Ekkehard F. Kleiter (* 7. Januar 1936 in Liegnitz, Provinz Niederschlesien;Kürschners Gelehrtenlexikon 2026. 38. Ausgabe 2026. De Gruyter Brill, Berlin 2026, ISBN 978-3-11-163546-0, S. 1850. † 2004 in Stampe) war ein deutscher Psychologe und emeritierter Professor für Psychologie und Methodenlehre an der Pädagogischen Hochschule Flensburg.Kleiter, Ekkehard F. 1936- auf krim.doc, abgerufen am 4. August 2026.

Leben Er wuchs nach der Flucht der Familie aus Niederschlesien im Allgäu auf. Ein jüngerer Bruder ist der an der Universität Salzburg lehrende Psychologieprofessor Gernot Kleiter (* 1943). Nach dem Erwerb des Dipl.Psych. promovierte er 1972 zum Dr. rer.nat. und wurde 1973 Professor an der Pädagogischen Hochschule Flensburg. 2001 emeritierte er.

Werk Seine Fachgebiete waren Statistik und Methodenlehre, Medienpsychologie, Psychologie der Sozialpersönlichkeit, pädagogisch-psychologische Diagnostik, Lehr-Lern-Forschung und Klinische Psychologie, insb. die Themen Lern- und Verhaltensstörungen.

Im Bereich der Statistik entwickelte er das Programmpaket KMSS, ein Programmsystem zur Auswertung von sozialwissenschaftlichen Daten.

Im SEIM-Projekt (Selbstverwirklichung, Egozentrismus, Individualisierung und Moral) wurde anhand einer Stichprobe von 1417 Kindern und Jugendlichen aller Schularten dem Einfluss von Egozentrismus auf die Selbstverwirklichung und Moral nachgegangen. Grundlage bildeten Fragebogen zur Selbst- und Fremdbeurteilung der Schüler. Hinzu kommen Fragen, die den Eltern zur Ermittlung ihrer Erziehungseinstellungen und zum Erzieherverhalten vorgelegt wurden. Befund ist ein erhebliches Ausmaß an anspruchsvollen Zielen der Selbstverwirklichung in Verbindung mit Egozentrismus bis hin zum Egoismus. Durch einen Vergleich mit der Erwachsenenstichprobe wird deutlich, dass hohe Ansprüche und Egozentrismus nicht nur entwicklungspsychologisch erklärt werden können, sondern vor allem zeitbedingt sind und somit negative Merkmale einer zukünftigen eher sehr anspruchsvollen egozentrischen Selbstverwirklichungsgesellschaft vorwegnehmen. Die Studie liefert die empirischen Befunde für überzogene Ansprüche und Egozentrismus bei Kindern und Jugendlichen und zeigt die psychologischen Besonderheiten der aktuellen und zukünftigen Gesellschaft auf, die eine Selbstverwirklichungsgesellschaft ist. Es besteht daher die Gefahr einer negativen Entwicklung und nicht zu einer zukunftsweisenden Gesellschaft, in der Verantwortung und Selbstverwirklichung integriert sind.

In seiner Studie Psychologie einer cross-kulturellen Sozialpersönlichkeit arbeitete er eine hohe Leistungsbereitschaft zur Kompensation des Fremden-Status bei Deutsch-Türken heraus: Während bei deutschen Berufstätigen die Freizeitorientierung zunimmt, fand er bei Deutsch-Türken unterschiedliche Tendenzen: Fast die Hälfte versucht, ihre unkomfortable Lage zwischen zwei Kulturen über höhere Anstrengung, Leistung, Anpassung und Erfolge zu kompensieren. Die Studie identifizierte allerdings gleichzeitig drei weitere, kleine Gruppen (jeweils im Größenbereich unter 20 %) an Deutsch-Türken, die sich auf ihre Heimatkultur konzentrieren und sich gegenüber der deutschen Umwelt abschirmen, die beruflich erfolglos, vielleicht auch arbeitslos sind und still resignieren oder die sich ausgeschlossen fühlen, die sich beruflich kaum entfalten können und gegenüber der deutschen Gesellschaft Ressentiments bzw. Aggressionen entwickeln. Die Verhaltensweisen der drei kleineren Gruppen changieren also zwischen Resignation und Aggression.

In seiner Studie Gender und Aggression werden anhand einer empirischen Untersuchung mit 540 Jugendlichen (13-16 J.) und 338 Erwachsenen (18-65 J.) Unterschiede im Aggressionsverhalten von Jungen/Männer und Mädchen/Frauen untersucht. Unterschieden wurden bei den Jugendlichen die Aggressionsarten "körperliche Aggression und Bullying", "relationale Aggression" und "Autoaggression" und bei den Erwachsenen "manipulative Sachdurchsetzungs-", "Reaktanz-" und "Autoaggression" sowie die "multiple primär auf die Person gerichtete Aggression". Berücksichtigt man diese Aggressionsarten, so ist ein quantitativer Unterschied der Aggression zwischen männlich und weiblich nicht nachweisbar. Die relationale Aggression kommt entgegen der Literatur isolierbar nur bei den Jugendlichen vor und wird von Jungen ebenso häufig eingesetzt wie von Mädchen. Werden Frauen an der Sachdurchsetzung gehindert, so wendet sich die Aggression gegen die eigene Person (Autoaggression) oder wandelt sich in Reaktanzaggression um.

Dem Buch Film und Aggression liegt eine empirische Untersuchung von 2300 Grund-, Haupt- und Realschülern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zugrunde. Dabei konnte er nachweisen, dass die bisher niedrigen Zusammenhänge zwischen dem Konsum gewalttätiger Medien und Aggression auf einer zu einfachen methodischen Betrachtungsweise beruhen. Bei Hinzuziehung von intervenierenden und moderierenden Größen lassen sich weit höhere Effekte nachweisen. Prozentwerte decken ein nicht geahntes Ausmaß an Vorlieben für hoch-aggressive Filminhalte und von aggressiven Denkweisen bei ca. 40 Prozent der Schüler auf. Herausgearbeitet wird ein Modell der moderiert-intervenierten und sozial-kognitiv gesteuerten Aggression (MlSKA-Modell), in dessen Zentrum eine Aufschaukelungsspirale von Film-Konsum und Aggressivitätserwerb aufgesplittet nach acht Typen und der Steuergröße Reflexivität steht. Mit dem Buch wurde der empirische Nachweis über den Zusammenhang von Film und Aggression unter dem Einfluss von intervenierenden und differenzierenden Moderatorgrößen geführt. Seine Befunde verlangen dringend nach gesellschaftlichen und pädagogischen Gegenmaßnahmen, die ausführlich besprochen werden.

Privates Er starb mit 68 Jahren an Krebs.

Publikationen (Auswahl) Monografien Weiterentwicklungen zur Persönlichkeitspsychologie. Eine empirische Untersuchung zu globalen Basispersönlichkeits- u. speziellen Sozialpersönlichkeitseigenschaften mit Regulationssystem u. Fragebogentests zur Selbst- u. Fremdtestung. Papst Science Publishers, Lengerich 2005, ISBN 978-3-89967-187-2. Psychologie einer cross-kulturellen Sozialpersönlichkeit: Egozentrismus und Sozialpersönlichkeit in verschiedenen Soziallagen bei Deutschen, US-Amerikanern und Deutsch-Türken. Pabst, Lengerich 2004, ISBN 978-3-89967-143-8. Konflikt und Versöhnung. Über den empirischen Zusammenhang von Konflikt und Versöhnungsbereitschaft bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Pabst, Lengerich 2003, ISBN 978-3-89967-020-2. Gender und Aggression: Männliche und weibliche Aggression im Rahmen der Sozialpersönlichkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen. Beltz, Weinheim 2002, ISBN 978-3-407-32035-3 Egozentrismus, Selbstverwirklichung und Moral, Bd. 2. Empirischer Teil: Kinder und Jugendliche. Beltz, Weinheim 2000, ISBN 978-3-89271-921-2 Egozentrismus, Selbstverwirklichung und Moral, Bd. 1. Theoretischer Teil. 1 Beltz, Weinheim 999, ISBN 978-3-89271-856-7 Film und Aggression - Aggressionspsychologie: Theorie und empirische Ergebnisse mit einem Beitrag zur allgemeinen Aggressionspsychologie. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1997, ISBN 978-3-89271-700-3. Mit Peter Wulf; Arthur Kühn: Dem Rechtsextremismus begegnen (Gegenwartsfragen). Schmidt & Klaunig, Kiel 1995, ISBN 978-3-88312-011-9. Lehrbuch der Statistik in KMSS. Bände 1/1 und 1/2. Band 1/1: Überblick und niedrig-komplexe Verfahren. Band 1/2: Niedrig-komplexe Verfahren. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1988 – 1990. Lehrbuch der Statistik in KMSS 1,1 Überblick und niedrig-komplexe Verfahren: Versuchsplanung, Einteilungssystem der Statistik, Handhabung von KMSS, beschreibende Statistik, Transformation, Wahrscheinlichkeitslehre, verteilungsabhängige Prüfverfahren. Dt. Studien-Verl., Weinheim 1988, ISBN 978-3-89271-100-1 Lehrbuch der Statistik in KMSS 1,2 Niedrig-komplexe Verfahren (Fortsetzung): parameterfreie Prüfverfahren, Auswertung von Nominal-Daten, Item-Analyse und eindimensionale Skalierung, univariate Veränderungsmessung. Dt. Studien-Verl., Weinheim 1990, ISBN 978-3-89271-112-4. Generalität und Binnenstruktur von Persönlichkeitseigenschaften. Mehrebenen-Analyse als Ausweg aus der Personalismus-Situationismus-Debatte. Dt. Studien-Verl., Weinheim 1987, ISBN 978-3-89271-060-8. Kategoriale Struktur von Unterrichtsfächern und Unterrichtsdifferenzierung. Klett, Stuttgart 1974, ISBN 978-3-12-924950-5 Mit Franz Petermann: Abbildung von Lernwegen. R. Oldenbourg, München, 1970, ISBN 978-3-486-14561-8.

Herausgeberschaften Mit Holger Probst: Lernwege-Abbildung. Anwendung und Verfahren der Voraussetzungs-Clusteranalyse. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1994, ISBN 978-3-89271-493-4.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Hierarchische Trend-Abschnitt-Komponenten-Analyse: HTAKA; Ein Verfahren zur Analyse von Zeitreihen. In: Zeitschrift für empirische Pädagogik und pädagogische Psychologie, Beiheft 2. Fördern Aggression und Gewalt in Filmen aggressiv-gewalttätiges Verhalten von Schülern? Sammelreferat und Darstellung einer empirischen Pilotstudie. In: Klaus-Ove Kahrmann; Niels Reise ; Claus Spitzmann (Hrsg.). Kamera läuft …! Handlungsorientierte Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen (S. 68–151). Bundesverband Jugend und Film, Frankfurt/Main, 1993, ISBN 978-3-89017-139-5.

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Einzelnachweise

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