Ninetet (Yoshi’s) 1997 Vol. 3 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die am 21. August 1997 live im Jazzclub Yoshi’s in Oakland (Kalifornien) entstandenen Aufnahmen erschienen 2005 auf Leo Records.
Hintergrund Im August 1997 trat Braxtons Ninetet im historischen Jazzclub Yoshi’s in Oakland, Kalifornien, auf. Dort residierte es sechs Tage in Folge, spielte jeden Abend zwei Sets von jeweils knapp einer Stunde und widmete sich dabei zwölf damals unveröffentlichten Kompositionen des Bandleaders – Nr. 207 bis Nr. 218.
Der dritte von Leo veröffentlichte Band, der auf den Aufnahmen dieser Woche basiert, enthält das gesamte Konzert vom 21. August: die Interpretationen von „Composition No. 211“ und von „Composition No. 212“ mit jeweils 55 Minuten Länge.
Titelliste Anthony Braxton: Ninetet (Yoshi’s) 1997 Vol. 3 (Leo Records – CD LR 420/421) Composition No. 211 55:28 Composition No. 212 55:33
Die Kompositionen stammen von Anthony Braxton.
Rezeption mini|Anthony Braxton au dem International Jazz Festival, Prag 1984 François Couture verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, dank der Vielfalt an Arrangements in einem relativ praktikablen Format würde sich das Ninetet angesichts dieser Aufnahmen zu Braxtons ultimativer Gruppe aus der Ära der Ghost Trance Music (GTM) entwickeln. Die wechselnde Triple-Trio-Besetzung, die hohe musikalische Qualität und die Kreativität, die sich von „Composition No. 207“ bis „Composition No. 218“ entfalten würde, machten diese Reihe zu einem der wichtigsten Dokumente von GTM. Wie schon am Vorabend liege der auffälligste Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Stück in Kevin Nortons Rolle. In „Composition No. 211“ würde er ausschließlich Marimba und Vibraphon spielen, während er in „Composition No. 212“ hauptsächlich am Schlagzeug sitze. Das erste Stück sei das stärkere der beiden. Braxton, Brandon Evans und J.D. Parran bildeten zeitweise ein Flötentrio, das, zusammen mit Nortons Vibraphon, die Zuhörer in ungewöhnlich samtige Klangwelten entführe. Der Puls sei wunderbar beständig und erzeuge eine starke hypnotische Wirkung. Die Musik würde eine Komplexität und Souveränität erreichen – vermutlich auch eine Leichtigkeit –, die die vorherigen Abende nur andeuteten. „Composition No. 212“ sei etwas weniger beeindruckend, vor allem weil es dem Bläserensemble an einigen Schlüsselstellen etwas an Zusammenspiel mangle. Es enthalte aber auch ein feines Basssaxophon-Solo J.D. Parrans, einige der kühnsten Abweichungen von der Hauptpartitur der Reihe und ein sanftes Finale (eine willkommene Abwechslung zur üblichen GTM-Praxis, die darin bestehe, mitten in einem Staccato-Tutti abrupt abzubrechen). Erwähnenswert seien auch die Qualität und der Unterhaltungswert von Steve Days Hörtagebuch – eine hervorragende, schnörkellose Kontextualisierung von Braxtons Musik.
Man könnte mit einer einfachen Gleichung beginnen: Das vom Nonett im „Yoshi’s“ aufgenommene Material verhalte sich zum Braxton der 1990er Jahre wie die drei Alben, die das „klassische“ Quartett (Marilyn Crispell, Gerry Hemingway, Mark Dresser) während der England-Tournee (London, Coventry, Birmingham)Die entsprechenden Konzerte sind auf den Alben Quartet (London) 1985, Quartet (Coventry) 1985, Quartet (Birmingham) 1985 dokumentiert. aufgenommen habe, zum Braxton der 1980er Jahre, hieß es in der Rezension der italienischen Redaktion von All About Jazz. Gleich sei auch „der enzyklopädische Geist“, der diese beiden titanischen Plattenprojekte beseele; sehr ähnlich auch die Atmosphäre des „Neuanfangs“, die in den Aufnahmen mitschwinge; gleichwertig schließlich sei die epochale Bedeutung, die die sechs Doppelalben – natürlich herausgegeben vom verdienstvollen Label Leo Records – in der Karriere eines der „Giganten der zeitgenössischen kreativen Musik“ einnehmen. Diese äußerst wertvolle Gelegenheit gehöre zu jenen, die sich nur selten bieten, vor allem für so große Formationen wie diese: eine ganze Woche voller Proben und öffentlicher Auftritte im Dienste der Ghost Trance Music, „der neuesten geheimnisvollen Obsession, die dem sprudelnden Geist des Multi-Instrumentalisten aus Chicago entsprungen ist“. Die Musik würde sich durch scheinbare Entropie auszeichnen und werde von einer klaren, mathematischen Formel durchdrungen, so die AAJ-Redaktion weiter. Eine Musik aus absoluter kollektiven und pantheistischen Qualität.
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 2005 Kategorie:Livealbum Kategorie:Anthony-Braxton-Album