mini|Piazza di San Giovanni in Laterano (2010) vor der Neugestaltung 2024/25 zum Jubeljahr 2025 Die Piazza di San Giovanni in Laterano ist der Platz vor der päpstlichen Bischofskirche San Giovanni in Laterano im Stadtteil Celio in Rom. Sie ist Knoten mehrerer Hauptverbindungsstraßen und hat eine über zweitausendjährige Geschichte, die von römischer Militärnutzung über eine der frühesten päpstlichen Residenzen bis zur Zeit der päpstlichen Neuerrichtung reicht. Den Charakter der heutigen Piazza prägt der Lateranische Obelisk, der unter Papst Sixtus V. im 16. Jahrhundert hier aufgerichtet wurde, sowie eine seit kurzem abgeschlossene städtebauliche Neugestaltung anlässlich des Jubeljahres 2025.
Verkehrsanbindung Die Piazza di San Giovanni in Laterano wird von mehreren Straßen erschlossen. Nach Norden führt die Via Merulana auf den Platz, die die Verbindung mit der Piazza di Santa Maria Maggiore herstellt (bis 1871 hieß sie „Via Coroncina“). Von Westen her kommt die Via di San Giovanni in Laterano (im Volksmund „lo stradone di San Giovanni“ genannt), durch die der Platz mit der Piazza del Colosseo verbunden ist. Im Süden schließt die nach der Schlacht von Amba Aradam 1936 benannte Via dell’Amba Aradam an, die zum Piazzale Ipponio führt. Mit der Piazza di Porta San Giovanni bildet der Platz einen zusammenhängenden Freiraum entlang der Aurelianischen Mauer. Anliegend sind ferner die Via Amba Aradam, Viale Carlo Felice und Via Emanuele Filiberto, die z. B. bei dem Concerto del Primo Maggio verkehrsmäßig relevant sind.
Die Piazza ist über die Metrostation San Giovanni (Linien A und C der Metropolitana di Roma) am Piazzale Appio erreichbar. Die Metrostation der Linie A wurde am 16. Februar 1980 eröffnet, die der Linie C am 12. Mai 2018. Seit der Verlängerung der Linie C bis zum Kolosseum am 16. Dezember 2025 ist San Giovanni keine Endstation mehr. Mehrere Buslinien (u. a. 16, 51, 81, 85, 87) sowie die Straßenbahnlinie 3 bedienen das Areal der Piazza.
Geschichte Historische Entwicklung Antike Vorgeschichte des Areals mini|Domitia Lucilla die Jüngere, deren Villa unter dem heutigen Lateranplatz freigelegt wurde Das Gelände, auf dem sich heute die Piazza di San Giovanni in Laterano befindet, war in republikanischer Zeit als „Campus Martialis Caelimontanus“ bekannt und diente der militärisch-sportlichen Ausbildung. In der Kaiserzeit entstanden hier in der Nachbarschaft mehrerer Aquädukte (darunter die Aqua Claudia, welche den ganzen Hügel durchquerte) eine reiche Wohnbebauung aristokratischer Villen nebst Privatthermen. Hier hielten auch die Laterani, eine der vornehmsten Adelsfamilien Roms, ihren Landsitz. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete, dass der römische Konsul Plautius Lateranus wegen seiner Tätigkeit bei der Pisonischen Verschwörung 65 n. Chr. zum Tode verurteilt wurde und sein Vermögen sowie seine Besitzungen eingezogen wurden.
Unter Kaiser Septimius Severus entstanden Ende des zweiten Jahrhunderts auf dem Gelände die Castra Nova Equitum Singularium, die neue Kaserne der berittenen kaiserlichen Leibgarde. Ausgrabungen unter der Lateranbasilika zwischen 1934 und 1938 legten Reste eines großen Gebäudes aus julisch-claudischer Zeit frei, das im 2. Jahrhundert vollständig umgebaut worden war und über dem die Kasernenanlage errichtet wurde. Die Kaserne hatte eine annähernd trapezförmige Grundfläche und eine Gesamtlänge von fast 100 Metern. Bei Grabungen unter dem Platz in den 1960er Jahren wurde zudem ein Bauwerk aus der Zeit zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert n. Chr. freigelegt, das als Villa der Domitia Lucilla, der Mutter Mark Aurels, gedeutet wird.
Spätantike und Mittelalter Kaiser Konstantin löste nach seinem Sieg über Maxentius an der Milvischen Brücke die Truppe der Equites singulares Augusti auf und übergab das gesamte Gelände der Kirche. Im Jahr 313 berief Papst Miltiades eine Synode in einer Domus ecclesiae innerhalb des Hauses der Kaiserin Fausta ein und ließ sich mit seiner Kurie im kaiserlichen Palast nieder. Dieser Sitz wurde als Patriarchium zur ersten und ältesten päpstlichen Residenz Roms. Konstantin legte über der aufgelösten Kaserne den Grundstein für die Basilika, die er Papst Silvester I. (314–335) schenkte.
Hier entstand ein Gebäudekomplex, der Campus Lateranensis, von der jetzigen Basilika bis zur Scala Santa, ein Gewirr von Gassen, Höfen, Sälen, Kapellen und Speisesälen, in denen der Papst zur Feier der Gottesdienste den Klerus und Vertretungen des Volkes versammelte. Nach der Plünderung Roms durch Alarich I. (410) und weiteren Plünderungen durch die Vandalen (455) verödete das Gebiet zunehmend, die Zerstörung der Aquädukte durch den Gotenkönig Witichis im 6. Jahrhundert nahm dem Areal die Wasserversorgung. Im ersten Stockwerk des Patriarchiums lag zur jetzigen Piazza hin eine Loggia, von der Bonifatius VIII. 1300 das erste heilige Jahr ausrief.
Auf der Piazza di San Giovanni in Laterano stand mindestens seit dem 9. Jahrhundert das antike Reiterstandbild des Mark Aurel, das während des gesamten Mittelalters als Bildnis Kaiser Konstantins galt und seine Erhaltung wahrscheinlich diesem Irrtum verdankte. Es wurde erst 1538 auf den Kapitolsplatz, Piazza del Campidoglio, versetzt. Die päpstliche Residenz diente bis zum Beginn des Avignonesischen Exils im Jahr 1305 als Sitz der Päpste. Nach der Rückkehr Gregors XI. im Jahr 1377 bevorzugte dieser aufgrund des schlechten Zustands des Patriarchiums eine Residenz bei St. Peter.
Umgestaltung unter Sixtus V. mini|hochkant|Papst Sixtus V., in dessen Auftrag eine städtebauliche Neuordnung der Piazza erfolgte Die grundlegende städtebauliche Neuordnung der Piazza erfolgte unter Papst Sixtus V. (1585–1590), der den Architekten Domenico Fontana mit der Umgestaltung des gesamten Areals beauftragte. Diese Maßnahmen waren Teil eines weitreichenden urbanistischen Programms, das die großen Pilgerkirchen Roms über gerade Straßenachsen sternförmig miteinander verband und an deren symbolischen Endpunkten antike Obelisken aufstellen ließ. Fontana ließ die baufälligen Reste des alten Patriarchiums fast vollständig abreißen und errichtete an deren Stelle den heutigen Lateranpalast (1586–1589) sowie ein separates Gebäude für die Scala Santa und das Sancta Sanctorum. Am 3. August 1588 wurde der aus dem Circus Maximus geborgene ägyptische Obelisk als visueller Mittelpunkt der neuen Platzanlage aufgerichtet. Die Loggia delle Benedizioni, ebenfalls ein Werk Fontanas von 1586, ist zweigeschossig und wird von zwei gleichartigen, mit Dreifachfenstern gegliederten Glockentürmen aus dem 13. Jahrhundert mit Turmspitzen von 1370 bekrönt.
Von der Bausubstanz des Speisesaals Papst Leos III. ist auf Befehl Sixtus’ V. nur die mit Mosaiken verzierte Apsis, das sogenannte Triclinium Leoninum (Leoninisches Triklinium) erhalten geblieben. Diese isoliert auf dem Platz stehende Ruine wurde 1743 vom Architekten Ferdinando Fuga im Auftrag Papst Benedikts XIV. gründlich restauriert.
Jüngere Geschichte Sprengstoffanschlag 1993 mini|Die Piazza nach dem Sprengstoffanschlag 1993 In der Nacht vom 27. auf 28. Juli 1993, um 00.04 Uhr, explodierte eine in einem Fiat Uno platzierte Autobombe vor der Basilika San Giovanni in Laterano, in nächster Nähe des Lateranpalastes und des Querschiffs. Die Detonation verletzte viele Personen und richtete schwere Schäden an der Basilika, dem Palazzo del Vicariato, dem Baptisterium, der Kapitelkanonie, an Gebäuden der Lateranuniversität wie auch am Ospedale San Giovanni-Addolorata an. Um 00.08 Uhr explodierte eine zweite Autobombe vor der Kirche San Giorgio in Velabro. Bei beiden Anschlägen wurden insgesamt 22 Personen verletzt. Am Vortag war in der Via Palestro zu Mailand eine Autobombe explodiert, die fünf Tote gefordert hatte. Die Anschläge wurden der sizilianischen Mafia zugeschrieben und als Mittel einer Strategie der Destabilisierung demokratischer Institutionen qualifiziert.
Archäologische Funde 2024 Im Verlauf der Bauarbeiten zur Neugestaltung der Piazza, die im April 2024 begannen und auf das Jubeljahr 2025 vorbereiten sollen, wurden unter der Leitung der Soprintendenza Speciale Archeologia Belle Arti e Paesaggio di Roma (SSABAP) bedeutende archäologische Befunde freigelegt. In der östlichen Hälfte des Grabungsareals traten große Mauerreste zutage, die sich nach verschiedenen Bautechniken in das 9. bis 13. Jahrhundert datieren lassen und als Verteidigungsmauer oder Substruktion des mittelalterlichen Patriarchiums gedeutet werden. Des Weiteren wurden in Opus reticulatum eine Mauer aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis 1. Jahrhundert n. Chr. und Fundamente aus severischer Zeit (3. Jahrhundert), in Opus latericium zwei parallele Mauern in mehr als 3,50 Metern Tiefe als mutmaßliche Teile einer unterirdischen Anlage sowie in Opus listatum ein Mauerzug aus dem 4. bis 7. Jahrhundert dokumentiert. Die severischen Fundamente werden mit den unter der Basilika schon nachgewiesenen Castra Nova Equitum Singularium in Verbindung gebracht. Die Soprintendenza bezeichnete die Funde als „von ausgesprochenem Interesse für die mittelalterliche Geschichte Roms“, da im Laufe der Neuzeit hier nie eine systematische archäologische Untersuchung des Platzes stattgefunden hatte.
Neugestaltung 2024/25 Unter Bürgermeister Roberto Gualtieri wurde die gesamte Neugestaltung der Piazza durchgeführt, finanziert aus Jubelmitteln von insgesamt 15 Millionen Euro. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Oneworks, mit der Ausführung wurde das Dipartimento Infrastrutture e Lavori Pubblici (Dilp) von Roma Capitale beauftragt.
Die neue Pflasterung knüpft an den bunten Cosmati-Pflasterungen im Inneren der Basilika an. Sie wurde mit römischen Steinen in Grau (Sanpietrini), Schwarz (Basaltina) und in drei verschiedenen hellen Tönen (Travertin) ausgeführt. Von der Fläche ziehen sich zwölf ebenerdige Brunnen mit Wasserspielen und Vernebelungseinrichtungen hindurch, die der Minderung städtischer Hitzeinseln dienen und das Mikroklima verbessern helfen sollen. Sie sind mit energiesparender Beleuchtung versehen, die nachts die Spiegelung der Basilikafassade akzentuiert. Auch Grünflächen mit Beregnungsanlagen sind Teil der Neugestaltung. Am 28. Dezember 2024 wurde der Platz teilweise eröffnet, die vollständige Fertigstellung erfolgte am 27. März 2025.
Lateranischer Obelisk mini|hochkant|Lateranischer Obelisk auf der Piazza aus südlicher Richtung
In der Mitte der Piazza di San Giovanni in Laterano steht der Lateranische Obelisk (Obelisco Lateranense), der welthöchste noch aufrecht stehende antike ägyptische Obelisk. Er ist aus Rosengranit aus der Region um Assuan und hat eine Höhe von 32,18 Meter (mit Sockel und Kreuz 45,70 Meter). Die auf dem Schaft eingravierten Hieroglyphen datieren ihn in die Herrschaft Thutmosis’ III. (1504–1450 v. Chr.) und berichten von seiner Aufstellung am Tempel des Amun-Re in Karnak, wo er als Einzelobelisk gestanden hat. Unter seinem Enkel Thutmosis IV. wurde er vollendet und feierlich aufgerichtet.
Um 330 ließ Kaiser Konstantin den Obelisken über den Nil nach Alexandria transportieren. Das ursprüngliche Ziel war Konstantinopel. Nach Konstantins Tod im Jahr 337 lenkte sein Sohn Constantius II. den Transport nach Rom um und ließ dafür ein Schiff von außergewöhnlicher Größe mit 300 Ruderern bauen. Im Jahr 357 n. Chr. wurde der Obelisk auf der Spina des Circus Maximus aufgestellt, wobei an seiner Spitze eine mit Gold überzogene Bronzefackel angebracht wurde. Die lateinische Inschrift auf dem damaligen Sockel, der später abgetragen wurde, ist durch Michele Mercati (1541–1593) überliefert.