mini|hochkant=1.253|Haus des Handwerks (2019) Das Haus des Handwerks ist ein ehemaliges Druckereigebäude im Leipziger Ortsteil Zentrum-Ost und seit 1996 Sitz der Handwerkskammer zu Leipzig. Es steht zusammen mit Vorgarten und Einfriedung unter Denkmalschutz.
Lage und Gestalt Das Haus des Handwerks liegt im Graphischen Viertel mit der Adresse Dresdner Straße 11/13. Ein etwa acht Meter breiter Vorgarten mit Eisenzaun trennt es von der Straße. Es erstreckt sich noch um die Ecke in die Scherlstraße. Nicht zum Haus des Handwerks gehört die ehemalige Fortsetzung des Druckhauses in der Scherlstraße 1.
Der Hauptteil des Gebäudes ist ein fünfgeschossiger Stahlbetonbau mit zwölf breiten Fensterachsen zur Dresdner Straße und drei zur Scherlstraße. Er ist durch einen Mittel- und zwei Seitenrisalite gegliedert, die jeweils Zwerchhäuser tragen. Die Ecke zur Scherlstraße ist eine gebrochene und hat einen turmartigen Aufbau mit Balustrade. Das Dach weist Giebelgauben auf.
Das im ReformstilWolfgang Hocquél, S. 229 gestaltete Gebäude besitzt eine helle Betonwerksteinfassade mit zahlreichen Text- und zum Großteil plastischen Bilddarstellungen. Das reicht vom Firmennamen und Köpfen bekannter Personen wie Gutenberg und Beethoven für den Buch- und den Notendruck, über ornamentale Jugendstilmotive bis zu fünf Reliefdarstellungen von Tätigkeiten aus dem grafischen Gewerbe. Insgesamt sind es 34 verschiedene Einzelelemente.Bilderbuch Leipziger Polygraphiegeschichte
Zwischen dem Hauptbau und der Scherlstraße 1 steht noch ein zusammen mit dem Hauptbau unter Denkmalschutz stehender zweigeschossiger Bauteil des ehemaligen Druckhauses mit acht schmalen Fensterachsen in einer Klinkerfassade.
Geschichte 1880 übernahm Öscar Brandstetter (1846–1915) in Leipzig einen Verlag für Buch- und Notendruck, den er intensiv erweiterte. Um die Jahrhundertwende wurde ein neues Druckhaus erforderlich. Als Architekt wurde Curt Nebel (1843–1917) beauftragt. Nebel errichtete nicht nur das Gebäude, sondern entwarf auch den zahlreichen Bauschmuck der Fassade.
Auf dem vorgesehenen Grundstück betrieb ab 1847 Johann Christian Hanisch die Gaststätte „Zum Bienenkorb“, die später eine Konditorei wurde und schließlich dem Druckhaus weichen musste. Darauf nahm Nebel in einem seiner Jugendstilmotive an der Fassade Bezug, indem er einen Bienenkorb einarbeitete.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude teilweise beschädigt. Nach dem Krieg wurde der Betrieb enteignet und Maschinen zu Reparationsleistungen zum Teil demontiert. Dennoch wurde das Gebäude durch verschiedene volkseigene Druckereien weiter genutzt, zuletzt durch den VEB Interdruck Leipzig.
1995 erwarb die Handelskammer zu Leipzig das Haus, das 1995/1996 umfassend saniert wurde. Dabei hat der Berliner Bildhauer Gerhard Thieme (1928–2018) verlorene Details der Fassade originalgetreu nachgearbeitet.Wolfgang Hocquél, S. 230 Im Zuge der Sanierung entstand auch der nunmehrige Haupteingang von der Dresdner Straße. Im September 1996 zog die Handwerkskammer ein. 1997 wurde im ehemaligen Papierlager im Souterrain mit dem Eingang an der Ecke die Gaststätte „Zunftkeller“ eröffnet.
Literatur Wolfgang Hocquél: Haus des Handwerks. Ein Kulturdenkmal von Rang mit neuer Nutzung. In: Leipziger Blätter. 29 (1996), , S. 57–60. Haus des Handwerks. In:
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