Die Vergabe von Kfz-Kennzeichen in Deutschland geht zurück bis in das Jahr 1906. (Die Freie Stadt Lübeck schrieb bereits durch Verordnung vom 1. Oktober 1903 polizeiliche Kennzeichen an Kraftfahrzeugen vor.) Von 1906 bis 1956 wurden im Zuge politischer Veränderungen mehrere Systeme von Kfz-Kennzeichen verwendet, bis das heute gebräuchliche System eingeführt wurde. Von 1953 bis 1990 hatte zudem die DDR ein eigenes Kennzeichensystem.

Deutsches Reich 1906–1945 mini|Kfz-Kennzeichen der Provinz Schleswig-Holstein im Deutschen Reich Am 3. Mai 1906 fasste der Bundesrat den Beschluss über „Grundzüge betr. den Verkehr mit Kraftfahrzeugen“, die durch Verordnungen der einzelnen Bundesstaaten ausgeführt wurden.Martin Isaac: Das Recht des Automobils nach den Polizeibestimmungen des In- und Auslandes. Rechtsvergleichende Darstellung für Polizeibeamte, Juristen und Automobilfahrer in Form von Erläuterungen zu den Deutschen Automobil-Verordnungen (Grundzügen des Bundesrats vom 3. Mai 1906). 2. Auflage, Berlin 1907. Damit wurden auch polizeiliche Kennzeichen und das Rechtsfahren mit Linksüberholen im ganzen Deutschen Reich allgemeingültig eingeführt.

Preußen I A Landespolizeibezirk Berlin I B Grenzmark Posen-Westpreußen (1922–1938) I C Provinz Ostpreußen I D Provinz Westpreußen (bis 1922) I E Provinz Brandenburg I H Provinz Pommern I K Provinz Schlesien (1906–1919, 1938–1941)Provinzen Ober- und Niederschlesien (1919–1938, 1941–1945) I L Hohenzollernsche Lande („Regierungsbezirk Sigmaringen“) I M Provinz Sachsen I P Provinz Schleswig-Holstein I S Provinz Hannover I T Provinz Hessen-Nassau I X Provinz Westfalen I Y Provinz Posen (1906–1922)Regierungsbezirk Düsseldorf (1928–1945) I Z Rheinprovinz (ab 1928 ohne Regierungsbezirk Düsseldorf)

Bayern mini|Vorderes Zweirad-Kennzeichen aus Nürnberg II A Stadtbezirk München II B Kreis Oberbayern II C Kreis Niederbayern II D Kreis Pfalz II E Kreis Oberpfalz II H Kreis Oberfranken II M Bayerisches Militär (1910–1919) II N Stadtbezirk Nürnberg II P Post (1910–1923) II S Kreis Mittelfranken II U Kreis Unterfranken II Z Kreis Schwaben

Sachsen I Kreishauptmannschaft Bautzen (1906–1932)Kreishauptmannschaft Dresden-Bautzen (1932–1945) II Kreishauptmannschaft Dresden (1906–1932)Kreishauptmannschaft Dresden-Bautzen (1932–1945) und Polizeipräsidium Dresden III Kreishauptmannschaft Leipzig und Polizeipräsidium Leipzig IV Kreishauptmannschaft Chemnitz und Polizeipräsidium Chemnitz V Kreishauptmannschaft Zwickau und Polizeiämter Zwickau und Plauen

Württemberg III A Neckarkreis (Polizeidirektion Stuttgart) III C Neckarkreis (Oberämter Backnang, Besigheim, Brackenheim, Cannstatt (1906–1923) und Esslingen) III D Neckarkreis (Oberämter Heilbronn, Leonberg, Ludwigsburg, Marbach und Maulbronn) III E Neckarkreis (Oberämter Neckarsulm, Amtsoberamt Stuttgart, Vaihingen, Waiblingen und Weinsberg (1906–1926)) III H Schwarzwaldkreis (Oberämter Balingen, Calw, Freudenstadt, Herrenberg, Horb und Nagold) III K Schwarzwaldkreis (Oberämter Neuenbürg, Nürtingen, Oberndorf, Reutlingen und Rottenburg) III M Schwarzwaldkreis (Oberämter Rottweil, Spaichingen, Sulz, Tübingen, Tuttlingen und Urach) III P Jagstkreis (Oberämter Aalen, Crailsheim, Ellwangen, Gaildorf und Gerabronn) III S Jagstkreis (Oberämter Gmünd, Hall, Heidenheim und Künzelsau) III T Jagstkreis (Oberämter Mergentheim, Neresheim, Öhringen, Schorndorf und Welzheim) III X Donaukreis (Oberämter Biberach, Blaubeuren, Ehingen, Geislingen, Göppingen und Kirchheim) III Y Donaukreis (Oberämter Laupheim, Leutkirch, Münsingen, Ravensburg und Riedlingen) III Z Donaukreis (Oberämter Saulgau, Tettnang, Ulm, Waldsee und Wangen) III WP Post (1912–1923)

Übrige Bundesstaaten mini|Vorderes Zweiradkennzeichen aus dem Landkreis Büdingen (Hessen) mit der Besonderheit eines Dienstsiegels anstelle eines Stempels, der sonst üblich war mini|Thüringisches KfZ-Kennzeichen (1930er Jahre) IV B Baden V H Hessen (1937–1945) V O Hessen, Provinz Oberhessen (1906–1937) V R Hessen, Provinz Rheinhessen (1906–1937) V S Hessen, Provinz Starkenburg (1906–1937) VI A Elsaß-Lothringen, Bezirk Unterelsaß (1906–1918) VI B Elsaß-Lothringen, Bezirk Oberelsaß (1906–1918) VI C Elsaß-Lothringen, Bezirk Lothringen (1906–1918) A Anhalt B Braunschweig CG Sachsen-Coburg und Gotha (1906–1918)Sachsen-Gotha und Coburg (1918–1920) HB Hansestadt Bremen HH Hansestadt Hamburg HL Hansestadt Lübeck (1906–1937) L Hansestadt Lübeck (1903-1906) L Lippe (1906-1945) M Mecklenburg (1934–1945) M I Mecklenburg-Schwerin (1906–1934) M II Mecklenburg-Strelitz (1906–1934) O I Oldenburg O II Oldenburg, Landesteil Lübeck (1906–1937) O III Oldenburg, Landesteil Birkenfeld (1906–1937) RA Reuß älterer Linie (1906–1920) RJ Reuß jüngerer Linie (1906–1920) S Sachsen-Weimar-Eisenach (1906–1920) SA Sachsen-Altenburg (1906–1920) SAAR Saargebiet (1920–1935) Saar Saarland (1935–1945) SL Schaumburg-Lippe SM Sachsen-Meiningen (1906–1920) SR Schwarzburg-Rudolstadt (1906–1920) SS Schwarzburg-Sondershausen (1906–1920) T Thüringen (1920–1922) Th Thüringen (1922–1945) W Waldeck (1906–1929)

Nichtprivate Kraftfahrzeuge MK Militärkraftwagen des Deutschen Heeres (1914–1919) RP Reichspost (1923–1945) RW Reichswehr (1923–1935)

Deutsches Reich 1933–1945 mini|rechts|Kennzeichen Organisation Todt (Reichsadler in der Vergrößerung erkennbar) mini|Militärfahrzeug mit Kennzeichen der Wehrmacht, Heer WH-1229875 mini|Leichter geländegängiger PKW der Wehrmacht, Heer mit Kennzeichen WH-240663 mini|Schwerer geländegängiger PKW der SS mit Kennzeichen SS-79996 Nichtprivate Kraftfahrzeuge wurden territorial unabhängig mit folgenden Kennzeichen versehen:

DR Deutsche Reichsbahn (1933–1945) FG Feldgendarmerie (1944)Kfz-Kennzeichen Deutschland (vor 1945) (russisch). Fp.-Nr. Feldpost-Nummer (1940; temporäre Nummer) LC Legion Condor (1936–1939; deutsche Truppen in Spanien) OT Organisation Todt (1943–1945) Pol Polizei, Technische Nothilfe (1935–1945) RAD Reichsarbeitsdienst (1941–1945) RK Deutsches Rotes Kreuz (1943–1945) RP Reichspost (1923–1945) RW Reichswehr (1923–1935) SP Sicherheitspolizei (ab 1941) SS Schutzstaffel (1936–1945; Kürzel wurde als Siegrune dargestellt) WH Wehrmacht, Heer (1935–1945) WL Wehrmacht, Luftwaffe (1935–1945) WM Wehrmacht, Kriegsmarine (1935–1945) WP Wehrmacht, Polizei (1944; Militärpolizei) WT Wehrmacht, Straßentransportdienst Ost (1943–1945)

Mit dem Anschluss Österreichs am 13. März 1938 wurde dort die deutsche Systematik zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen übernommen. Die geltenden Vorschriften zum Erscheinungsbild der Kennzeichen (siehe Historische Kfz-Kennzeichen (Österreich)) blieben aber erhalten, obwohl ein deutlicher Unterschied zu den deutschen bestand. Die Kennzeichen waren mit weißer Schrift auf schwarzem Grund ausgeführt und trugen ab 1939 folgende Buchstabengruppen zur Kennzeichnung der Landesteile:

K Kärnten Nd Niederdonau (Niederösterreich) Od Oberdonau (Oberösterreich) Sb Salzburg St Steiermark TV Tirol-Vorarlberg W Wien

Das Burgenland verlor seine Selbstständigkeit. Es wurde auf die Reichsgaue Steiermark und Niederdonau aufgeteilt und erhielt daher keine eigene Buchstabengruppe.

Mit der von der Tschechoslowakei erzwungenen Abtretung des Sudetenlandes im Herbst 1938 wurde das Kennzeichen S für den Bereich der Regierungsbezirke Karlsbad, Aussig und Troppau eingeführt. Diejenigen Gebiete, die an umliegende Gaue des Deutschen Reiches (Niederdonau, Oberdonau, Bayern) angegliedert wurden, erhielten die jeweils dort geltenden Kennzeichen. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei am 15. März 1939 wurde das Protektorat Böhmen und Mähren mit eigenen Kfz-Kennzeichen geschaffen.

PA Böhmen PB Mähren PC Bahn- und Postverwaltung PD Prag PS Sicherheitsorgane PV Verwaltung S Sudetenland

Im Oktober 1939 wurden vom Deutschen Reich Teile des besetzten Polens annektiert. Den Provinzen Ostpreußen und Schlesien zugeschlagene Gebiete erhielten die dortigen Kfz-Kennzeichen. Das übrige annektierte Territorium wurde in zwei Reichsgaue eingeteilt. Das Gebiet der Freien Stadt Danzig (1920–1939: Kennzeichen DZ, ovales Nationalitätszeichen DA) kam zum Reichsgau Danzig-Westpreußen.

Aus den nicht ans Reich angeschlossenen Gebieten des besetzten Polen wurde das sogenannte Generalgouvernement gebildet, das 1939 bis 1942 ein eigenes Unterscheidungszeichen besaß; danach wurden in dessen Distrikten eigene Kfz-Kennzeichen benutzt:

DW Danzig-Westpreußen P Posen (1939–1940)Wartheland (1940–1945) Ost Generalgouvernement (1939–1942) I Ost Generalgouvernement, Distrikt Krakau II Ost Generalgouvernement, Distrikt Radom III Ost Generalgouvernement, Distrikt Lublin IV Ost Generalgouvernement, Distrikt Warschau V Ost Generalgouvernement, Distrikt Galizien

Nach der Eroberung Frankreichs und der Benelux-Länder wurden das Elsass, Lothringen und Luxemburg annektiert. Die elsässischen Gebiete erhielten dabei die Ziffer IV analog zu Baden, mit dem sie zu einem Gau vereinigt werden sollten. Lothringen sollte zusammen mit der Pfalz und dem Saarland zur Westmark vereinigt werden.

IV ST Landkreis Straßburg IV T Landkreise Altkirch, Mülhausen und Thann IV U Landkreise Erstein, Molsheim, Schlettstadt IV X Landkreise Gebweiler, Colmar und Rappoltsweiler IV Z Landkreise Hagenau, Weißenburg und Zabern Lux Luxemburg Wm Westmark

Während des Krieges gegen die Sowjetunion mussten in den besetzten Gebieten folgende Kennzeichen benutzt werden:

LT Litauen (1941–1942) LS Lettland (1941–1942) Est Estland (1941–1942) RO Reichskommissariat Ostland (1942–1945) RKU Reichskommissariat Ukraine (1941–1942) RU Reichskommissariat Ukraine (1942–1945)

Im Bereich der Militärbefehlshaber in besetzten und befreundeten Ländern wurden folgende Kennzeichen geführt.www.kennzeichengeschichte.de

+ Ab 1941 MB Militärbefehlshaber von Belgien und Nordfrankreich MD Militärbefehlshaber von Dänemark MF Militärbefehlshaber von Frankreich MG Militärbefehlshaber des Generalgouvernements MH Militärbefehlshaber von Holland (Niederlande) MN Militärbefehlshaber von Norwegen MO Militärbefehlshaber des Ostlands MR Militärbefehlshaber von Rumänien MS Militärbefehlshaber Südost (Serbien und Griechenland) MU Militärbefehlshaber der Ukraine

+ Ab 1942 RK Reichskommissare der besetzten norwegischen und niederländischen Gebiete ZB Militärbefehlshaber von Belgien und Nordfrankreich (nichtwehrmachtseigene Fahrzeuge) ZF Militärbefehlshaber von Frankreich (nichtwehrmachtseigene Fahrzeuge)

+ Ab 1943 ZO Militärbefehlshaber des Operationsgebietes Ost (nichtwehrmachtseigene Fahrzeuge)

Deutschland 1945–1956 mini|Vorderes Motorrad-Kennzeichen aus der französischen Besatzungszone (BD 32: Stadtkreis Konstanz, Baden, 1945–1949), überlackiert mini|Kfz-Kennzeichen aus der britischen Besatzungszone: Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein mini|Motorradkennzeichen aus der britischen Besatzungszone: Siegkreis, Nordrhein-Westfalen mini|Kennzeichen der sowjetischen Besatzungszone: Stadt Dresden, Sachsen mini|Ford Taunus mit Kennzeichen aus dem britisch besetzten Nordrhein-Westfalen vor der SMAD Thüringen in Weimar, ca. 1954 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen geteilt. Die Vier Mächte führten jeweils eigene Registrierungen und Kennzeichnungen von Kraftfahrzeugen durch. Ende 1945 wurden die ersten einheitlichen Kennzeichen eingeführt. In der britischen Besatzungszone war zunächst ein dem heutigen Prinzip ähnelndes Verfahren üblich. Die drei Anfangsbuchstaben standen als Kennzeichen für den Zulassungsbezirk (wie bei DUS für Düsseldorf).