Sax Quintet (New York) 1998 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die am 21. März 1998 live im New Yorker Veranstaltungsort Knitting Factory entstandenen Aufnahmen erschienen am 1. Februar 2013 auf dem Eigenlabel New Braxton House. Der Mitschnitt war Teil einer sechsteiligen Konzertreihe, in der dasselbe Stück jedes Mal von wechselnden Besetzungen interpretiert wurde.
Hintergrund Sein Saxophonquintett bildete Anthony Braxton mit vier regelmäßig Mitwirkenden aus dieser Zeit, mit Seth Misterka, Jackson Moore, Chris Jonas und James Fei. Es stellte sich in der Knitting Factory während eines dreitägigen Festivals mit Braxtons Musik 1998 vor. Das Festival war insofern ungewöhnlich, als alle sechs Konzerte Variationen desselben Werkes, „Composition Nr. 173“, waren. Ursprünglich für vier Schauspieler, zwei Solisten und Ensemble komponiert (eine Aufnahme der Originalfassung erschien unter dem Titel Composition No. 173 for 4 Actors, 14 Instrumentalists Constructed Environment and Video Projections 1996 beim Label Black Saint), wurde das Stück dort als Altsaxophon-Solo, als Quartett, als Saxophonquintett, als Tentett sowie in einer Version mit vier Schauspielern, zwei Solisten, drei „freundlichen Erlebnispersonen“, einem zwölfköpfigen Streicherensemble und Perkussion aufgeführt (die großformatige Fassung wurde zweimal, am 20. und 21. März 1998, gespielt).
Der Mitschnitt ist Teil einer ausschließlich als Download erhältlichen Reihe auf dem Label „New Braxton House“ des Komponisten.
Titelliste Anthony Braxton – Sax Quintet (New York) 1998 (New Braxton House NBH038) Composition No. 173 52:16
Die Komposition stammt von Anthony Braxton.
Rezeption mini|Anthony Braxton beim Moers Festival 2017 Saxophon-Ensembles seien im umfangreichen Repertoire des Saxophonisten und Komponisten Anthony Braxton kein Novum, merkt John Sharpe in All About Jazz an. Tatsächlich könnte man sagen, dass seine „Composition 37“ für vier Saxophone auf dem Album New York, Fall 1974 (Arista) dieses Genre ins Leben gerufen habe, da sie drei der Gründungsmitglieder des wegweisenden World Saxophone Quartet bereits zwei Jahre vor dessen endgültiger Gründung zusammenbrachte. Was an Sax Quintet (New York) 1998 vielleicht noch bemerkenswerter ist: Das einzige aufgeführte Stück, „Composition 173“, sei ursprünglich für eine völlig andere Besetzung komponiert worden, obwohl man das bei dieser temperamentvollen Interpretation niemals vermuten würde. Tatsächlich war diese Live-Aufnahme aus der Knitting Factory.
Obwohl es sich nicht um eines von Braxtons Ghost Trance Music-Stücken handle, würden sich deutliche Ähnlichkeiten in den eng verwobenen Unisono-Passagen zeigen, den periodischen Abweichungen von der Melodielinie und der relativen Unabhängigkeit, die den Protagonisten innerhalb des Gesamtrahmens gewährt werde, so Sharpe weiter. Der vielleicht größte Unterschied sei das Fehlen der eindringlichen Achtel-[Noten]-Ströme, die beispielsweise die Stücke auf Tentet (Wesleyan) 1999 (New Braxton House, 2012) charakterisierten. Zwar ließen sich die einzelnen Beiträge – abgesehen von den unverwechselbaren Achterbahn-Läufen des Bandleaders – nicht unterscheiden, doch würde es sich von selbst verstehen, dass die instrumentale Meisterschaft der Mitwirkenden herausragend sei und ihre Vertrautheit mit Braxtons Methoden zu einer durch und durch überzeugenden Darbietung führe, die den ansonsten vielleicht akademisch anmutenden Systemen ungezähmtes Leben einhauche.
Manchmal würde die komplexe, sich nicht wiederholende Melodielinie, die dennoch wiederkehrende Motive aufweise, einem endlosen Thema gleichen, das von „fünf Charlie Parkers in lockerem Dialog“ ausgearbeitet würde, meinte Sharpe. Wie für Braxtons Arbeitsweise typisch, stehe es jedem Spieler frei, an geeigneten Stellen im Verlauf des Stücks zusätzliche Kompositionen aus dem Repertoire des Komponisten einzufügen, und Anklänge an wiedererkennbare Themen würden an verschiedenen Stellen auftauchen und wieder verschwinden. Zu den bemerkenswertesten gehörten die Klänge von „Composition 40I“ – einem verrückten Zirkusmarsch, der erstmals auf Performance 9/1/79 (HatHut, 1980) aufgenommen wurde –, der bei 23:30' auftaucht, eingeleitet von zwei schrillen Sopransaxophonen, und dann von den anderen Bläsern aufgegriffen und mit rauen Tönen verziert werde. An anderer Stelle würde eine wunderbare Episode bei 17:00 beeindrucken, in der die Bläser „eine Meute von Hunden heraufbeschwören, die den Mond anheulen“, während später bei 36:00 „ein unterhaltsamer Kontrast der Extreme“ zwischen einem Saxophon, das „im Fledermaus-Quietschregister“ pfeift, und den donnernden Rufen eines der größeren Mitglieder der Holzbläserfamilie entstehe.
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2013 Kategorie:Livealbum Kategorie:Anthony-Braxton-Album