Die Portuguese-Klasse (selten auch: Professor-Klasse) war eine Klasse von zwölf Trawlern der britischen Royal Navy im Zweiten Weltkrieg, die sie vor allem als Minensuchboote einsetzte. Sie waren die einzigen Neubauten, die sie während des Krieges aus Portugal bezog. 1946 wurden fast alle Schiffe an zivile Eigner verkauft.

Geschichte Aufgrund des enormen Bedarfs an Schiffen und der hohen Auslastung britischer Werften, suchte die Royal Navy auch im Ausland nach Möglichkeiten für Neubauten. Unter dem Namen ziviler Reedereien bestellte sie 1940 bei drei portugiesischen Werften zwölf Trawler, 1942 noch einmal vier weitere, deren Bestellung jedoch storniert wurde.Toghill: Royal Navy Trawlers. Part 1: Admirality Trawlers, S. 158

Während in der britischen Literatur nicht in Zweifel gezogen wird, dass die Trawler von Beginn an für die Royal Navy bestimmt waren, gehen zumindest Teile der portugiesischen Literatur weiterhin von den ursprünglich genannten zivilen britischen Bestellern aus. Erst nach Auslieferung nach Großbritannien sind sie nach diesen Darstellungen ohne portugiesische Kenntnis der Royal Navy übergeben worden. Diese Ansicht beruht auch auf der Tatsache, dass die Schiffe bei ihren Stapelläufen Namen erhielten, die nach Übergabe an die britische Marine geändert und die Trawler erst nach Auslieferung umgerüstet wurden.da Graça Matias: Os Arrastões do Bacalhau (1909–1993), S. 45Santos: Arrastões do Alto / Arrastões Militarizados, S. 27

Die Schiffe unterteilten sich in zwei Gruppen. Von der ersten Gruppe wurden sechs Boote auf der Werft Estaleiros Mónica in Gafanha da Nazaré/Ílhavo gebaut. Sie unterschied sich durch den Rumpf aus Holz und geringfügig kleinere Abmessungen sowie geringere Verdrängung. In der zweiten Gruppe wurden sechs Trawler mit Stahlrumpf gebaut – davon zwei auf der Marinewerft Arsenal do Alfeite in Almada und vier bei der Companhia União Fabril (CUF) in Lissabon. Das Material und die Motoren für die Trawler lieferte Großbritannien, Portugal stellte die Arbeitsleistung bereit.

Die Boote der ersten Gruppe waren 42,36 Meter (139 ft) lang, 8,50 Meter (27 ft 9 inch) breit und hatten einen Tiefgang von 3,35 Meter (11 ft). Die Verdrängung betrug 525 Tonnen. Die Boote verfügten über einen Dieselmotor mit 350 BHP, der auf eine Schraube wirkte und eine Geschwindigkeit von 11 Knoten ermöglichte. Die Bewaffnung bestand aus einem älteren 12-Pfünder QF-Geschütz (76,2 mm) und drei einzelnen 20-mm-Flugabwehrgeschützen. Die Besatzung bestand aus 30 Mann. Die Boote der zweiten Gruppe unterschieden sich lediglich durch die geringfügig größere Länge von 42,67 Meter (140 ft), die höhere Verdrängung von 550 Tonnen und die Leistung des Dieselmotors mit 550 bhp. Die Breite, Tiefgang, Geschwindigkeit, Bewaffnung und Besatzungsstärke waren identisch.Cocker: Mine Warfare Vessels of The Royal Navy 1908 to Date, S. 164Gardiner, Chesneau: Conway’s All the world’s fighting ships 1922–1946, S. 66

1942 bestellte Großbritannien vier weitere Trawler mit stählernen Rümpfen, jeweils zwei beim Arsenal do Alfeite und zwei bei der Companhia União Fabril. Aufgrund von Engpässen beim Transport des Materials von Großbritannien nach Portugal wurden die beiden Bauten beim Arsenal do Alfeite storniert, während die anderen beiden Boote als Handelsschiffe fertig gestellt wurden.

Die Auslieferung der zwölf Boote erfolgte in den Jahren 1942 und 1943. Die hölzernen Trawler aus Gafanha da Nazaré wurden bei der in Grimsby stationierten Minesweeping Group 127 als Minensuchboote genutzt. Von den „stählernen“ Trawler aus den beiden Lissaboner Werften wurden vier ebenfalls als Minensuchboote in Dienst gestellt, die anderen beiden wurden als Werkstattschiffe für Minensuchboote genutzt.

Alle zwölf Schiffe überstanden den Krieg, wurden 1946 von der Royal Navy ausgemustert und verkauft. Die meisten wurden zu Fischereifahrzeugen oder Handelsschiffen umfunktioniert, davon einige auch unter portugiesischer Flagge, die zum Teil bis in die 1980er Jahre noch im Einsatz waren. Zu den meisten der Schiffe verliert sich in der Regel die Spur. Lediglich die Product wurde an die Griechische Marine übergeben und blieb dort als Hermes bis 1973 in Dienst.Toghill: Royal Navy Trawlers. Part 1: Admirality Trawlers, S. 159f.

Exkurs In den Jahren 1940/41 wurden zudem diskret vier weitere Hochseetrawler an die Royal Navy verkauft, wenngleich es sehr alte Schiffe waren. Konkret handelte es sich um die Trawler Estrela do Mar, Pólo Norte, Transportador und Trevo Terceiro.

Liste der Boote Name Bauwerft Stapellauf Indienststellung Anmerkungen Prong Estaleiros Mónica, Gafanha da Nazaré 1942 1943 Stapellauf als Port Stanley, Einsatz als Minensuchboot bei der Minesweeping Group 127, 1946 verkauft: Sjostkerk Proof 1942 1943 Stapellauf als Port Royal, Einsatz als Minensuchboot bei der Minesweeping Group 127, 1946 verkauft. Property 1942 1943 Stapellauf als Portrush, Einsatz als Minensuchboot bei der Minesweeping Group 127, 1946 verkauft: Portrush, 1947: Property, 1955: Vaagness. Prophet 1942 1943 Stapellauf als Portobello, Einsatz als Minensuchboot bei der Minesweeping Group 127, 1946 verkauft. Protest 1941 1943 Stapellauf als Port Patrick, Einsatz als Minensuchboot bei der Minesweeping Group 127, 1946 verkauft. Prowess 1943 1943 Stapellauf als Portreath, Einsatz als Minensuchboot bei der Minesweeping Group 127, 1946 verkauft. Probe Arsenal do Alfeite, Almada 1942 1943 Stapellauf als Portaferry, Einsatz als Minensuchboot, 1946 verkauft: portug. Fischereifahrzeug Porto Norte. Proctor 1942 1943 Stapellauf als Portim, Einsatz als Minensuchboot, 1946 verkauft: portug. Fischereifahrzeug Arrábida. Prodigal Companhia União Fabril, Lissabon 1941 1943 Stapellauf als Porthleven, Einsatz als Werkstattschiff für Minensuchboote, 1946 verkauft. Product 1941 1943 Stapellauf als Port Jackson, Einsatz als Werkstattschiff für Minensuchboote, 1946 an die griech. Marine verkauft: Hermes (A324), 1973 außer Dienst.RHS Hermes (A324), bei ipernity.com Professor 1942 1943 Stapellauf als Portmadoc, Einsatz als Minensuchboot, 1946 verkauft: portug. Fischereifahrzeug Algenib. Promise 1941 1943 Stapellauf als Port Natal, Einsatz als Minensuchboot, 1946 verkauft: portug. Fischereifahrzeug Aldebaran.

Literatur Robert Gardiner, Roger Chesneau: Conway’s All the world’s fighting ships 1922–1946. Conway Maritime Press, London 1980, ISBN 0-8317-0303-2. Maurice P. Cocker: Mine Warfare Vessels of The Royal Navy 1908 to Date. Airlife Publishing, Shrewsbury 1993, ISBN 1-85310-328-4. Gerald Toghill: Royal Navy Trawlers. Part 1: Admirality Trawlers. Maritime Books, Liskeard 2003, ISBN 0-907771-95-5. Ricardo Lisboa da Graça Matias: Os Arrastões do Bacalhau (1909–1993). Dissertation Universität Lissabon, Lissabon 2016 (Online-Version als PDF). José Ferreira dos Santos: Arrastões do Alto / Arrastões Militarizados. In: Revista Armada Nr. 438, Februar 2010, , S. 26–28 (Online-Version als PDF).

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Einzelnachweise

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