationaux, Paris 2000. Les collectionneurs toulousains du XVIIIe siècle : l'Académie royale de peinture, sculpture et architecture, [1750–1793]. Ausstellungskatalog, Musée Paul-Dupuy, Toulouse, 17. Januar–30. April 2001, Musée Paul-Dupuy, Toulouse/Somogy, Paris 2001. Annick Notter, Thierry Bajou, Musée des beaux-arts d'Orléans: Les maîtres retrouvés : peintures françaises du XVIIe siècle du Musée des beaux-arts d'Orléans. Somogy, Paris; Musée des beaux-arts d'Orléans, Orléans 2002. Sandrine Herman: Estampes françaises du XVIIe siècle. Une donation au musée des beaux-arts de Nancy. Éditions du CTHS, Paris 2008. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009. Marcel-Jean Massat: L’œuvre de Nicolas Loir (1624–1679). Mémoire de DEA, Université Paris IV-Sorbonne, Paris 1998, 2 Bde.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Maler des Barock Kategorie:Maler (Paris) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Kupferstecher (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1624 Kategorie:Gestorben 1679 Kategorie:Mann