mini|hochkant=0.8|Der „Goldene Mann von Issyk“, Kataphrakten-Kleidung aus Gold aus dem Kurgan von Issyk (heute Jessik) in Kasachstan miniatur|hochkant|Der Tigraxauda-Sakenkönig Skuncha als Gefangener des Dareios I., Behistun-Inschrift
Die Saken (in Indien Shaka, in Persien Sakā) waren (vielleicht vorwiegendJürgen Paul: Neue Fischer Weltgeschichte. 2012. Band 10: Zentralasien, S. 57–58: „Dass viele von ihnen iranische Sprachen gesprochen haben, soll nicht unerwähnt bleiben, aber es ist sicher, dass die kulturellen Merkmale auch von anderen ethnisch-linguistischen Gruppen repräsentiert werden. Es ist nicht ganz klar, ob zur skythischen Konföderation nicht auch Gruppen gehört haben ... die also z. B. keine iranische Sprache sprachen.“) iranischsprachige Nomadenverbände in Zentralasien.
Im engeren Sinne bezeichnet die althistorische Forschung höchstwahrscheinlich iranische Stammesgruppen als „Saken“, die vom 8. bis 1. Jahrhundert v. Chr. in den Steppen des östlichen Zentralasiens lebten. In der Altiranistik bezeichnen einige Autoren die „sakā“ im weiteren Sinne als alle iranischen Steppennomaden vom 8. bis 1. Jahrhundert v. Chr. Die Archäologie sieht diese Saken als mittelasiatische Vertreter der Kultur der Skythen.
Die ursprünglich nomadischen Saken wurden im 7. und 6. Jahrhundert im westlichen Tarimbecken und in der Region um den Syrdarja teilweise sesshaft. Mit der Expansion der Yuezhi im 2. Jahrhundert v. Chr. emigrierten einige Saken vom Syrdarja in die nach ihnen benannte Region Sistan und die nordindische Region Gandhara, von wo aus sie gemeinsam das Reich der Indo-Skythen bzw. Indo-Saken gründeten (ca. Ende 2. Jahrhundert v. Chr. bis Anfang 1. Jahrhundert n. Chr.), dessen regionale Nachfolgestaaten im westlichen Indien noch bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. fortbestanden. Im Tarimbecken wurden sakische Texte noch bis ins 10. Jahrhundert n. Chr. geschrieben.
Verwendung des Namens „Saken“ Nach Herodot wurden die Skythen von den Persern Saken (sakā) genannt. Wie im antiken Europa der Sammelbegriff „Skythe“, war in Quellen des altpersischen Achämenidenreiches der Name sakā/„Sake“ oft einfach eine allgemeine Bezeichnung für jeden Steppenbewohner.Yu Taishan: The Name “Sakā”. in: Sino-Platonic Papers. Nr. 251 (August 2014), Philadelphia. Beispielsweise haben die antike Teilregion Sakasene im Reich Albania im Kaukasus (heutiges Aserbaidschan) und auch die in der Nähe liegende Stadt Scheki ihre Namen vom altpersischen sakā, wohin im Altertum aber skythische Nomaden aus der Schwarzmeerregion einwanderten. An diese beiden Traditionen anknüpfend werden in althistorischer Literatur manchmal alle kulturell einander sehr nahe stehenden „skythischen“ Reitervölker etwa des 8. Jahrhunderts v. Chr.–1. Jahrhundert v. Chr./ 3. Jahrhundert n. Chr. zwischen unterer Donau, Altai, Südsibirien und Oxus (Amudarja) verallgemeinernd als „Skythen“ bezeichnet, in iranistischer Literatur dagegen als „Saken“ oder sakā.
Im Allgemeinen ist es aber üblich, zwischen den sicher unterscheidbaren Gruppen der Skythen im engeren Sinne (südrussisch-ukrainische Steppen ca. 8.–3. Jahrhundert v. Chr.), Sarmaten (anfangs weiter östlich, 3. Jahrhundert v. Chr.–3. Jahrhundert n. Chr. im ehemals skythischen Gebiet), Massageten (6.–3. Jahrhundert v. Chr. rund um den Aralsee) und den Saken im engeren Sinne im östlichen Kasachstan und Usbekistan und im westlichen Xinjiang zu unterscheiden. Außerdem werden oft die namentlich unbekannten Träger der eisenzeitlichen skythischen archäologischen Kulturen in Südsibirien und im Altai (Aldy-Bel-Kultur, Tagar-Kultur, Sagly-Baschi-Kultur, Pasyryk-Stufe, Tes-Stufe) davon unterschieden (manchmal unter dem Sammelbegriff „Altai-Skythen“ zusammengefasst).
Welche Stammesverbände und Stammeskonföderationen im Bereich der Saken im engeren Sinne aber genau existierten (dazu siehe auch Ethnogenese), ist nicht geklärt. Griechische Autoren, besonders Herodot, geben Mythen über die Stämme weit im Osten wieder, darunter die Melanchlänen (=Schwarzmäntler), die Hypoerboräer (=jenseits des Nordens lebende), die Arimaspen (=Einäugige; Herodot glaubt selbst nicht an ihre Existenz), die „goldhütenden Greifen“ (nach dem archäologisch oft nachweisbaren Fabeltier Greif), die Argippaioi und die Issedonen. Die Issedonen werden manchmal hypothetisch mit den Wusun oder mit der später erwähnten sakischen Gruppe der Asii verbunden. Insgesamt sind diese weit entfernten Erzählungen aber unzuverlässig und zu legendenhaft für sichere Zuordnungen und Lokalisierungen. Strabon erwähnt einige Jahrhunderte später andere Stammesgruppen im sakischen Bereich: die Asii, Pasiani (in anderen Handschriften Gasiani), Tochari (im 19./ Anfang 20. Jahrhundert zu Namensgebern der tocharischen Sprachen erhoben, was aber wohl falsch war, der etablierte Name dieser Sprachen ist deshalb irreführend) und die Sacarauli.Strabon XI,8,2 (englische Übersetzung der Handschrift von Lacus Curtius durch H.L. Jones (Harvard) 1917–1932) Auch diese Angaben sind aus großer Entfernung unsicher und schwer zu lokalisieren. Trotz zahlreicher Hypothesenbildungen lassen sich die sakischen Stammesverbände also nicht sicher klären.
Sprache
mini|Königreiche im Tarimbecken an der Seidenstraße im 3. Jahrhundert n. Chr. rund um die Wüste Taklamakan. Das Königreich von Khotan ist grün, im Südwesten, die Handelsstadt Tumxuk liegt im Westen des Königreiches von Kucha (orange). Das Königreich von Kaschgar mit Yarkant, Taschkorgan und Umgebung ist violett. Die meisten oder alle Saken im engeren Sinne, die bis zum 2. Jh. v. Chr. als Nomaden zwischen Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und West-China lebten, sprachen die sakische Sprache, die nur in zwei weit östlichen Dialekten im heutigen West-China, im Westen des Tarimbecken, durch alte Texte gut belegt ist. Die Saken hatten sich dort seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. angesiedelt. Die Saken, die ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. in das Gebiet zwischen Sistan und Nordwest-Indien eingewandert waren, verwendeten fremde Sprachen als Schriftsprache. Überlieferte Redewendungen, Personennamen und Fremdwörter lassen aber eine dem in Westchina überlieferten Sakischen ähnliche Sprache erkennen. Aus der frühen Nomadenzeit der Saken ist nur eine im Grabhügel von Issyk (4./3. Jahrhundert v. Chr.) gefundene, trotz mehrerer Entzifferungsversuche nicht überzeugend entzifferte Schrift bekannt, die große Ähnlichkeit zu späteren, ebenfalls nicht entzifferten Inschriften in der historischen Region Baktrien hat. Ihre Bezeichnung als „sakische Schrift“ ist umstritten, ihre Sprache und Lesung ist bisher unbekannt (siehe Artikel Issyk-Kuschana-Schrift). mini|Khotansakisches Dankespoem an die Eroberer des Königreichs Tibet Ende 8. Jahrhundert n. Chr., das „Land von Khotan zu beschützen“ Sakische buddhistische und profane Texte wurden im Gebiet des antiken Königreich von Hotan im südwestlichen Tarim gefunden, genauer in Hotan (Khotan) und Umgebung, daher verwendet man auch oft den Begriff Khotan-Saken. Weitere Texte kommen aus Tumxuk und Umgebung im nordwestlichen Tarim. Auch in der Umgebung Taschkorgan (Stätte der Steinernen Stadt), südwestlich schon im Pamir gelegen, wurde in der Antike Sakisch gesprochen, wo bis heute ähnliche iranische Sprachen gesprochen werden.Victor Mair & Prods Oktor Skjævø: Chinese Turkestan II. In Pre-Islamic Times. in: Encyclopædia Iranica, achter Absatz. Ob damals auch in den dazwischen liegenden Städten Kaschgar und Yarkant Sakisch gesprochen wurde, ist gut denkbar, aber nicht zu klären, weil die buddhistischen Texte dort nicht in einheimischen Sprachen, sondern in mittelindischen Fremdsprachen Prakrit geschrieben wurden. Die im trockenen Wüstenklima der Taklamakan konservierten Texte stammen erst aus einem relativ späten, frühmittelalterlichen Zeitraum im 7.–10. Jahrhundert.James Patrick Mallory: , S. 46. Die Verwendung und Niederschrift des Sakischen endete, weil sich nach der tibetischen Herrschaft turksprachige Uiguren im Tarimbecken ansiedelten und regionale Reiche gründeten, wodurch das Uigurische als schon etablierte Schriftsprache und angesehene Sprache der Oberschicht schrittweise das Sakische, wie auch die regional älteren indoeuropäischen, aber nicht iranischen tocharischen Sprachen, die in mittleren und östlichen Teilen des Tarim gesprochen und geschrieben wurden, verdrängte und so die Saken und Tocharer in die Uiguren assimilierte.
Die sakische Sprache wird den südostiranischen Sprachen zugeordnet, während die Sprachen der kulturell nahestehenden Skythen und Sarmaten zu den nordostiranischen Sprachen gezählt werden. Weil iranische Sprachen in vorchristlicher Zeit noch ähnlich waren, gehen Forscher von einem Dialektkontinuum (d. h. regional nahestehenden Dialekten) zwischen den im heutigen Südrussland/Ukraine bis zum 2. Jh. v. Chr. lebenden skythischen Nomaden und den Saken aus, mit der jüngeren Stammeskonföderation der Sarmaten, die ab dem 4. Jh. v. Chr. die älteren Skythen verdrängten oder integrierten. In der Iranistik existiert die Forschermeinung, dass einige südostiranische Gebirgssprachen im Pamir, besonders die von den Tadschiken Chinas im autonomen Kreis Taschkorgan gesprochenen Sprachen Sariqoli und Wakhi (vgl. Wakhi), auf Reste des Sakischen zurückgehen könnten, aber es ist schwer zu bestimmen, ob sie direkt aus dem Sakischen oder nahestehenden Dialekten entstanden.Victor Mair & Prods Oktor Skjævø: Chinese Turkestan II. In Pre-Islamic Times. in: Encyclopædia Iranica, achter Absatz; James Patrick Mallory:
Archäologie sakischer Nomaden mini|Das Himmelspferd ist ein bronzener Zeremonialaufsatz mit einem stehenden Pferd, der von den Sakas zwischen dem 4. und 1. Jahrhundert v. Chr. geschaffen wurde. Siedlungsgebiet und Kultur Die Saken nomadisierten in der heutigen Kasachensteppe zwischen Aralsee, dem Gebiet beiderseits des Tianshan-Gebirges und West-China, einschließlich Kirgisistan und Tadschikistan. Im Unterschied zu den meisten Skythen in Europa, die eine der Phrygermütze (Baschlik) ähnliche Kopfbedeckung verwendeten, trug ein Teil der Saken hohe, spitze Filzmützen, weshalb sie von antiken Autoren Spitzhütige Skythen genannt wurden.
Von der Archäologie werden sie mit der Issyk-Beschsatyr-Kultur in Verbindung gebracht. Die nomadische Lebens- und Wirtschaftsweise, Totenkult im Kurgan und Sachkultur weisen viele Gemeinsamkeiten mit anderen Stämmen der skythischen Welt zwischen Sibirien und dem Schwarzmeerraum auf. Grabungsfunde in ihrem Zusammenhang datieren ins 7./6. Jahrhundert v. Chr.
mini|Sakischer Bronzekessel aus der Nähe von Almaty/Kasachstan, 5.–3. Jahrhundert v. Chr.
Während die meisten Bestattungsriten und archäologischen Merkmale der Saken anderen skythenzeitlichen Nomadengruppen (südrussisch-ukrainische Skythen, Sarmaten, Massageten und zeitgleiche archäologische Kulturen im Altai und Umgebung) sehr ähneln, bis hin zum gemeinsamen skythisch-sakischen Tierstil, sind offenbar rituell verwendete Bronzekessel mit hohem Standfuß eine Besonderheit der Saken und der Altairegion. Diese Bronzekessel, später ab der Zeit der Hunnen in der gesamten Steppenregion verbreitet, waren zur Skythenzeit nur in Gräbern mittelasiatischer Saken und der Altairegion sehr häufig, in massagetischen, sarmatischen und westskythischen Gräbern dagegen faktisch unbekannt.Hermann Parzinger: Die frühen Völker Eurasiens: vom Neolithikum bis zum Mittelalter. München 2006, S. 660–661.
Entlang des Syrdarja waren Teile der Saken aufgrund ausreichenden Ackerlands auch in Städten und Dörfern sesshaft und hinterließen besser ausgebaute Grabmäler (z. B. Kuppelgrab von Balandy, Friedhof von Ujgarak, Tegermansu III). Es gab hier offenbar eine Koexistenz von Sesshaften und Nomaden (siehe unter anderem auch Pamiris).