mini|Eingang zum Musée des Amériques in Auch Das Musée des Amériques - Auch (bis 2019 Musée des Jacobins) ist ein Museum in der südfranzösischen Stadt Auch im Département Gers. Es ist in dem ehemaligen Dominikanerkloster der Jakobiner untergebracht und beherbergt nach dem Musée du quai Branly – Jacques Chirac in Paris die zweitgrößte öffentliche Sammlung präkolumbischer Kunst Frankreichs. Der Museumsbestand umfasst rund 20.000 Objekte.
Geschichte
Das Museum wurde durch einen Beschluss des Directoire des Départements Gers vom 16. Dezember 1793 gegründet und zählt damit zu den ältesten Museen Frankreichs. Die ersten Sammlungsbestände gehen auf Beschlagnahmungen im Zuge der Französischen Revolution zurück. Jean-Baptiste Lartet organisierte die Bestände, die 1795 in den Räumen der École centrale du Gers (dem heutigen Collège Salinis) in Auch erstmals gezeigt wurden. Ab 1820 war die Sammlung, die zu diesem Zeitpunkt rund hundert Zeichnungen und Gemälde umfasste, im Rathaus von Auch untergebracht. 1888 beschädigte ein Brand einen Teil der Bestände. Ab 1948 baute der Konservator Henri Polge (1921–1978) die Sammlungen weiter aus. Im Bewusstsein der Bedeutung der außereuropäischen Bestände, die Guillaume Pujos dem Museum vermacht hatte, bemühte er sich um Depositen (Leihgaben) anderer Museen: 1954 kam ein Teil des amerikanischen Bestands des Musée national de Préhistoire in Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil (54 Objekte) nach Auch und 1955 folgte ein Depositum des Musée-Château d’Annecy mit über 600 Werken. Dadurch wuchs der amerikanische Bestand auf über 1200 Objekte an. Unter Polge wurde die Spezialisierung auf präkolumbische Kunst zur programmatischen Leitlinie der weiteren Museumsentwicklung.
1976 erwarb die Stadt Auch das ehemalige Kloster der Jakobiner, um das Museum dorthin zu verlegen. Von Juni 2018 bis Oktober 2019 wurde das Museum umfassend saniert und um einen neuen Eingangsbereich mit Kasse und Museumsshop an der Rue Gilbert Brégail sowie ein neues Atrium erweitert. Am 12. Oktober 2019 eröffnete das Museum unter dem neuen Namen Musée des Amériques – Auch. Im gleichen Zusammenhang wurde ihm als erstem Museum Frankreichs das Label Pôle National de Référence verliehen.
Architektur mini|Musée des Amériques à Auch (Innenhof) Das Museumsgebäude ist ein ehemaliges Kloster des Dominikanerordens. Dessen Angehörige wurden aufgrund ihrer Pariser Ordensniederlassung in der Rue Saint-Jacques in Frankreich traditionell als Jacobins (Jakobiner) bezeichnet. Der Konvent wurde 1386 an der Stelle einer außerhalb der Stadtmauern gelegenen und heute nicht mehr erhaltenen Kirche gegründet. Der überwiegende Teil der heute bestehenden Bausubstanz stammt aus der Zeit nach dem 15. Jahrhundert. Aus dem 15. Jahrhundert selbst sind lediglich zwei nördliche Gewölbe sowie die der Jungfrau Maria geweihte Kapelle im Süden erhalten. Im Jahr 1643 wurden die Fassade, das Kirchenschiff und der Kreuzgang erneuert.
Das Gebäude liegt in der Altstadt von Auch zwischen der Promenade Claude-Desbons und der Kathedrale Sainte-Marie. Seit dem Umbau in den Jahren 2018/2019 befindet sich der Museumseingang an der Rue Gilbert Brégail. Von dort aus ist auch der rund 1600 m² große Museumsgarten zugänglich, der nach dem Vorbild eines Jardin à la française gestaltet ist. In ihm werden Pflanzen präsentiert, die im Zuge der spanischen Eroberung Amerikas nach Europa gelangten. Die Dauerausstellung erstreckt sich über 19 Ausstellungsräume, hinzu kommen vier Räume für Wechselausstellungen. Die Gesamtausstellungsfläche beträgt über 1000 m².
Sammlung Das Museum gliedert seine Bestände in mehrere große Abteilungen.
Präkolumbische Kunst: Mit rund 8000 Objekten aus den präkolumbischen Kulturen Perus, Ecuadors, Mittelamerikas und Mexikos bis zur spanischen Eroberung besitzt das Museum die zweitgrößte öffentliche Sammlung dieser Art in Frankreich nach dem Musée du quai Branly – Jacques Chirac. Nach Angaben des Museums umfasst sie etwa ein Viertel der öffentlichen präkolumbischen Sammlungen Frankreichs. Den Grundstock der Sammlung bildeten Objekte, die Guillaume Pujos, der aus Auch stammte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Chile und Peru ausgewandert war, von seinen Reisen mitbrachte. Als er 1911 Konservator des Museums von Auch wurde, machte er rund hundert dieser Fundstücke der Öffentlichkeit zugänglich. Nach seinem Tod fiel dem Museum sein gesamter präkolumbischer und lateinamerikanisch-sakraler Kunstbestand zu. Das Museum verfügt über die größte französische Sammlung lateinamerikanischer sakraler Kunst mit über sechzig Objekten. Besonders hervorzuheben ist die Messe des heiligen Gregor (La Messe de Saint-Grégoire), ein Federmosaik aus Mexiko-Stadt von 1539.
Die antiken Sammlungen reichen vom Alten Ägypten bis in die römische Zeit. Sie gehen größtenteils auf Schenkungen des frühen Konservators Charles Palanque zurück und werden durch gallorömische Funde aus dem Département Gers ergänzt. Die Sammlungen umfassen mittelalterliche Skulpturen, darunter zahlreiche polychrome Marienfiguren und Madonnen mit Kind.
Die ethnographischen Sammlungen dokumentieren die Geschichte und Volkskultur der Gascogne mit Trachten, Möbeln, Alltagsgegenständen und weiteren Zeugnissen vom Altertum bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fayencen, Möbel und Musikinstrumente gehören zu den kunstgewerblichen Beständen. Abteilung für bildende Kunst: Die Werke dieser Abteilung stammen überwiegend aus der Zeit der Museumsgründung im Jahr 1793. Nach einem Erlass der Revolutionsregierung wurde der Kunstlehrer Jean-Baptiste Lartet beauftragt, im Département Gers Kunstwerke aus staatlichen Gebäuden sowie aus dem Besitz emigrierter Adliger zu sichern. Einen wesentlichen Teil des Grundbestands bildeten Werke aus der Sammlung des letzten Intendanten der Generalität von Auch, Claude François Bertrand de Boucheporn, der als Kunstmäzen eine bedeutende Gemäldesammlung aufgebaut hatte. Zu den frühen Beständen gehörten unter anderem François Tourniers Gemälde Flötenspieler und Frau mit einer Rose sowie eine alte Kopie von Tintorettos Jesus vor Pilatus, das ursprünglich für die Scuola Grande di San Rocco in Venedig geschaffen worden war. Das erste Inventar des Museums verzeichnete 1801 bereits 200 Objekte, darunter 69 Gemälde, 8 Zeichnungen, 106 Druckgrafiken und 17 Skulpturen.
Werke (Auswahl)
Literatur Pascal Mongne: Le Musée des Amériques – Auch. Trésors précolombiens et arts sacrés latino-américains. Éditions Snoeck, Gent 2019. Pascal Mongne (Hrsg.): Plumes. Visions de l’Amérique précolombienne. Ausstellungskatalog, Musée du quai Branly – Jacques Chirac / Musée des Amériques – Auch, Paris 2016. Pascal Mongne: Le mystère Vicus. Les esprits de la Terre. Ausstellungskatalog, Musée des Amériques – Auch, Auch 2023. Musée des Amériques – Auch (Hrsg.): Mémoire du Pérou. Ausstellungskatalog, Auch 2024.
Weblinks
Website des Museums Gigapixel Fotos Plateforme ouverte du patrimoine
Einzelnachweise
Kategorie:Kloster in Okzitanien Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Museum in Okzitanien Kategorie:Gegründet 1793 Kategorie:Präkolumbische Kunst Kategorie:Kunstmuseum