Edward („Ed“) Robert Garrett (* 1920 in New York City; † 1993 in Gainesville, Florida, USA) war ein US-amerikanischer pharmazeutischer Wissenschaftler und Professor an der University of Florida. Er gilt als einer der frühen Wegbereiter der modernen Pharmakokinetik.

Werdegang Garrett schloss sein PreMed-Studium mit Hauptfach Chemie an der Michigan State University (MSU) 1941 mit dem Bachelor of Science ab. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er als Chemieingenieur in der TNT-Produktion bei Keystone Ordnance Works in Meadville (Pennsylvania), in der Kautschuk-Fertigung bei der General Tire & Rubber Company im texanischen Baytown und als stellvertretender Werksleiter in einem schwerchemischen Unternehmen. 1946 kehrte er an die MSU zurück und erwarb 1948 den Master of Science und 1950 den Doctor of Philosophy (Ph.D.) mit den Hauptfächern Physikalische Organische Chemie, Mathematik und Physik.

Ebenfalls 1950 trat er als Senior Research Scientist beim Pharmaunternehmen Upjohn in Kalamazoo ein, wo er bis 1961 wirkte. Er befasste sich mit den physikalisch-chemischen Grundlagen der Arzneimittelstabilität und entwickelte Methoden zur Bewertung und Vorhersage der Haltbarkeit (vgl. Haltbarkeitstests). Ab Mitte der 1950er Jahre etablierte Garrett die Durchführung pharmakokinetischer Studien und modellierte die Prozesse mit Hilfe von Analogcomputern.

Im Jahr 1961 nahm Garrett den Ruf als Graduate Research Professor am College of Pharmacy der University of Florida in Gainesville an. Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit war die quantitative und mathematische Beschreibung der Vorgänge um die Aufnahme, Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung („[L]ADME“) von Arzneistoffen, die er maßgeblich mitgestaltete. Die praktische Bedeutung liegt in der Ermittlung von Dosis und Dosierungsintervallen und in der Abschätzung von Exposition und potenzieller Toxizität von Wirkstoffen. Ebenso befasste er sich mit der Biopharmazie, also dem Zusammenhang zwischen Arzneiform, Wirkstofffreisetzung, Resorption und Bioverfügbarkeit. 1989 gab er die Professorenstelle krankheitsbedingt auf. Garrett hatte ferner Gastprofessuren an der Universität von Wisconsin (1958) und an der Universität Buenos Aires (1965) inne.

Er starb 1993 in Gainsville.

Wissenschaftliches Werk Garretts Arbeiten zählen als grundlegend für die Biopharmazie und die Pharmakokinetik; er gilt als einer der „Großväter der Pharmakokinetik“. Die University of Florida würdigte Garrett noch 2009 als bedeutenden Forscher und hob seine Untersuchungen zur Arzneistoffwirkung, zum Metabolismus, zur Arzneimittelstabilität, zur Pharmakokinetik und zur Toxikokinetik von Drogen hervor.Michael McKenzie: Historical Perspectives on Research. UF College of Pharmacy, 7th Symposium New Developments in Clinical Pharmacy and Clinical Pharmacology, Juli 2009 (pdf). Garrett betreute über 100 Doktoranden und Postdoktoranden, darunter auch der deutsch-US-amerikanische Pharmazeut Hartmut Derendorf.

Publikationen

Weitere Publikationen auf PubMed: Garrett ER

Auszeichnungen und Ehrungen 1959: Upjohn-Preis 1962: Ebert-Preis der American Pharmacists Association (APhA) für Publikationen im Journal of Pharmaceutical Sciences 1963, 1969: Research Achievement Awards der APhA 1974: Ehrendoktor der Naturwissenschaften, Michigan State University 1976: Industrial Pharmaceutical Technology Award 1979: Ehrendoktor der Naturwissenschaften, Freie Universität Berlin 1980: Volwiler-Preis der American Association of Colleges of Pharmacy (AACP) für herausragende Leistungen in den pharmazeutischen Wissenschaften 1981: Stimulation of Research Award 1989: Ehrendoktor, Medizinische Universität Posen 1990: Preis für herausragende Forschungsleistungen der American Association of Pharmaceutical Scientists, AAPS

Einzelnachweise

Kategorie:Hochschullehrer (University of Florida) Kategorie:Absolvent der University of Michigan Kategorie:Pharmakologe Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 1993 Kategorie:Mann