Die Kapelle St. Laurentius (auch Hürbelsbacher Kapelle) ist ein geschütztes Kulturdenkmal bei Donzdorf im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg. Das im Ursprung mittelalterliche Kirchengebäude liegt am Rande des Marrenwaldes. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war es die Pfarrkirche der damals eigenständigen Pfarrei Hürbelsbach.
Geschichte Die Ursprünge der Siedlung Hürbelsbach (historisch Hurwunsbach oder Hurwinesbach) reichen bis in das 8. Jahrhundert zurück. Sie ist nach dem gleichnamigen Bach benannt, der im Marren entspringt, und dessen Name so viel wie „schmutziger Bach“ bedeutet, was sich auf stark eisenhaltige Ablagerungen bezieht. Am 8. Februar 915 schenkte die ostfränkische Königin Kunigunde ihren Besitz in Hürbelsbach dem Reichskloster Lorsch.
Zwischen 1143 und 1275 begründete das Kloster Anhausen die Pfarrei Hürbelsbach und verlieh ihr das Patrozinium des heiligen Laurentius. Die entsprechenden Klostergüter sind als Praedium Hurwinesbach in der Stiftungsurkunde von Anhausen aufgeführt. Im Jahr 1275 wurde die Pfarrei zudem im Liber decimationis, einer Steuerliste der Diözese Konstanz, urkundlich erwähnt. mini|Originalgetreues Replikat des Vortragekreuzes in der Alten Marienkirche in Süßen In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Pfarrei, weshalb die Pfarrstelle wiederholt unbesetzt blieb. Ab 1465 wurde Hürbelsbach von Süßen verwaltet und im Jahr 1493 die Pfarrei schließlich vollständig nach Kleinsüßen (heute zu Süßen) verlegt. Bedeutende Teile der Inneneinrichtung, darunter ein bis heute erhaltenes Vortragekreuz aus der Stauferzeit, wurden in die Süßener Marienkapelle verbracht.
Nach der Verlegung der Pfarrei wurde die Kapelle in Hürbelsbach neu ausgestattet. In diesem Zeitraum entstand ein Hauptaltar von Bartholomäus Zeitblom (um 1490). Im Jahr 1496 wurde zudem Ulrich II. von Rechberg in der Kapelle bestattet.
Spätestens seit 1569 gehört die Kapelle zur Donzdorfer Pfarrei St. Martinus. In der Folgezeit entwickelte sie sich zu einer lokalen Wallfahrtsstätte.
Architektur und Ausstattung Der älteste erhaltene Bauteil der Kapelle ist der kreuzgewölbte Chor, der im spätgotischen Stil errichtet wurde. Das ursprüngliche Langhaus wurde im 19. Jahrhundert abgetragen und im Jahr 1881 durch einen neogotischen Neubau ersetzt. Auf dem Satteldach sitzt ein kleiner Dachreiter. Die im Jahr 1493 vom Esslinger Gießer Pantlion Sydler gegossene Laurentius-Glocke zersprang im Laufe der Jahrhunderte und wurde im Jahr 1749 von den Ulmer Gießern Korn und Frauenlob neu gegossen. mini|Die Kapelle St. Laurentius (Aufnahme 2013) Im Innenraum befinden sich vier neogotische Wandbilder aus dem Jahr 1885 von Ludwig Traub, die Szenen aus dem Leben des heiligen Laurentius zeigen. Das Zentrum des heutigen Flügelaltars bildet eine Pietà, die 1729 erstmals belegt ist und im Barock als bekleidetes Gnadenbild diente. Die heutigen hölzernen Altarflügel zeigen Kopien spätgotischer Meisterwerke, deren Originale wohl aus der Georgskapelle im benachbarten Unterweckerstell stammen. Über dem Altar befindet sich eine barocke Kreuzgruppe mit Maria und Johannes dem Täufer. Im Kirchenschiff stehen zudem Holzfiguren der Heiligen Wendelin, Rochus, Patrizius und Laurentius. mini|hochkant|Bartholomäus Zeitblom: Die Heiligen Laurentius und Wolfgang (mit dem Modell der Hürbelsbacher Kapelle), Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, um 1490 Verbleib des spätgotischen Zeitblom-Altars Der ursprüngliche, doppelwandig bemalte Hauptaltar von Bartholomäus Zeitblom wurde im 19. Jahrhundert demontiert, die Flügelplatten der Länge nach gespalten und über den Kunsthandel veräußert. Die Einzelteile sind heute auf zwei bedeutende Sammlungen aufgeteilt:
Die Außenseiten der Tafeln zeigen den heiligen Laurentius gemeinsam mit dem heiligen Wolfgang (der ein detailgetreues zeitgenössisches Modell der Hürbelsbacher Kapelle in den Händen trägt, Inv. 42) sowie das Gegenstück mit den Heiligen Sebastian und Georg (Inv. 43). Sie befinden sich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Die Innentafeln zeigen die Heimsuchung Marias bei Elisabeth sowie die Heiligen Maria Magdalena und Ursula. Sie befinden sich heute in der Sammlung Würth in Schwäbisch Hall.
Weblinks
Die Laurentius-Kapelle in Hürbelsbach auf der Website der Seelsorgeeinheit Lautertal Hürbelsbach - Wohnplatz im landeskundlichen Informationssystem LEO-BW St. Laurentius-Kapelle Hürbelsbach auf schwaebischealb.de
Einzelnachweise Hürbelsbach - Wohnplatz im landeskundlichen Informationssystem LEO-BW
Christoph Friedrich von Stälin: Beschreibung des Oberamts Geislingen. J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1842, Seite 184.
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