Der Purpurkehlorganist (Euphonia chlorotica, Syn.: Tanagra chlorotica) ist eine Vogelart aus der Familie der Finken (Fringillidae), die in Kolumbien, in Venezuela, in Guyana, in Suriname, in Französisch-Guayana, in Ecuador, in Peru, in Bolivien, in Brasilien, in Paraguay, in Uruguay und in Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale mini|links|Purpurkehlorganist ♀ Der Purpurkehlorganist erreicht eine Körperlänge von 9,0 bis 10,0 cm bei einem Gewicht von 8,0 bis 14,3 g. Es ist eine kleine Organisten-Art mit kurzem kräftigem Schnabel. Beim Männchen leuchtet der vordere Oberkopf bis zum Oberkopf gelb. Diese Färbung reicht bis knapp über den hinteren Augenrand. Der übrige Kopf und die gesamte Oberseite, einschließlich der Flügeldecken, sind glänzend blauschwarz und bei gutem Licht mit deutlichem purpurnen bis leicht violetten Schimmer. Die Oberseite des Schwanzes ist schwärzlich, die Schwungfedern schwarz mit dunkelblauen Rändern und dunkel blauem Schimmer. Das Kinn und der Vorderhals glänzt blauschwarz, die Unterseite leuchtet gelb. Die Unterflügeldecken sind weiß, die basale Hälfte der Innenfahne der Schwungfedern sind ebenfalls weiß. Die Unterseite des Schwanzes wirkt matter als die Oberseite, wobei die Innenfahnen der zwei bis drei äußersten Federpaare weiß sind. Das führt auf jeder Seite der Schwanzunterseite dazu, dass sich großes weißes Oval bildet. Die Iris ist dunkel braun, der Schnabel blaugrau mit schwärzlicher Spitze und die Beine dunkel grau. Das Weibchen ist auf der Oberseite olivfarben mit einem schwachen Graustich. An der Basis des vorderen Oberkopf ist die Färbung gelblicher, die Zügel sind dunkel. Die Kehle und die Unterseite sind olivgelb, der mittlerer unterer Brustbereich bis zum Bauch weißlich mit blassem aschgrauen Zentrum des Bauches. Das junge Männchen ähnelt dem Weibchen, ist jedoch auf der Unterseite überwiegend olivgelb. Beim halbwüchsigen Männchen erscheint Schwarz zuerst im Gesicht, bisweilen auch als schwarze Fleckung an der Kehle und der Unterseite.Steven Leon Hilty (2020)

Lautäußerungen Der typische Ruf des Purpurkehlorganists ist ein hoher, klarer, gepfiffener tiii, diii-Laut, der oft auf 3 bis 4 Töne verlängert wird, beispielsweise als tiii, diii, diii, oder gelegentlich nur aus einem einzelnen tiii besteht. Die Töne liegen alle auf derselben Tonhöhe, oder der erste Ton ist etwas tiefer als die übrigen. Im Wesentlichen klingt das identisch wie die Rufe des Trinidadorganists (Euphonia trinitatis , 1851). Bei Erregung werden 1 bis 4 ansteigende, gepfiffene whit!-Laute ausgestoßen. Der selten zu hörende Gesang ist eine wirre Abfolge von Quietschlauten, rauen Tönen und Pfiffen. Auch ein raues Rattern wurde beschrieben.

Fortpflanzung Ein in Paraguay gefundenes Nest des Purpurkehlorganists war ein kugelförmiges, gewölbtes Gebilde mit einem kleinen, kreisrunden Seiteneingang. Dieses ähnelt den Nestern anderer Arten dieser Gattung. Das Nest bestand hauptsächlich aus Fasern und trockenen Blättern, war mit feineren Fasern ausgekleidet und befand sich hoch oben in der Krone eines hohen Baumes, eingebettet zwischen vier senkrechten Zweigen. Eier aus Gefangenschaft waren gräulich weiß und mit rotbraunen sowie grauen Flecken gezeichnet. Das Weibchen übernahm das Brüten und es dauerte ca. 15 Tage bis die Nestlinge schlüpften. Beide Altvögel fütterten die Jungen durch Hochwürgen der Nahrung.

Verhalten und Ernährung Der Purpurkehlorganist ernährt sich von Mistelbeeren der Familie Loranthaceae, sowie eine große Vielfalt anderer kleiner Früchte, darunter solche von Ameisenbäumen, Annona, Feigen und Rhipsalis. Ebenso gehören einige Insekten zu seiner Nahrung. Der Mageninhalt von zehn untersuchten Individuen bestand aus pflanzlichem Material, darunter sowohl Früchte als auch Samen. Er tritt meist paarweise oder in kleinen Familiengruppen auf, seltener in größeren Verbänden. Dabei schließt er sich regelmäßig und besonders im Amazonasgebiet anderen Organistenarten an. Auch bewegt er sich häufig in gemischten Vogelschwärmen. Die Nahrungssuche erfolgt meist hoch in den Baumkronen, wobei die Vögel an Waldrändern auch etwas tiefer herabkommen können. Wie viele verwandte Arten ernährt sich der Vogel vorwiegend von Mistelbeeren und hält sich oft längere Zeit in Mistelbüscheln hoch im Kronendach auf. Zudem sucht er Baumäste nach Insekten ab. In einigen Gebieten wird ein weiträumiges Umherstreifen vermutet.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Purpurkehlorganists (grün) Der Purpurkehlorganist ist im Amazonasbecken vorwiegend an Waldrändern sowie in der Vegetation an Flussufern und auf jungen Flussinseln anzutreffen und außerdem auf Lichtungen mit vereinzelten hohen Bäumen. Selten sieht man ihn im Kronenbereich des Waldes. Andernorts ist er in trockenen bis feuchten Regionen in offenen Wäldern, Galeriewäldern, an Waldrändern, in Mangroven, Sekundärvegetation, Buschwald, auf Weiden mit Baumbestand, in Parks und Gärten sowie im Buschland von Caatinga und Gran Chaco präsent. Er kommt vorwiegend außerhalb von Wäldern oder an Waldrändern vor, nicht im Waldinneren. Im Osten Brasiliens kommt er in lichten, niedrigen Wäldern, Cerrado, Caatinga und Palmenhainen vor, im Südosten Brasiliens auch in Bergwäldern. Er bewegt sich im Süden Venezuelas in Höhenlagen vom Tiefland bis ca. 900 Meter. Im Osten Kolumbiens ist er bis ca. 500 Meter unterwegs. Aus Ecuador werden Vorkommen in Höhenlagen von ca. 650 bis 1100 Meter berichtet, im Osten Perus bis 2000 Meter. In Brasilien kommt er hauptsächlich im Tiefland, jedoch auch in höheren Lagen der Küstengebirge im Südosten vor.

Unterarten Es sind folgende Unterarten anerkannt: Euphonia chlorotica cynophora (, 1918)Harry Church Oberholser (1918), S. 317. ist vom tropischen nordöstlichen Kolumbien bis ins südliche Venezuela und dem nördlichsten Teil Brasiliens im Norden des Bundesstaates Roraima verbreitet. Die Männchen dieser Unterart weist auf der Oberseite und an der Kehlpartie einen kräftigen violetten Glanz auf. Das Gelb des Oberkopfes ist etwas ausgedehnter als bei der Nominatform, die Unterseite etwas satter gelb. Das Weibchen hat eine einheitlich olivgelbe Unterseite. Euphonia chlorotica chlorotica (, 1766)Carl von Linné (1766), S. 317. kommt in den Guyanas über das nordöstliche Brasilien vor. In Brasilien zieht sich das Verbreitungsgebiet über das östliche und südliche Amapá, südlich des Amazonas vom Rio Tapajós östlich über das nördliche Mato Grosso, Goiás und Minas Gerais bis Bahia und Espírito Santo. Euphonia chlorotica amazonica , 1969Kenneth Carroll Parkes (1918), S. 18–19. ist im Amazonasgebiet Brasiliens an beiden Ufern des Amazonas östlich vom südöstlichen Kolumbien und dem nordöstlichsten Teil Perus bis ins nördliche zentrale Brasilien am Rio Tapajós bei Santarém verbreitet. Diese Unterart ähnelt E. c. taczanowskii weist jedoch kürzere Flügel sowie einen kürzeren, schmaleren und schlankeren Schnabel auf. Zudem ist das Weibchen am vorderen Oberkopf, den Zügeln und den Flanken eher grünlich gelb gefärbt, wobei das Gelb des vorderen Oberkopfes deutlich weniger scharf abgegrenzt ist. Euphonia chlorotica taczanowskii , 1886Philip Lutley Sclater (1886), S. 65. ist im südöstlichen Ecuador, im östlichen Peru und dem nördlichen Bolivien verbreitet. Die Männchen dieser Subspezies ist auf der Oberseite etwas stärker violett getönt, der vordere Oberkopf ist heller gelb und endet über dem Auge, die Unterseite hat eine heller gelbe Färbung. Euphonia chlorotica serrirostris & , 1837Alcide Dessalines d’Orbigny (1837) u. a., S. 30.Zur Publikationsgeschichte siehe Edward Clive Dickinson u. a. (2018a) S. 116–119, Edward Clive Dickinson u. a. (2018b) S. 280 kommt im südöstlichen Bolivien über das östliche Paraguay, Uruguay, das südöstliche Brasilien bis ins nördliche Argentinien vor. Dieser Subspezies ähnelt der Nominatform, doch endet der gelbe Oberkopffleck des Männchens oberhalb und nicht hinter dem Auge.

Euphonia aurea pileata , 1912Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1912), S. 1014 &1124. wird heute als Synonym zu E. c. cynophora betrachtet, Acroleptes violaceicollis , 1865Jean Louis Cabanis (1865), S. 409. als Synonym zu E. c. serrirostris.

Migration Der Purpurkehlorganist gilt als Standvogel. Es wurden saisonale Wanderungen in trockene Andentäler Perus bzw. aus Espírito Santo gemeldet. Gewisse saisonale Wanderbewegungen gibt es wahrscheinlich in allen Verbreitungsgebieten.

Etymologie und Forschungsgeschichte mini|links|Euphonia chlorotica serrirostris illustriert von Édouard Traviès Die Erstbeschreibung des Purpurkehlorganisten erfolgte 1766 durch Carl von Linné unter dem wissenschaftlichen Namen Tanagra chlorotica. Als Verbreitungsgebiet nannte er Cayenne. 1805 führte Anselme Gaëtan Desmarest die neue Gattung Euphonia für den Weißbauchorganist (Euphonia minuta , 1849) (Synonym Euphonia olivacea) ein.Anselme Gaëtan Desmarest (1805), S. 975 Dieses Wort leitet sich aus und ab.Euphonia in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname chlorotica hat seinen Ursprung in .chlorotica in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Taczanowskii ist Władysław Taczanowski (1819–1890) gewidmet. Cynophora leitet sich von und abcynophora in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, serrirostris von und serrirostris in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, pileata von pileata The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling. und violaceicollis von und .violaceicollis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling. Amazonica bezieht sich auf das Amazonasbecken Brasiliens. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay sechs Bälge, gesammelt in Michael Mathias Kiefer (1902–1980) in Zanja Moroti und in San Luis de la Sierra im Bergland des Río Apa sowie in Puerto Sastre im Gran Chaco, zur Verfügung. Laubmann sah in Tanagra chlorotica serrirostris die Unterart für Paraguay. In der Literatur betrachtete er in SapucaiCharles Chubb (1910), S. 621 durch Charles Chubb, in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) gesammelten Exemplar aus LambaréHans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1887), S. 6., das durch Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch beschrieben wurde, in WaikthlatingmayalwaJohn Graham Kerr (1901), S. 223. durch John Graham Kerr, in Curuzú bei Palma ChicaClaude Henry Baxter Grant (1911), S. 92. im Departamento Boquerón durch Claude Henry Baxter Grant, in Villarica von Félix Posner gesammeltRoberto Dabbene (1912), S. 350 und durch Roberto Dabbene beschieben, in TrinidadElsie Margaret Binger Naumburg (1930), S. 368 durch Elsie Naumburg, in CambyretáCarl Eduard Hellmayr (1936), S. 40–43. durch Carl Eduard Hellmayr und in Asunción und im Departamento Alto ParanáArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 62. sowie in Monte SociedadArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 254. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni jede Menge Nachweise für das Land. Zusätzlich erwähnte Laubmann Lindo azul y oroFélix de Azara (1802), S. 393–396. von Félix de Azara.Alfred Laubmann (1940), S. 155–156.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Finken