mini|hochkant|Westansicht der alten Johanneskirche in Ebernburg Die evangelische Johanneskirche ist ein im Kern romanisches, unter Denkmalschutz stehendes Kirchengebäude in Ebernburg, einem Stadtteil der rheinland-pfälzischen Kurstadt Bad Kreuznach im gleichnamigen Landkreis. Die Kirche wird auch Wehrkirche Ebernburg oder alte Johanneskirche genannt, da sie in die mittelalterliche Stadtmauer des Ortes einbezogen war und mit der neuromanischen katholischen Kirche St. Johannes der Täufer eine zweite Johanneskirche im Ort existiert. Die protestantische Kirchengemeinde gehört zum Dekanat Donnersberg innerhalb der Evangelischen Kirche der Pfalz.
Geschichte Die Johanneskirche in Ebernburg ist romanischen Ursprungs und wird 1212 erstmals urkundlich erwähnt. Das Langhaus der Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert, der Anbau des Turmes im Westen folgte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Wehrkirche war ursprünglich in die Stadtmauer des Ortes einbezogen und diente bis 1698 als Vorwerk der Ebernburg, mit der sie durch unterirdische Gänge verbunden war. Für 1512 ist eine Erneuerung von Kirchenschiff und Chor überliefert.
Mit Einführung der Reformation auf der Ebernburg unter Franz von Sickingen wechselte auch die Ortsgemeinde zwischen 1520 und 1523 zum protestantischen Bekenntnis. Nach der Rückkehr der Grafen von Sickingen zum Katholizismus im 17. Jahrhundert wurde die Johanneskirche ab 1684 als Simultankirche von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt. In diese Zeit fällt auch die Kirchenrenovierung von 1805, die vom Ebernburger Bürgermeister Conrad Rapp veranlasst wurde. Nachdem das Simultaneum 1902 aufgehoben worden war, wurde 1930 erneut eine grundlegende Renovierung der Kirche vorgenommen, im Zuge derer der Innenraum saniert, die romanischen Fenster freigelegt und der Eingang zum Kirchenraum verlegt wurde. Bei Restaurierungsarbeiten 1973/74 folgte der Einzug einer neuen Decke im Innenraum.
Baubeschreibung mini|hochkant|Südostansicht der Kirche Die alte Johanneskirche ist eine im Kern romanische Wehrkirche. Das Langhaus aus dem 12. Jahrhundert ist als einschiffiger Saalbau ausgeführt, im Osten schließt ein eingezogener Chor mit geradem Schluss an. Der 20 Meter hohe Kirchturm erhebt sich auf quadratischem Grundriss, ist im Westen ans Langhaus angebaut und stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Er trägt einen gemauerten pyramidenförmigen Turmhelm und ist als Wehrturm ausgeführt, wovon seine massiven Mauern mit mehreren Schießscharten zeugen. Ein Eingang in der südlichen Turmwand führt über die gewölbte Turmhalle in den Kirchensaal.
Der Kirchensaal ist von Westen (Orgelempore) nach Osten (Chorraum) ausgerichtet. Ein Mittelgang führt zwischen zwei Bankblöcken auf den Altar zu. Die Innenwände des Langhauses sind weiß gestrichen und von drei schlicht verglasten Fensterachsen durchzogen, wobei die hochsitzenden romanischen Fenster teilweise erhalten sind. Eine weiße Kassettendecke aus Holz mit goldenem Rankenmuster überspannt Kirchenschiff und Chorraum. Im Zentrum des Chores steht ein blau-grauer Altartisch mit Goldornamenten. Die hölzerne Kanzel ist im gleichen Stil ausgeführt und an der rechten Seite des Altarraums angebracht, das Taufbecken aus hellem Stein steht auf der linken Seite. Drei spätgotische Maßwerkfenster sind in die Wände des Chorraums im Norden, Osten und Süden eingelassen und ermöglichen den Einfall von Tageslicht. Die Orgelempore befindet sich gegenüber dem Chor im Westen. Goldornamente zieren die Kapitelle ihrer Säulen und den blauen Orgelprospekt, dessen Kassettierung auf jene der weiß-grauen Emporenbrüstung abgestimmt ist.
Ausstattung mini|Innenraum, Blick zur Orgelempore Die Ausstattung der Kirche ist relativ schlicht. Besonders hervorzuheben sind die hölzerne Kassettendecke mit goldenem Rankenmuster, die blau-graue Holzkanzel mit Goldornamenten sowie die modernen Buntglasfenster im Chorraum von Erhardt Klonk in spätgotischem Maßwerk des 16. Jahrhunderts. Das mittlere Chorfenster stammt aus dem Jahr 1951 und zeigt das Motiv der Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes zu beiden Seiten des Gekreuzigten. Die beiden seitlichen Chorfenster wurden 1961 angefertigt und stellen die Verkündigung des Herrn (links) sowie Christi Geburt (rechts) dar. In der Turmhalle stehen zudem mehrere Wappengrabsteine von 1607 und 1615 des Adelsgeschlechts der Sickinger, unter deren Herrschaft sich die Burg Ebernburg und der gleichnamige Ort bis 1771 befanden.
Orgel mini|Spieltisch der Oberlinger-Orgel Die heutige Orgel wurde um 1978 von Oberlinger in Windesheim gebaut. Die Disposition umfasst neun Register auf einem Manual und Pedal. Manual C–g3 Gedackt 8′ Salicional 8′ Principal 4′ Flöte 4′ Octave 2′ Mixtur IV Trompete 8′Pedal C–d1 Subbass 16′ Octavbass 8′
Koppeln: Pedalkoppel
Glocken Das Geläut der Johanneskirche besteht aus den folgenden drei Glocken: +Nr.SchlagtonDurchmesserGussjahrGießereiInschrift1b′ 90 cm1429unbezeichnet „Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bone d(omi)ni MCCCCXXIX“2des″ 1959F. W. Schilling3es″1761unbezeichnet
Weblinks
Informationen zur Alten Johanneskirche auf der Website der Protestantischen Kirchengemeinde Ebersburg
Einzelnachweise
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