Der Ogle SX 250 ist ein Konzeptfahrzeug des britischen Studios Ogle Design, das 1962 vorgestellt wurde. Für Fahrgestell und Motor des Sportwagens nutzte Ogle die Teile vom Daimler SP 250. Der Kleinserienhersteller Reliant übernahm das Design des Ogle SX 250 nahezu unverändert für seinen Seriensportwagen Scimitar GT, der 1965 auf den Markt kam.
Modellgeschichte mini|Technische Basis: Daimler SP 250 Der Ogle SX 250 geht auf eine private Initiative von Boris Forter zurück, der zu Beginn der 1960er-Jahre Verkaufsdirektor der britischen Niederlassung des Kosmetikkonzerns von Helena Rubinstein war.Michael Burgess: Reliant: The Forgotten Four-Wheelers, Amberley Publishing, 2025, ISBN 978-1-3981-1424-1, S. 44. Fortner beauftragte den Designer David Ogle, der in den zurückliegenden Jahren wiederholt Parfumverpackungen für Rubinstein gestaltet hatte, mit dem Entwurf einer individuellen Karosserie für das Chassis des Daimler SP 250, der 1959 auf den Markt gekommen war und nach der Übernahme der Daimler Motor Company durch Jaguar in geringen Stückzahlen weiterproduziert wurde. Die serienmäßige Roadster-Karosserie des als LückenfüllerN.N.: The Daimler V8s. In: The Driving Member. The Official Journal of the Daimler & Lanchester Owners Club. Juli 1999, S. 7. entstandenen Daimler SP 250, die mit Heckflossen und Kotflügelrundungen Stilelemente verschiedener Epochen miteinander verband,Bei seinem Debüt wurde der Daimler SP 250 zum hässlichsten Auto der Ausstellung gewählt. Vgl. Brian Long: Daimler V8 S.P. 250, Veloce Publishing, 2008, ISBN 978-1904788775, S. 52, 54. wurde vielfach als irritierend oder befremdlich wahrgenommen und galt als ein wesentlicher Grund für den mangelnden Markterfolg des Daimler.
Das grundlegende Karosseriedesign des SX 250 geht auf den Unternehmensgründer David Ogle selbst zurück. Nach Ogles Unfalltod im Mai 1962 führten Tom KarenLord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 280. und Carl Olson für Ogle Design das Projekt fort.
Das erste Exemplar des Ogle SX 250 wurde im Herbst 1962 fertiggestellt. Ogle stellte es in diesem Jahr auf der British International Motor Show auf seinem Stand aus und erhielt positive Kritiken für den Entwurf.
Daimler übernahm den Entwurf nicht für einen möglichen Nachfolger seines veralteten SP 250; Ogle unternahm auch keine Bemühungen, Daimler das Konzept zu verkaufen.Entwicklungsgeschichte des Ogle SX 250 auf straight-six.co.uk (abgerufen am 10. August 2026). Stattdessen erwarb der britische Kleinwagenhersteller Reliant die Rechte; Reliant hatte seit 1962 den „skurril geformten“ Sportwagen Sabre, einen Ableger des israelischen Sabra Sport, als Ergänzung zu seinen kleinen Dreiradfahrzeugen im Programm und nahm den Ogle-Entwurf als Basis für einen modernen Sabre-Nachfolger. Das Reliant-Coupé kam 1965 unter der Bezeichnung Scimitar GT (intern: SE4) auf den Markt. Der mit Ford-Technik ausgestattete Scimitar wurde bis 1970 etwa 1000-mal gebaut. Ogle wurde danach zu Reliants bevorzugtem Designstudio, das in den beiden folgenden Jahrzehnten nahezu alle Serienfahrzeuge des Unternehmens gestaltete.Mike Lawrence: A to Z of Sports Cars 1945-1990, Bay View Books, 1996, ISBN 978-1-870979-81-8.
Modellbeschreibung
Karosserie Die Karosserie des Ogle SX 250 besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Die Karosserieteile sind an einem Metallgerüst befestigt, das seinerseits mit dem Rahmen verbunden ist.
Der Ogle SX 250 ist ein zweitüriges Stufenheckcoupé mit 2+2 Sitzen; teilweise wird das Auto als Gran Turismo beschrieben.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 271. Die Karosserie ist im Pontonstil gehalten, der Dachaufbau ist trapezförmig. Die Fahrgastzelle ist aus der Mitte heraus nach hinten verschoben, sodass die Länge des Motorbereichs betont wird. Die vorderen Kotflügel folgen an ihren Enden einer abfallenden Linie und münden vorn in einer leicht hervortretenden Spitze. Diese Gestaltung findet sich bereits beim Ogle SX 1000, einem in Kleinserie gebauten Sportwagen auf Mini-Basis. Vorn sind nebeneinander angeordnete Doppelscheinwerfer eingebaut. Zwischen ihnen gibt es keinen Kühllufteinlass; die Fläche hier ist voll verkleidet und in Wagenfarbe lackiert. An den Flanken befindet sich eine bis zum Fahrzeugheck reichende Lichtkante, die den hinteren Radausschnitt oben waagerecht begrenzt. Die hintere Stoßstange setzt die Linie der Lichtkante fort. Die Kofferraumklappe reicht in die Wagenflanken hinein; sie wirkt aufgesetzt. Am Heck sind an jeder Seite zwei runde Rückleuchten installiert. Der Tankeinfüllstützen sitzt mittig unterhalb der Heckscheibe.
Motorisierung mini|2,5-Liter-Achtzylindermotor von Daimler Der Motor des Ogle SX 250 entspricht unverändert dem des Daimler SP 250. Das Auto wird von einem Achtzylinder-V-Motor mit 2547 cm³ Hubraum (Bohrung × Hub: 76 × 70 mm) angetrieben. Der Motor hat eine zentrale Nockenwelle; die Ventile werden über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel gesteuert. Zwei SU-Vergaser bereiten das Gemisch auf. Die Höchstleistung beträgt 140 bhp (142 PS; 104 kW), die bei 5800 Umdrehungen pro Minute anfallen.
Die Kraftübertragung übernimmt ein handgeschaltetes Vierganggetriebe, dessen Gänge mit Ausnahme des ersten synchronisiert sind.
Rahmen und Fahrwerk Ogle verwendete beim SX 250 den serienmäßigen Kastenrahmen des Daimler SP 250. Die vorderen Räder sind einzeln aufgehängt und haben Schraubenfedern, hinten gibt es eine Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern. An allen Rädern gibt es Scheibenbremsen von Girling.
Produktion und Verbleib Ursprünglich kündigte Fortner eine Bestellung von sechs Ogle SX 250 an, tatsächlich wurden aber nur zwei Autos gebaut: eines für Fortner und ein weiteres für seine Lebensgefährtin.
Mindestens ein Ogle SX 250 existiert im 21. Jahrhundert noch. Er wurde von dem britischen Fachbetrieb Project Heaven komplett restauriert.
Vergleich mit dem Reliant Scimitar GT (SE4) Reliant übernahm das Karosseriedesign des Ogle SG 250 für das eigene Serienmodell Scimitar GT in wesentlichen Zügen. Die Abmessungen der beiden Autos weichen in Details voneinander ab; der Reliant ist geringfügig kürzer und breiter. Die seitliche Lichtkante des Reliant ist niedriger als beim Ogle, der hintere Radausschnitt des Scimitar ist rund. Vorn gibt es eine verkleidete Lufteinlassöffnung zwischen den Scheinwerfern. Die hintere Stoßstange ist beim Reliant niedriger angebracht als beim Ogle. Die Türen des Serienautos sind etwa 13 cm länger. Reliant verwendet einen selbst konstruierten Rahmen. Die Karosserie des Reliant ist ebenfalls aus Kunststoff gefertigt; Reliant verzichtete aber weitgehend auf ein Metallgerüst und setzte stattdessen eine Konstruktion aus Kunststoffschalen ein. Bei der Antriebstechnik griff Reliant auf kostengünstige Großserientechnik von Ford of Britain zurück: Der Scimitar war mit verschiedenen Reihensechszylindern und V6-Motoren von Ford erhältlich.
Technische Daten im Vergleich Ogle SX 250Technische Daten nach automobile-catalog.com (abgerufen am 6. August 2026). Reliant Scimitar GT (SE4)Technische Daten nach automobile-catalog.com (abgerufen am 9. August 2026). Länge (mm) 4340 4267 Breite (mm) 1550 1594 Höhe (mm) 1270 1283 Radstand (mm) 2340 2337 Gewicht (kg) 1000 1080 Motorkonstruktion Ottomotor Achtzylinder V Ottomotor sechs Zylinder Reihe oder V Hubraum (cm³) 2548 2495–2553 Höchstleistung (PS) 142 116–128 Höchstleistung (KW) 104 85–94 Produktion 2 1006
Literatur Michael Burgess: Reliant: The Forgotten Four-Wheelers, Amberley Publishing, 2025, ISBN 978-1-3981-1424-1. David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Poundbury, Veloce Publishing, 2013, ISBN 978-1-84584-583-4. Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9. Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8. N.N.: The Daimler V8s. In: The Driving Member. The Official Journal of the Daimler & Lanchester Owners Club, Juli 1999, S. 7 ff. Elvis Payne: The Reliant Scimitar, Crecy Publishing, 2018, ISBN 978-1-908347-47-3 Michael Riley: The Vanishing V8s. In: The Driving Member. The Official Journal of the Daimler & Lanchester Owners Club. Brian Smith: The Daimler Tradition. Transport Bookman Publications, London, 1972, ISBN 0-85184-004-3, September 1987 Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960. Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6.
Weblinks Entwicklungsgeschichte des Ogle SX 250
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Sportwagen Kategorie:Coupé