Le Buisson ardent (Der brennende Dornbusch) ist ein Triptychon von Nicolas Froment, einem Maler der Ecole d'Avignon, das im 15. Jahrhundert geschaffen wurde.
Geschichte Das Triptychon wurde 1476 vom König René, dem Grafen der Provence, für das Grab seiner inneren Organe in Auftrag gegeben. Das Kunstwerk stammt aus dem Karmeliterkloster von Aix-en-Provence, welches in der französischen Revolution verkauft und zerstört wurde. Es sollte den Altar der Klosterkirche schmücken. René I. wünschte, dass dort seine Überreste bestattet werden. Das Werk wurde 1808 in die Kathedrale Saint-Sauveur von Aix-en-Provence gebracht, wo es seit 2011 in der Kapelle des hl. Lazarus zu sehen ist. Das Altarbild, welches seit 1898 unter Denkmalschutz steht, wurde zwischen 2003 und 2010 restauriert.
Beschreibung
Dimensionen und Materialien Der Mittelteil misst 309 mal 215 cm; die Seitenflügel jeweils 312 mal 106 cm und 311 mal 111 cm. Das Altarbild wird von einem Baldachin überwölbt, der 81 mal 212 cm misst.
Die benutzten Materialien sind Pappelholz, Nussholz, Leinwand, Gips, Kohle, verschiedene Pigmente, Firnis, Blattgold, Blattsilber und Eisen. Die Technik umfasst eine Vorzeichnung und Ölfarben, die in mehreren Schichten aufgetragen wurden.
Außenseite (geschlossene Flügel) Auf den geschlossenen Flügeln ist eine Verkündigungsszene in Grisaille-Technik dargestellt, wo sich der Erzengel Gabriel und die Jungfrau Maria gegenüberstehen. Ihr Dialog ist auf zwei im Zentrum des Bildes gemalten Pergamenten zu lesen. Der Engel hält einen Olivenzweig mit zwölf Oliven.
Innenseite (geöffnete Flügel) Der linke Flügel zeigt den Auftraggeber des Kunstwerks, den knienden König René, der das Gewand der Domherren von Saint-Victor trägt, umgeben von seinen Schutzheiligen (Maria Magdalena, Antonius der Große und Mauritius von Anjou). Auf dem rechten Flügel ist die Königin Jeanne de Laval ebenfalls kniend und von ihren Schutzheiligen (Johannes, Katharina von Alexandrien und Nikolaus) umgeben dargestellt. Das Wappen von René I. schmückt den Stoff, der die Tische bedeckt, auf denen sich die Gebetbücher des Königs und der Königin befinden.
Das Mittelteil des Triptychons zeigt die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind inmitten vom brennenden Dornbusch, der auf einem Erdhügel wächst.
Ein Zitat aus dem Buch der Sprüche: „Denn wer mich gefunden hat, hat das Leben gefunden und Wohlgefallen erlangt beim Herrn.“ steht oben über dem Bildrand. Das Bild ist von einem gemalten, goldfarbenen Rahmen in Trompe-l'œil-Technik umgeben, in dem die zwölf Könige Israels in Form von Statuen abgebildet sind. Im unteren Bildrand erläutert eine Inschrift das Geschehen: „Im Busch, den Mose brennend gesehen hat, erkennen wir, heilige Mutter Gottes, Deine Jungfräulichkeit.“
Ikonographie Das Kunstwerk behandelt die göttliche Offenbarung, indem es Altes und Neues Testament miteinander verknüpft. Nach der biblischen Typologie nimmt das Alte Testament das Neue voraus.
Der Fels, auf dem der Busch mit den zwölf Stämmen wächst, ist ins Zentrum der Komposition gerückt. Eine Quelle entspringt am Fuße des Hügels. Die Jungfrau Maria, die das Jesuskind auf ihrem Schoß hält, sitzt in der Mitte der Blätter, die eine Krone bilden. Aus dieser Baumkrone entweichen Flammen, doch die Blätter bleiben grün. Das Jesuskind hält einen Spiegel, in dem sich sein Gesicht und das von Maria spiegeln.
Im Vordergrund rechts befindet sich der Hirte Moses, der Zeuge dieser Szene ist und sich seine Schuhe auszieht. Im Vordergrund links wendet ein Engel sich Moses zu. Zwischen diesen beiden Figuren sind eine Herde Schafe sowie ein Hund dargestellt. In der Schafherde befinden sich zwei schwarze Schafe und drei Schafböcke. Der Hund, der ein Halsband mit Krallen trägt, liegt neben Moses und sieht in die Richtung der Schafsherde.
Interpretation Alle Elemente des Gemäldes haben Symbolkraft: die Pflanzen, die Schafe, die Gesten der Figuren, das Medaillon, die Kleider, die aufgehende Sonne, der Fels, der Busch bis hin zu den verwendeten Farben.
Die Hauptszene bezieht sich auf eine Passage in der Bibel (Exodus 3:1-7). Gott erscheint Moses in einem Busch, der „im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde“. Der Busch, der brennt, aber nicht verbrennt, ist eine Allegorie der Jungfräulichkeit Mariens. Die Form des Blätterkranzes erinnert an die Dornenkrone, die Jesus bei seiner Kreuzigung tragen muss.
Am Fuß des Hügels, auf dem der Busch wächst, entspringt eine Quelle. Das Wasser, das derart aus dem Fels herausfließt, weist auf die spirituelle Quelle des Christentums hin. Es ist die Quelle des Lebens, an der die Schafe trinken.
Ganz unten in der Bildmitte befindet sich eine Schnecke. Die Spirale des Schneckenhauses lässt an das ewige Leben denken, die Schnecke ist ein Symbol der Auferstehung.
Ort der Ausstellung Das Werk, welches fast eine halbe Tonne wiegt, wurde Ende Januar 2011 nach den Restaurierungsarbeiten wieder in der Kathedrale von Aix-en-Provence untergebracht. Das Triptychon ist dort dem liturgischen Kalender entsprechend zu sehen: Die Flügel sind geöffnet von Ostersonntag bis zum Pfingstmontag, vom 21. Juni bis zu den Tagen des offenen Denkmals (3. Wochenende im September) und vom 1. Dezember bis zum 2. Sonntag im Januar. Außerhalb dieser Zeiten sind die Flügel geschlossen.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hund (Bildende Kunst) Kategorie:Schaf (Bildende Kunst) Kategorie:Gotische Malerei Kategorie:Wikipedia:Seite verwendet P18 Kategorie:Wikipedia:Seite verwendet P571 Kategorie:Triptychon Kategorie:Werk (15. Jahrhundert) Kategorie:Stoffe und Motive (Altes Testament) Kategorie:Werk über Moses Kategorie:Kunst (Provence-Alpes-Côte d’Azur) Kategorie:Kunstwerk der Renaissance Kategorie:Bildende Kunst der Renaissance Kategorie:Marienbildnis Kategorie:Exodus (Bibel) Kategorie:Feuer in der Religion