Das leere Grab ist ein deutscher Jugendkriminalroman von André Marx, der 1997 als der 77. Band der Reihe Die drei ??? erschien. Ihn ihm bricht der jugendliche Detektik Justas Jonas ohne seine beiden Freunde Peter Shaw und Bob Andrews nach Venezuela auf, weil er Hinweise darauf erhalten hat, dass seine totgeglaubten Eltern noch am Leben sein könnten. Es handelt sich dabei um den vierten von Marx für die Reihe verfassten Roman. Dier Hörspielumsetzung des Romans erschien 1998 über die Plattenfirma Europa als 78. Folge der Reihe.

Handlung

Der Schriftsteller Albert Hitfield meldet sich bei Justus Jonas und erzählt diesem, dass er soeben von einer Reise nach Venezuela, wo er Recherchen für einen neuen Roman machte, zurückgekommen ist. Er war in der etwas abgelegenen Diamentenstadt Suerte untergekommen und hatte dort ein ursprünglich aus Kalifornien stammendes amerikanisches Ehepaar kennengelernt, das sich ihm als Julius und Catherine Jonas vorgestellt hatte – als Hitfield nachhakte, ob sie mit einem Justus Jonas verwandt sind, verhielten sie sich jedoch seltsam und mieden ihn fortan.

Justus, dessen Eltern, als er fünf Jahre alt waren, bei einem Flugzeugunglück über dem Atlantik in Südamerika ums Leben gekommen waren, ist nun sehr nachdenklich geworden. Er fragt sich, ob es tatsächlich sein könnte, dass seine Eltern noch leben – was aber bedeuten könnte, dass sie ihren Tod nur vorgetäuscht hatten, weil sie möglicherweise in fragwürdige Sachen verstrickt waren.

Um die Wahrheit herauszufinden, beschließt Justus, selbst nach Venezuela aufzubrechen. Er lässt sich unter der Fälschung der Unterschrift seines Onkels von der Schule beurlauben und bricht ohne Absprache mit seiner Familie und Freunden nach Südamerika auf. Seinem Onkel und seiner Tante hinterlässt er einen Zettel, wo er nur kurz erklärt, dass er dringend verreisen musste. Diese lassen sich von Peter und Bob, denen Justus von dem Gespräch mit Mr. Hitfield erzählt hatte, aufklären.

In Venezuela angekommen hat Justus Schwierigkeiten, einen Leihwagen zu bekommen, weil er noch keine 21 Jahre ist. Ihm kommt ein junger amerikanischer Tourist namens Jason Jackson (Spitzname J.J.) zur Hilfe, der gerade im Urlaub ist und in die gleiche Richtung möchte. Sie teilen sich die Kosten für einen Leihwagen und brechen gemeinsam auf. Durch den starken Regen bleiben sie auf der Strecke allerdings stecken. Ihnen kommt ein US-Amerikaner entgegen, der ihnen den Weg nach Suerte zeigt und sich als Julius Jonas vorstellt. Justus stellt sich als Peter Shaw vor, was J.J. misstrauisch macht, Justus kann ihm aber noch nicht sagen, weswegen er genau hier ist.

Sie kommen schließlich in dem Hotel unter, wo auch Hitfield zuvor war, beim Frühstück begegnet ihnen auch Catherine Jonas, die jedoch sehr verschlossen ist. Justus beschließt, als seine vermeintlichen Eltern das Hotel verlassen, in deren Zimmer einzubrechen und es zu untersuchen. Er muss sich schließlich, weil die beiden doch früher zurückkommen, im Schrank verstecken. Dort kann er ein auf Englisch geführtes Gespräch mit einem Venezuelaner namens Arturo belauschen, wo sich herausstellt, dass Catherine und Julius heimlich Diamanten in die Vereinigten Staaten schmuggeln. Als Catherine etwas aus dem Schrank holen will, flüchtet Justus schnell und versteckt sich erst einmal im naheliegenden Wald.

Bei ihrer nächsten Begegnung im Hotel meint Catherine, dass bei ihnen eingebrochen wurde, sie vermutet einen einheimischen Kriminellen dahinter, welcher es auf das Geld der Touristen abgesehen hatte. Justus ist unentschlossen, wie er weiter vorgehen soll und entscheidet sich schließlich dazu, die beiden auf ihrem Zimmer aufzusuchen und offen zu sagen, weshalb er gekommen ist.

Es stellt sich aber heraus, dass die beiden ihn erkannt hatten und das Gesagte zum Hintergrund des Einbruchs nur Tarnung war. Justus wird im Zimmer eingesperrt und erfährt, dass es sich bei den beiden Amerikanern nicht um seine Eltern, sondern um zwei gesuchte Verbrecher handelt, welche die Identität der beiden Verstorbenen übernommen haben.

Dies haben in Kalifornien inzwischen auch Peter und Bob mit Unterstützung von Kommissar Cotta herausgefunden, nachdem es Unstimmigkeiten mit dem Profil des Jonas-Ehepaares im Polizeicomputer gab. Die beiden Freunde ahnen, dass Justus in Gefahr sein könnte und wollen ihm helfen, indem sie selbst ihre Ersparnisse opfern, um nach Venezuela zu reisen. Justus’ Onkel und Tante erklären sich kurzerhand bereit, sie dorthin zu begleiten.

Inzwischen wurden Justus und auch J.J., den die beiden Verbrecher für einen Mitwisser halten, in einen Wagen gebracht, mit dem sie zurück zum Flughafen fahren. Das Paar hat vor, sich erst einmal innerhalb des Landes abzusetzen. Auf dem Weg kommen ihnen die Nachgereisten aus Kalifornien entgegen, die sofort wenden und den Wagen verfolgen. Die Verbrecher rammen jedoch mit einem Manöver den Wagen so, dass die vier wegen des Schadens nicht weiterkommen. Justus und J.J. werden jedoch aus dem Wagen gelassen, offenbar, weil man somit Zeit für die Flucht gewinnen möchte.

Peter und J.J., die beiden sportlichsten der Gruppe, laufen den Weg zurück zum Flughafen. Dort haben sie Glück, dass wegen einer Panne am Treibstofftank das Flugzeug noch nicht starten konnte und die Polizei benachrichtigt werden kann. Die bei den beiden Verbrechern gefundenen Diamenten sind ausreichend für die einheimische Polizei, um die Sache weiterzuverfolgen.

Alle Beteiligten sind froh über den Ausgang und man beschließt, nachdem der Flug bereits viel Geld verschlungen hat, noch ein wenig Urlaub in Venezuela anzuhängen.

Artwork

Das Covermotiv der deutschen Erstauflage von 1997 stammt, ebenso wie die typische schwarze Einbandgestaltung der Reihe, von Aiga Rasch und zeigt im Vordergrund zwei dunkle Kreuze und eine Reihe ebenso dunkler, nach oben strebender Pflanzen, während im Hintergrund eine untergehende Sonne vor einem violetten Himmel zu sehen ist. Es wurde 2010 für die E-Book-Ausgabe übernommen, allerdings fehlt (aus lizenzrechtlichen Gründen) dort der Name Alfred Hitchcocks auf dem Cover. Das Motiv wurde auch für die griechische und chinesische Ausgabe übernommen, während die spanische und slowakische Ausgaben jeweils ein eigenes Motiv verwendeten.Coverarchiv des Romans auf rocky-beach.com

Der 2005 über dtv junior erschienene Doppelband gemeinsam mit dem Roman Das schwarze Monster zeigt ein neues Motiv, bei dem man im Vordergrund einen Grabstein mit einem Kreuz sieht, während im Hintergrund sich Berge (wohl die Anden) erheben.

Hintergrund

Im Roman finden sich eine Reihe von Bezügen zu früheren Bänden der Reihe, u. a. zu … und die silberne Spinne, indem Peter und Bob sich einige Gegenstände aus früheren Fällen in ihrer Zentrale ansehen und darüber sprechen.

Es handelt sich um den letzten Roman, in dem die Figur des Schriftstellers Albert Hitfield (im amerikanischen Original Hector Sebastian) als handelnde Person auftritt.

Dass Justus’ Eltern, wie von Marx im Roman dargestellt, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind, widerspricht der bisherigen Darstellung innerhalb der Reihe, wo immer von einem Autounfall die Rede gewesen war.

Ein Roman der Reihe mit einer ähnlichen Handlung folgte 1999 mit Tödlicher Spur, welche ebenfalls wieder aus der Feder von Marx stammte. Dort ist scheinbar der britische Chauffeur Morton verunglückt und im Laufe des Romans finden die drei Detektive mehr über dessen Vergangenheit heraus, womit Marx zum zweiten Mal den persönlichen Hintergrund einer der Figuren ausweitete.

Der Flugzeugabsturz, bei dem Justus’ Eltern starben, wird später in der Reihe nochmals von Kari Erlhoff im 2020 erschienenen Roman Kelch des Schicksals aufgegriffen, wo der Hintergrund nochmals weiter ausgearbeitet wird. Dort erhält der in Das leere Grab erwähnte Bruder von Catherine Jonas, der Titus noch Geld schuldete, nun den Namen Percival Abernathy.

Rezeption

Hörspiel

Auf der Seite hoernews.de urteilte Detlef Kurtz, dass die Folge „ein Höhepunkt der 70er Folgen“ sei, es werde „gute Unterhaltung garantiert“. Gut sei, dass diese Folge „durchaus auch traurige Momente“ habe, sie zeige „den ersten Detektiv erstmals richtig verwundbar“, was „die Folge fast schon zur Erwachsenenunterhaltung macht“. Damit werde „eine völlig andere Seite der drei Fragezeichen“ geboten, dies mache „diese Folge – zurecht – zu einem Evergreen, der immer wieder im CD-Player landet.“ Gelobt wurde noch die Leistung von Oliver Rohrbeck, der hier „endlich mal zeigen [darf], was er als Schauspieler leisten kann!“ Bemängelt wurde eine bei den 70er Nummern häufiger auftretende Schwierigkeit mit der Lautstärke, so sei etwa (zumindest in der Erstauflage) das Gespräch zwischen Justus und Lys schwer zu verstehen. Ansonsten würden Musik und Geräusche allerdings „beide gelungen eingesetzt. Ihnen ist zu verdanken, das keine Szene steril wirkt.“Detlef Kurtz: Die drei ??? (78) "Das leere Grab", hoernews.de, o. D., abgerufen am 20. August 2026.

Auf der Seite hoerspiel-request.de vergab 2010 Jörg Pätzel eine Wertung von 89 Prozent. Es sei „von vorne bis hinten“ eine super Folge, die Idee dafür sei „genial“, man hätte daraus „sogar einen Zwei- oder Dreiteiler“ machen können, „um den infragestellenden Momenten mehr Raum zu geben.“ Zwar wisse man als Hörer ja, dass es nicht wirklich Justus’ Eltern sein können, denn „sonst wäre die Kontinuität der Serie an einigen Stellen zweifelhaft, aber der Weg bis zur endgültigen Auflösung, und die Art, wie alles erzählt wird“, sei große Klasse.Jörg Pätzel: Die drei ??? (78) Das leere Grab, hoerspiel-request.de vom 15. April 2010, abgerufen am 20. August 2026.

Auf der Seite zauberspiegel-online.de urteilte 2015 der Rezensent G. Walt, dass diese Folge in der damaligen Phase der Reihe „eine Art Unikum“ darstellte, weil es sich um „eine besondere Story“ handelte: Hier ermittelte der erste Detektiv erstmals „mehr oder weniger alleine“, zudem wurde seine persönliche Hintergrundgeschichte näher ausgearbeitet. Die Folge sei „gut, weil sie anders ist“ und „es wäre schön [gewesen], wenn es mehr Folgen von d[ies]er Sorte gegeben hätte.“ Von der Tonqualität her wurde sie besser als bei der Vorgängerfolge … und der Pistenteufel bewertet, „aber atmosphärisch ist alles noch längst nicht so dicht wie früher in den alten Folgen.“G. Walt: Die drei ??? (78) Das leere Grab von André Marx, o. D. , abgerufen am 28. August 2026.

Netzverweise

Eintrag zum Buch auf rocky-beach.com Eintrag zum Hörspiel auf hoerspiel-paradies.de Eintrag zum Buch auf 3fragezeichen.de Podcast zur Hörspielfolge auf spezialgelagert.de Eintrag zu Buch und Hörspiel auf der Fandom-Seite zur Reihe Rezension zum Hörspiel auf dem Blog Sebastiano91

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Jugendliteratur Kategorie:Die-drei-???-Folge Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Roman, Epik