mini|Torre dei Crivi Der Torre dei Crivi ist ein historischer Wachturm an der Küste von Maratea. Er gehört der süditalienischen Gemeinde Maratea an und liegt hier im Ortsteil Aquafredda.

Namensherkunft Seinen Namen erhielt der Wachturm durch die nahegelegene Spiaggia dei Crivi, die als Anlage- und Zufluchtsort für Schiffe von Korsaren diente. Im Laufe der Jahrhunderte gab es leichte Namensabänderungen.

Für das Jahr 1568 ist ein „Torre del Crivo di Scilandro“ erwähnt, der in Scipione Mazzellas Werk Descrittione del Regno di Napoli der Region Camerota zugeordnet wird. Laut Francesco Attanasio ist diese Zuordnung allerdings falsch, und es handelt sich bei diesem Turm um den heutigen Torre dei Crivi. Eine weitere Anpassung des Namens ist durch eine Karte von Mario Cartaro und Nicola Antonio Stigliola aus dem Jahr 1590 belegbar, in welcher der Turm als „Torre lo Crivo“ bezeichnet wird, und die 1613 überliefert wurde. Aus Rizzi-Zannonis Werk Atlante Marittimo delle due Sicilie aus dem Jahr 1792 sowie einer Karte des Golfo di Policastro aus dem frühen 19. Jahrhundert geht schließlich der Name „Torre delle Grive“ hervor, dessen Abwandlung zu dem heutigen Namen „Torre dei Crivi“ führte.

Lage Der Torre dei Crivi befindet sich an der Küste von Maratea im Norden des Ortes Acquafredda. Unterhalb des Turmes verläuft die Strada Statale 18.

Geschichte Der Torre dei Crivi gehört zum Küstenverteidigungssystem des ehemaligen Königreichs Neapel. Er bildete zusammen mit den Türmen Acquafredda, Apprezzami l’Asino, Santavenere, Filocaio und Caina eine Kette entlang der Küste von Maratea. Innerhalb dieser Verteidigungskette diente der Torre dei Crivi als Melde- und Wachturm, da seine Türmer Feuer- oder Rauchsignale an den Torre di Acquafredda weitergeben konnten, um die Sichtung von Korsarenschiffen mitzuteilen. Im 16. Jahrhundert wurde unter der spanischen Vizekönigsherrschaft der Ausbau der Küstenbefestigungen vorangetrieben, um die Küste vor den häufigen Angriffen nordafrikanischer Korsaren zu schützen. Durch einen Erlass vom 21. Mai 1566 wurde die Errichtung des Torre dei Crivi angeordnet. Es lässt sich nachweisen, dass bereits sechs Jahre später der Turm als Wachposten genutzt wurde und ein Türmer dort seinen Dienst verrichtete. Dabei patrouillierten jeweils zwei Wachen in einer Schicht, die 24 Stunden dauerte und mit einem Carlino pro Wachpaar bezahlt wurde. Die Kosten wurden aus der königlichen Staatskasse oder durch lokale Beiträge gedeckt.

Durch seine kompakte und defensive Bauweise mit vergleichsweise wenigen Schießscharten kann angenommen werden, dass der Torre dei Crivi im Gegensatz zum Torre di Capobianco ausschließlich der Verteidigung diente. Ebenso wird vermutet, dass der Turm über einen unterirdischen Raum verfügte, da er an der Südseite eine zugemauerte Öffnung aufweist. Die langen Schichten lassen zudem vermuten, dass es eine im Sockel integrierte Zisterne und Lagerräume für Nahrung gab. Nischen an der Ostseite und Südseite des Erdgeschosses des Gebäudes lassen darauf schließen, dass der Turm ursprünglich einen Kamin besaß und den Wächtern zusätzlich als Wohnraum diente. Über eine ausziehbare Leiter konnte die Dachplattform betreten werden, die den Wächtern eine weite Sicht entlang der Küste bot.

Baubeschreibung Der Torre dei Crivi ist ein quadratischer, aus massivem Mauerwerk errichteter Küstenwachtturm auf einem Felsvorsprung bei Acquafredda im Gemeindegebiet von Maratea. Seine Seitenlängen betragen jeweils um die 4,5 Meter, seine Höhe beträgt 3 Meter. Der Baukörper verjüngt sich leicht nach oben und besitzt einen stark geneigten Sockel in Form eines Pyramidenstumpfes. Die Außenmauern sind weitgehend geschlossen und werden nur durch wenige kleine Öffnungen gegliedert.

Im oberen Bereich der Fassaden befinden sich vorkragende Maschikulis zur Verteidigung des unmittelbar an den Turm angrenzenden Bereichs. An den meisten Seiten sind jeweils drei, an der Nordseite vier solcher Auskragungen erhalten. Den oberen Abschluss bildet ein gewölbter Bereich mit einer darüberliegenden, von einer niedrigen Brüstung eingefassten Dachfläche. Die schlichte Gestaltung und die massive Bauweise entsprechen dem Typus der frühneuzeitlichen Küstenwachttürme des ehemaligen Königreichs Neapel.

Trivia Die Straße entlang des Torre dei Crivi diente als Drehort des Films James Bond 007: Keine Zeit zu sterben.

Weblinks

Einzelnachweise

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