mini|Anthony Pratt (2019) Anthony Joseph Pratt (* 11. April 1960 in Melbourne) ist ein australischer Unternehmer, der überwiegend in den Vereinigten Staaten tätig ist. Er ist Executive Chairman von Pratt Industries, dem nach Angaben von The Australian größten Unternehmen des produzierenden Gewerbes in den Vereinigten Staaten, das sich im Besitz einer einzelnen Person befindet. Daneben ist Pratt Vorsitzender des australischen Verpackungsunternehmens Visy, das 1948 von seinem Großvater Leon Pratt gegründet wurde. The Australian schätzte das Vermögen Pratts und seiner Familie 2025 auf rund 30 Milliarden Australische Dollar, entsprechend etwa 20 Milliarden US-Dollar.

Frühes Leben und Ausbildung

Pratt wurde am 11. April 1960 in Melbourne im australischen Bundesstaat Victoria als Sohn des Unternehmers Richard Pratt, geborener Przecicki, und Jeanne Pratt geboren. Seine Eltern waren polnische Juden, die 1938 nach Australien emigriert waren. Er hat zwei Schwestern.

Pratt wuchs im Melbourner Stadtteil Kew auf. Anlässlich seiner Bar Mitzwa berichtete die Australian Jewish News, er wolle die dabei erhaltenen Gelder für den Aufbau eines nach ihm benannten Nachala in Kerem Maharal in Israel spenden. Er besuchte das Mount Scopus Memorial College in Burwood und schloss 1982 ein Studium an der Monash University mit einem Bachelor of Economics mit Auszeichnung ab. In den 1980er Jahren engagierte er sich zudem in der Young Leadership Division des United Israel Appeal und war Co-Vorsitzender ihres Fundraising-Komitees.

Karriere

Pratt begann seine berufliche Laufbahn 1982 bei McKinsey & Company und wechselte später zum Familienunternehmen Visy. Dort wurde er 1988 stellvertretender Vorsitzender. Anfang der 1990er Jahre zog er in die Vereinigten Staaten, um die dortige Expansion des Unternehmens zu leiten. Innerhalb der folgenden 15 Jahre wuchsen Umsatz und Ertrag von Pratt Industries durch neue Produktionsstandorte und Übernahmen erheblich. Der Umsatz stieg von rund 100 Millionen US-Dollar im Jahr 1991 auf drei Milliarden US-Dollar im Jahr 2016.

Pratt setzte beim Ausbau seiner Unternehmen verstärkt auf Recycling. 2016 eröffnete Pratt Industries in Valparaiso im US-Bundesstaat Indiana eine Papierfabrik, die vollständig mit Altpapier arbeitet und rund 250 Millionen US-Dollar kostete. Im Jahr 2017 kündigte Pratt Investitionen in Milliardenhöhe sowohl in den Vereinigten Staaten als auch bei Visy in Australien an.

Seit den 2010er Jahren engagierte sich Pratt außerdem verstärkt zu Fragen nachhaltiger Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Wasserversorgung. Er verwies dabei darauf, dass ein großer Anteil der australischen Kunden von Visy aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie stamme. 2016 war er Gründungssponsor des ersten US-amerikanischen Global Food Forum des Wall Street Journal und warb dort für eine deutliche Ausweitung der US-amerikanischen Lebensmittelexporte.

Im Jahr 2020 übernahm Visy für eine Milliarde Australische Dollar die australischen Vermögenswerte des Glasherstellers Owens-Illinois und wurde damit zum größten australischen Hersteller von Glasflaschen. 2021 kündigte Pratt weitere Investitionen von zwei Milliarden Australischen Dollar an, um den Recyclinganteil in Glasverpackungen zu erhöhen und Anlagen für saubere Energie zu errichten.

Im September 2023 eröffnete Pratt eine rund 700 Millionen US-Dollar teure Recyclingpapierfabrik in Henderson in Kentucky. Gouverneur Andy Beshear verlieh ihm dabei den Ehrentitel Kentucky Colonel. Im selben Monat kündigte Pratt Investitionen von weiteren 500 Millionen US-Dollar in Pennsylvania an.

Visy nahm 2023 und 2024 mehrere neue Recycling- und Verpackungsanlagen in Australien in Betrieb, darunter Fabriken in Brisbane und Sydney sowie eine modernisierte Glassortieranlage in Melbourne. Im Dezember 2025 eröffnete Pratt Industries außerdem eine neue Verpackungsfabrik in Warner Robins im US-Bundesstaat Georgia.

Beziehungen zu Politikern und dem britischen Königshaus mini|Donald Trump redet mit Pratt in Mar-a-Lago (2025) Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten wurde Pratt zahlendes Mitglied von Trumps Privatclub Mar-a-Lago in Florida. Im selben Zeitraum kündigte er weitere Investitionen von zwei Milliarden US-Dollar in die US-amerikanische Industrie an. Pratt begegnete Trump in den folgenden Jahren wiederholt. 2019 bezeichnete Trump ihn öffentlich als Freund und lobte seine Investitionen in eine Fabrik von Pratt Industries in Wapakoneta im Bundesstaat Ohio.

Aus später veröffentlichten privaten Äußerungen Pratts ging hervor, dass er seine Kontakte zu Trump auch als Mittel zur Förderung seiner Geschäftsinteressen betrachtete. Nachdem solche Aussagen 2023 öffentlich bekannt geworden waren, bezeichnete Trump Pratt als einen „rothaarigen Sonderling aus Australien“ und bestritt, mit ihm über U-Boote gesprochen zu haben.

Medienberichten zufolge soll Trump nach dem Ende seiner ersten Amtszeit gegenüber Pratt möglicherweise vertrauliche Angaben zu den Fähigkeiten US-amerikanischer Atom-U-Boote gemacht haben. Pratt soll diese Angaben anschließend mit zahlreichen weiteren Personen geteilt haben. Der frühere Mar-a-Lago-Mitarbeiter Brian Butler erklärte gegenüber Ermittlern des Sonderermittlers Jack Smith, von dem Gespräch Kenntnis erhalten zu haben.

Der Sydney Morning Herald berichtete 2023 zudem über Zahlungen Pratts an den damaligen Prinzen und späteren König Charles III. sowie über regelmäßige Beratungsvergütungen für die früheren australischen Premierminister Tony Abbott und Paul Keating.

Im Zusammenhang mit der US-Präsidentschaftswahl 2024 spendete Pratt insgesamt rund 15,1 Millionen US-Dollar zur Unterstützung Trumps. Davon gingen 14 Millionen US-Dollar an das Super-PAC Make America Great Again Inc. und weitere 1,1 Millionen US-Dollar an den Fonds für Trumps Amtseinführung.

Am 30. April 2025 nahm Pratt an dem von Trump im Weißen Haus veranstalteten Invest in America Summit teil. Dort wurde eine von Pratt angekündigte Investition von fünf Milliarden US-Dollar in neue Produktionskapazitäten in den Vereinigten Staaten thematisiert, durch die nach seinen Angaben 5000 Arbeitsplätze entstehen sollten.

Vermögen

Nach dem Tod seines Vaters erschien Pratt 2009 erstmals in der damaligen BRW Rich 200, der heutigen Financial Review Rich List der reichsten Australier, und wurde mit einem Vermögen von 4,3 Milliarden Australischen Dollar geführt. Die Ranglisten von Australian Financial Review und Forbes berechneten sein Vermögen teilweise gemeinsam mit demjenigen seiner Familie und teilweise getrennt von den Vermögen seiner Schwestern.

Im Februar 2021 bezifferte Bloomberg News Pratts persönliches Vermögen auf rund zwölf Milliarden US-Dollar und zählte ihn zu den reichsten Unternehmern, deren Vermögen wesentlich mit umweltbezogenen Geschäftsfeldern verbunden war. In der Financial Review Rich List von 2025 wurde sein Vermögen, getrennt von dem seiner Schwestern, auf 25,84 Milliarden Australische Dollar geschätzt. The Australian schätzte das gemeinsame Vermögen der Familie im selben Jahr auf rund 30 Milliarden Australische Dollar.

2016 veröffentlichte die Australian Taxation Office, dass Pratt Consolidated Holdings im Geschäftsjahr 2013/14 trotz Einnahmen von mehr als 2,5 Milliarden Australischen Dollar keine Körperschaftsteuer entrichtet hatte.

Philanthropie und politische Spenden

Im Jahr 2017 kündigte Pratt an, zu Lebzeiten eine Milliarde Australische Dollar für wohltätige Zwecke spenden zu wollen.

Pratt zählt auch zu den bedeutenden politischen Großspendern Australiens. In den Jahren 2021 und 2022 spendete er zusammen fast vier Millionen Australische Dollar an die beiden großen politischen Parteien des Landes.

Pratt steht der Pratt Foundation vor, die seit ihrer Gründung mehrere hundert Millionen Dollar für gemeinnützige Zwecke bereitgestellt hat und laut The Australian jährlich rund 20 Millionen US-Dollar spendete. Zu den unterstützten Organisationen gehörten unter anderem Planned Parenthood, die National Urban League und das St. Jude Children’s Research Hospital.

Er gehört außerdem dem Kuratorium der Appeal of Conscience Foundation an und unterstützte gemeinsam mit dem früheren israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres einen Dialog zur Ernährungs- und Wassersicherheit zwischen Indien, Israel und Australien.

Pratt engagierte sich zudem für das Muhammad Ali Center in Louisville. Anlässlich des 80. Geburtstags des 2016 verstorbenen Muhammad Ali spendete er 2022 zwei Millionen US-Dollar an die Einrichtung.

2007 sagte Pratt im Rahmen der Clinton Global Initiative zu, innerhalb eines Jahrzehnts mehr als eine Milliarde US-Dollar in Recyclinginfrastruktur und saubere Energie zu investieren. 2017 veranstaltete er in seinem Haus in Melbourne einen Gipfel zum Thema Lebensmittelverschwendung, dessen Ziel es war, die Lebensmittelabfälle Australiens bis 2030 zu halbieren.

2021 finanzierte Pratt die Einrichtung eines Australien-Lehrstuhls am Center for Strategic and International Studies in Washington, D.C., der die Beziehungen zwischen Australien und den Vereinigten Staaten fördern soll. Nach den schweren Tornados in Kentucky im Dezember 2021 spendete er jeweils eine Million US-Dollar an den Katastrophenhilfsfonds des Bundesstaates und an die Tri-State Food Bank.

Auszeichnungen

In den Vereinigten Staaten erhielt Pratt 2009 den Corporate Social Responsibility Award der Foreign Policy Association. Der damalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte den 17. September 2013 zum Pratt Industries Day. 2016 wurde Pratt mit dem RISI North American Packaging CEO of the Year Award ausgezeichnet, 2020 ernannte ihn PaperAge zum Executive Papermaker of the Year. Im selben Jahr erhielt er von Fastmarkets RISI die Auszeichnung als nordamerikanischer CEO des Jahres.

Die Monash University verlieh Pratt 2013 die Ehrendoktorwürde für seine Leistungen und sein Engagement in Philanthropie und Wirtschaft.

Privatleben

Pratt lebte über längere Zeit abwechselnd in New York City und Melbourne. Im November 2024 kündigte er nach Erhalt einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung an, seinen Lebensmittelpunkt dauerhaft in die Vereinigten Staaten zu verlegen, wo sich inzwischen der größere Teil seiner Geschäftsinteressen befindet.

Pratt erbte Raheen, eine denkmalgeschützte Villa im Melbourner Stadtteil Kew, die sein Vater in den 1980er Jahren erworben hatte. Vor umfangreichen Renovierungsarbeiten wurde der Wert des Anwesens 2016 auf etwa 100 Millionen Australische Dollar geschätzt.

Im Jahr 2024 wurde ein Rechtsstreit innerhalb der Familie Pratt öffentlich, in dem Pratts Halbschwester Paula einen größeren Anteil am Familienvermögen beanspruchte.

Einzelnachweise

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