Günter Rudolf Kokott (* 1. Juni 1938 in Berlin; † 2026) war ein deutscher Maler.
Werdegang Günter Rudolf Kokott wurde am 1. Juni 1938 in Berlin geboren. Seine Eltern waren Rudolf Kokott, von Beruf Mechaniker und Clara, geb. Beil, Näherin. Rudolf Kokott war ein uneheliches Kind, dessen Mutter Sophie, ursprünglich aus Schlesien stammend, Zuflucht in Berlin, bei einem Vetter fand, der in der Schlesischen Straße in Berlin-Kreuzberg wohnte. Sophie arbeitete in der Modebranche, als Directrice eines jüdischen Modehauses am Hausvogteiplatz und hatte Verbindungen zur französisch inspirierten Modewelt. Sie bewohnte später zusammen mit ihrer Schwester eine Wohnung am Luisenufer in Kreuzberg. Ihr Sohn Rudolf wurde 1917 als Soldat eingezogen, er überlebte als Flugzeugmonteur, danach war er längere Zeit arbeitslos. Er heiratete 1924 Clara und bezog mit ihr eine Wohnung in Kreuzberg. Der Sohn Günter Rudolf wird nach 14-jähriger Ehe geboren. Während des 2. Weltkrieges arbeitete Rudolf bei Siemens. Clara nähte viele Jahre in Heimarbeit. Nach Kriegsende machte sie sich mit ihrer Schwester selbständig als Zwischenmeisterin in der Damenoberbekleidung, eine sich damals rasch erholende Branche. 1947 starb Rudolf Kokott an Tuberkulose. Günter Rudolf wuchs nun mit Mutter, Großmutter und Patentante auf. Ein männliches Vorbild fand er als Kind in einem Onkel, der Architekt war.
Nach dem Schulbesuch folgte eine Maurerlehre und Tätigkeit als Geselle. Eine Begabtenprüfung ermöglichte Günter Kokott ein Studium der freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Er lernte unter anderem bei Jaenisch, Klatt, Janssen und Max Kaus. Zu seinen Mitstudenten gehörte auch Georg Baselitz. Kokott absolvierte im Anschluss noch zwei weitere Studien: an der Staatlichen Ingeniuerschule für Bauwesen Berlin und an der Technischen Universität Berlin, für Architektur und Städtebau, wo er das Diplom bei Kreuer ablegte.
Günter Rudolf Kokott arbeitete von 1976 bis 2003 als Planungsbeauftragter in Berlin-Kreuzberg.
Malerei Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Planungsbeauftragter des Bezirks Kreuzberg blieb Kokott der Kunst und insbesondere der Malerei immer verbunden. Nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit widmete er sich ganz dem Malen und Zeichnen und tat dies bis zum Ende seines Lebens. Dabei konzentrierte er sich vor allem, aber nicht nur, auf seinen Heimatbezirk Kreuzberg, von dem er vielfältige Stadtlandschaften und Ansichten schuf. Hier fand er immer wieder Motive für seine Bilder, wie im legendären SO 36, wo er nicht nur geboren und aufgewachsen ist, sondern auch sein Leben lang wohnte und arbeitete. Diese Gegend hat ihn geprägt und ihn immer mit ihren historisch-politischen Entwicklungen und Veränderungen im Laufe der Zeiten angeregt. Auch die jahrzehntelang anhaltende Teilung der Stadt beeinflusste ihn und sein Schaffen. So blickte er aus dem Fenster seiner hoch gelegenen Wohnung in der Taborstraße, Ecke Görlitzer Ufer, Heckmann Ufer, wo Flutgraben und Landwehrkanal zusammenfließen, auf die Ost-Westgrenze. Auf seinem Bild "Mein Fensterblick" von 1983–84 sieht man "hüben Kreuzberg" und "drüben Treptow" mit einem Grenzwachturm. Noch stärker tritt die Ost-West-Problematik in seinem Bild "1. Mai 1987 an der Oberbaumbrücke" hervor. In dieser Nacht artete die 1. Mai-Demo in Kreuzberg in eine Straßenschlacht zwischen Demonstranten und Polizei aus, dabei wurde auch der zuvor geplünderte Supermarkt "Bolle" in Brand gesetzt, während gleichzeitig im Ostteil der Stadt der Abschluss der 750 Jahrfeier mit einem gigantischen Feuerwerk begangen wurde. Dies wurde beides in dieser Nacht vom Maler bildnerisch festgehalten. Doch war Kokott nicht nur eine Art "Lokalpatriot", nach Grenzöffnung und Mauerfall erschloss er sich Potsdam und die Mark Brandenburg, mit Havel und Spree. Für seine Arbeiten, häufig auf Papier, begab sich der Künstler in die Gegend rund um Berlin, in Reichweite des Regionalexpresses. Immer zog es ihn an die Orte selber, wo er mit Aquarellstiften zeichnete oder auch mit Kugelschreiber, aquarellierte und das bei jedem Wind und Wetter und in expressiver Machart. Kokott bevorzugte kräftige Farben sowie Konturen in eigenwilliger Kolorierung und widmete sich einer realistischen Darstellung ohne Abbildgenauigkeit und Detailtreue, dafür dem Erfassen von Stimmung und Atmosphäre in der jeweiligen, durch zufallsbestimmten Situation, die auch eigene Stimmungen und Erinnerungen wie Erlebtes mit einfließen ließ. Kokott zog es ebenfalls so manches Mal in die Ferne und immer brachte er "beeindruckende Ansichten, Einsichten und Bilderlebnisse von seinen Reisen mit, aus Holland, Kärnten und Kroatien".
"So wie Kokott städtisches Leben über architektonische Blickwinkel wahrnimmt, das Verhältnis von Formen und Volumina zu den Qualitäten des Wohnens und Sichbewegens im öffentlichen Raum bestimmt, wie er das Aufwölben der Kuppel des Bodemuseums sieht oder den Blick vom Potsdamer Platz auf das geheimnisvolle Scharoun' sche Orakel des Kammermusiksaals der Philharmonie richtet... oder wie er etwa die bizarr zerklüftete Ruine des Tacheles oder das Verhältnis von Spreeverlauf zu Uferbebauungen, Brücken und Schleusen in kleine Momentaufnahmen zu fassen vermag - das hat nicht nur eine Emotionen auslösende Energie, sondern eben auch ein Maß historischer Tatsächlichkeit, die verblüffend ist... Günter Rudolf Kokott sucht den Durchblick im Stadtbild, den malerischen Ausblick als Counterpart zur touristischen Postkartenspringflut." Christoph Tannert, Künstlerhaus Bethanien, 2005, aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung "Stadt, Farbe, Raum - Bruno Taut, Hans Stern, Günter Kokott", GEHAG-FORUM Berlin.
Günter Rudolf Kokott besuchte 1969 und in den darauffolgenden Jahren VHS-Kurse bei dem Bildhauer Joachim Dunkel und später auch Kurse bei diesem als Professor, woraus eine langjährige Verbindung entstand. In dem Essay "Weber ist Weber...?" über seine Erfahrungen mit Dunkel u. a. in dem Kurs "Plastisches Gestalten (für Fortgeschrittene)" berichtet Kokott davon, wie er von dem, mitunter rigorose Methoden anwendenden Dunkel an die Materie herangeführt wurde und wie dies stets, wenn auch nicht nur harmonisch, immer auf Augenhöhe geschah. Kokott erzählt hier kleine Episoden aus diesen Jahren mit seinem Lehrer, in denen er nichts verschweigt, dabei jedoch mit respektvollem Blick den Menschen Joachim Dunkel beschreibend. Dieser genaue, nichts beschönigende, dabei liebevoll- interessierte Blick begegnet den Betrachtenden auch in Kokotts Werken.
Ausstellungen (Auswahl)
1995 Berliner Stadtlandschaften, Friedrichstädtische Galerie Berlin 1998 Am Meer, St. Jakocobi zu Perleberg 1999 Berlin, Dalmatien, Holland Kärnten, Galerie Hellhof, Kronberg, Taunus 2000 Dalmatien, Farbskizzen, KünstlerGilde Berlin 2000 Berlin, Arbeiten auf Papier, Werkbund-Galerie Berlin 2001 Berlin, Kreuzberg, Rathausgalerie Ingelheim 2005 Stadt, Farbe, Raum - Bruno Taut, Hans Stern, Günter Kokott, GEHAG-FORUM Berlin 2006 Farbblätter Berlin, Galerie der KünstlerGilde e. V. Esslingen 2007 U1, Büchergilde Gutenberg Berlin 2009 Anblicke, Durchblicke, Überblicke, Manufakturgalerie, Berlin 2011 Unterwegs zwischen Elbe und Oder, an Spree und Havel, Berlin und Umgebung, Büchergilde Gutenberg, Berlin 2013 Der doppelte Blick - Jürgen Meyer-Jüme, Günter Rudolf Kokott, RBB, Haus des Rundfunks, Berlin 2016 Stadtlandschaft und Natur im Focus von Vier Berliner Maler, Galerie Nierendorf, Berlin 2020 Berlin Berlin, Günter Rudolf Kokott, Galerie Halit Art Weblinks
Galerie Nierendorf Berlin Berlin Die Vermessung der Stadt Schlagwort: Günter Rudolf Kokott Katalog: Günter Rudolf Kokott
Einzelnachweise
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