Four Compositions (Duets) 2000 ist ein Musikalbum von Anthony Braxton mit Alex Horwitz. Die am 30. und 31. Oktober 2000 im Studio The Spirit Room in Rossie (New York) entstandenen Aufnahmen erschienen 2001 auf CIMP.

Hintergrund Die sogenannten „Kompositionen“ dienen gemeinsam als ausschweifende Diskurse über die Absurdität der modernen Gesellschaft und Popkultur, beschreibt Derek Taylor die musikalische Handlung bei der Zusammenarbeit des Holzbläsers Anthony Braxton mit dem Spoken-Word-Künstler Alex Horwitz. Jedes Stück sei einem „Meisterkomiker“ gewidmet, und zu den Geehrten zählen Jonathan Winters, Henny Youngman, Lenny Bruce und Flip Wilson. Horvitz nimmt die Tendenz, technologischen Referenzen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben, und die Absurdität mancher Werbeslogans aufs Korn. Ausführlich sinniert er vor dem mitunter strengen Hintergrund von Braxtons verschiedenen Instrumenten und experimentiert mit Stimmmodulationen und Objektmanipulationen. Zu diesen Übergängen gehören das Knistern von Papier und die Megaphon-Einwürfe, die Themen- und Richtungswechsel signalisieren. In „Komposition Nr. 282“ liest Horvitz Zeitungsausschnitte vor und improvisiert zu jedem Artikel zusammenfassende Bemerkungen, während Braxton parallel dazu Klangfarben und verschlungene Dialoge erzeugt.

Titelliste Anthony Braxton: Four Compositions (Duets) 2000 (CIMP 235) Composition No.281 6:16 Composition No.281 2:45 Composition No.281 3:56 Composition No.282 3:34 Composition No.282 11:17 Composition No.282 11:25 Composition No.282 5:15 Composition No.282 3:00 Composition No.282 (Part 2) 13:22 Composition No.280 1:31 Composition No.280 1:29 Composition No.283 2:38 Composition No.281 (Part 2) 0:17 Composition No.281 (Part 2) 2:19 Composition No.281 (Part 2) 5:01

Die Kompositionen und Arrangements stammen von Anthony Braxton und Alex Horwitz.

Die obige Titelliste entspricht der tatsächlichen Aufteilung und Unterteilung der Titel mit den auf dem Abspielgerät angezeigten Längen.

Auf dem Cover sind die Titel wie folgt aufgelistet: Composition No. 281 12:52 Composition No. 282 34:30 Composition No. 282 (Teil 2) 13:21 Composition No. 280 2:59 Composition No. 283 2:38 Composition No. 281 (Teil 2) 7:36

Composition No. 281 ist dem Komiker Jonathan Winters, Composition No. 282 dem Komiker Henny Youngman, Composition No. 280 dem Komiker Flip Wilson und Composition No. 283 dem Komiker Lenny Bruce gewidmet.

Rezeption Anthony Braxton habe im Laufe der Jahre einige ungewöhnliche Kollaborationen realisiert, doch dieses Album mit dem selbsternannten Komiker und Sänger Alex Horwitz dürfte wohl zu den seltsamsten zählen, meint Derek Taylor in All About Jazz. Als Mitglied einer Comedy-Truppe an der Wesleyan University, wo Braxton [zu dieser Zeit] lehrte, scheine er durchaus Talent zu haben. Sein Humor und sein Witz seien zwar oft unverkennbar, doch ihre Anwendbarkeit auf Braxtons improvisierte Begleitung wirke häufig fragwürdig. Braxton würde seine gewohnt wortreichen Erklärungen zum jeweiligen Material geben und sie in den Kontext seiner „trizentrischen Philosophie“ einbetten. Doch irgendetwas an dem Projekt, zumindest oberflächlich betrachtet, lasse es vage wie eine Farce erscheinen.

Selbst die virtuosesten Momente des Multiinstrumentalisten, etwa während einer schonungslosen mehrstimmigen Übung mitten im erwähnten Stück, würden durch Horwitz’ Rezitationsflut beeinträchtigt, so Taylor weiter. Doch es gebe auch zahlreiche Passagen, die von einer seltsam einnehmenden Wirkung durchdrungen sind. Solche Momente, etwa wenn Horwitz aus Horoskopen und Kinoprogrammen vorlese, würden nahelegen, dass selbst mit den harmlosesten Impulsen eine gelungene und bezaubernde Improvisation gelingen könne.

Horwitz’ Monologe seien willkürlich ausgewählt worden, meint John Litweiler in JazzTimes; dreimal knülle er lautstark seine Zeitung zusammen, und neunmal kündige er „Abfahrtsweg“ an und lese Zahlen durch ein Megafon vor. Der vielseitige Braxton würde zwar unterschiedlich auf die Lesungen reagieren, entwickle aber nie eine Passage länger als ein paar Minuten. Manchmal erzeuge seine Bewegung interessante Musik, wie etwa sein Altsaxophonspiel in den ersten sechs Minuten von Stück fünf oder seine Kontrabassklarinette in Stück sieben; die Form des letzten Stücks mit schnellem, temperamentvollem Altsaxophon und wenigen Worten sei durchaus bemerkenswert. Natürlich hätten Künstler wie Charles Mingus, Baraka, Joseph Jarman und Archie Shepp wertvolle Lyrik-Musik-Werke geschaffen; dieses Werk sei jedoch nicht mit ihrem Niveau vergleichbar.

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2001 Kategorie:Anthony-Braxton-Album