Der Agusta A104 war ein leichter zweisitziger Hubschrauber, der 1960 vom italienischen Unternehmen Agusta entwickelt wurde und im Prototypenstadium verblieb.

Geschichte In den späten 1950er Jahren prüfte Agusta auf eigene Initiative hin die Möglichkeit, mit neuen, selbst entwickelten Modellen leichter Hubschrauber in den zivilen Luftfahrtmarkt einzusteigen. Das Unternehmen profitierte von den Erfahrungen, die es in der Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Unternehmen Bell Aircraft gesammelt hatte. Das Vorhaben sah die Produktion in Lizenz und den Vertrieb durch das italienische Unternehmen vor.

In den Werken von Cascina Costa wurde der Einsitzer A103 hergestellt, der 1959 erstmals in die Luft stieg. Danach wurde eine zweisitzige Version entwickelt. Sie behielt die technische Konzeption des Vorgängermodells bei, hatte jedoch ein Cockpit mit zwei nebeneinander angeordneten Sitzen und doppelten Steuerelementen. Das neue Modell wurde mit einem luftgekühlten Verbrennungsmotor ausgestattet, der eine höhere Leistung liefern konnte und der größeren Gesamtmasse angemessen war.

Der erste Prototyp der A104 wurde auch als „Helicar“ bezeichnet und wurde mit der Registrierung I-AGUM geflogen. Im Dezember 1960 absolvierte die Maschine ihren Erstflug und zeigte dabei gute Flugeigenschaften. Dennoch gab es im Markt für die allgemeine Luftfahrt, für den sie bestimmt war, kein großes Interesse an der Maschine.

Da es Agusta nicht gelang, Kaufverträge zu erzielen, die den Start der Serienproduktion gewährleistet hätten, beschloss das Unternehmen, eine neue Version zu entwickeln. Der Hubschrauber war mit einer neuen, selbst entwickelten Turbine ausgestattet. Die Turbine mit der Bezeichnung A270 lieferte eine Wellenleistung von 270 PS und garantierte eine bessere Leistung. Das Modell mit der Bezeichnung A104BT erzielte jedoch nicht den erhofften Erfolg, und Agusta stellte die Entwicklung ein.

Aufbau Der A104 war ein leichter Hubschrauber mit konventionellem Erscheinungsbild. Er übernahm die klassische „Pod & Boom“-Konfiguration des A103, eines einsitzigen Modells, aus dem er entwickelt wurde.

Das Cockpit war als „Blase“ im vorderen Teil des Modells angeordnet und bot Platz für den Piloten und einen Passagier. Aufgrund der Doppelsteuerung konnte statt eines Passagiers ein Flugschüler mitfliegen. Die Struktur wurde von einer Plexiglaskuppel mit seitlichen Öffnungen umschlossen und setzte sich nach hinten in einen Heckausleger fort. Am Ende befand sich der durch einen Schutzbügel geschützte zweiblättrige Heckrotor. Der Hauptrotor bestand aus einem Zweiblattpropeller, der durch eine Stabilisierungsstange ergänzt wurde. Das Fahrwerk bestand aus einem einfachen Paar röhrenförmiger Kufen. Der Antrieb erfolgte über einen Flugzeugmotor, der ungeschützt hinter dem Cockpit angeordnet war. Er war über ein Untersetzungsgetriebe mit dem Hauptrotor sowie über eine lange Antriebswelle, die rückseitig am Heckausleger verlief, mit dem Heckrotor verbunden.

Varianten A 104 „Helicar“ – Prototyp, erste Version, ausgestattet mit einem Agusta MV-GA140-Kolbenmotor, dessen Leistung auf 104 kW (140 PS) gedrosselt wurde. Es wurde nur ein einziges Exemplar gebaut. A 104BT – Prototyp, eine Weiterentwicklung des A104. Ausgestattet mit einer Agusta A.270-Turbine mit 200 kW (270 PS), von dem nur ein Exemplar gebaut wurde.

Verbleib mini|A104 im Museo Volandia (2019) Im Jahr 2010 begann die Restaurierung der A104 mit der Kennung I-AGUM in der dafür vorgesehenen Abteilung des Museo Volandia in Somma Lombardo in der Provinz Varese. Nach Abschluss der Restaurierung wird das Exemplar in der den Hubschrauber gewidmeten Halle der Öffentlichkeit präsentiert.

Technische Daten Kenngröße Daten Besatzung 1 Passagiere 1 Rumpflänge 6,35 m Höhe 2,35 m Rotordurchmesser 7,95 m Leermasse 380 kg Startmasse 640 kg Triebwerk 1 × luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor Agusta GA.140, 100 kW (140 PS) Höchstgeschwindigkeit 165 km/h Reisegeschwindigkeit 135 km/h Reichweite 330 km Flughöhe 3000 m Steigrate 4,1 m/s

Weblinks

A104 auf aviastar.org

Einzelnachweise

Kategorie:Hubschrauber Kategorie:Erstflug 1960