Die norwegisch-österreichischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen dem Königreich Norwegen und der Republik Österreich. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern gelten als eng und freundschaftlich. Beide Staaten sind Mitglieder des Europarates, des Europäischen Wirtschaftsraums, der OSZE, der OECD und des Schengen-Raums.
Norwegen führt eine Botschaft in Wien und hat Honorarkonsulate in Bregenz, Hall und Salzburg. Österreich betreibt eine Botschaft in Oslo und hat Honorarkonsulate in Ålesund, Bergen, Kristiansand, Stavanger, Tromsø und TrondheimBMEIA - Außenministerium Österreich: Norwegen. Abgerufen am 5. August 2026.
Es leben etwa 3100 österreichische Staatsbürger (einschließlich Doppelstaatsbürgerschaften) in Norwegen. In Österreich leben (Stand Anfang 2021) ungefähr 740 norwegische Staatsbürger.
Geschichte Bedeutende diplomatische Kontakte zwischen dem Königreich Norwegen und dem Herzogtum Österreich bestanden im Mittelalter kaum. Das erste bedeutende bilaterale Ereignis zwischen beiden Staaten war die Eheschließung der Isabella von Österreich mit König Christian II. im Jahr 1514. Durch ihre Heirat wurde Isabella Königin von Dänemark, Schweden und Norwegen.
Während des sechsten Koalitionskrieges (1813–1814) kämpfte Norwegen als Teil der Personalunion Dänemark-Norwegen auf der Seite Napoleons gegen Österreich. Als Reaktion darauf wurde Dänemark durch den Kieler Frieden gezwungen Norwegen an Schweden abzutreten. Diese Regelungen wurden auf dem Wiener Kongress bestätigt.
Die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen dem unabhängigen Norwegen und dem damaligen Österreich-Ungarn erfolgten 1906. Am 12. März 1930 unterzeichnete Österreich den Spitzbergenvertrag, was als ein wichtiges Ereignis der norwegisch-österreichischen Beziehungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt. Die diplomatischen Beziehungen wurden in den Jahren 1938 bis 1945 durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich unterbrochen.
Während des Unternehmens Weserübung (Angriff auf Norwegen und Dänemark) im Zweiten Weltkrieg, kämpften viele Österreicher in der Gebirgstruppe der Wehrmacht in Norwegen, insbesondere die 3. Gebirgs-Division.
Nach dem Ende des Krieges wurde die Republik Österreich wiederhergestellt und die diplomatischen Beziehungen zum Königreich Norwegen wieder aufgenommen. Im Jahr 1960 wurden Norwegen und Österreich, Gründungsmitglieder der Europäischen Freihandelsassoziation, die Österreich jedoch durch den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft 1995 wieder verließ. Als es im Frühjahr 2000 in Österreich zu einer Regierungsbildung zwischen der ÖVP und der FPÖ kam, folgten darauf EU-Sanktionen gegen Österreich denen sich auch das Nicht-EU-Land Norwegen anschlossArmin Thurnher in Heimniederlage, S. 98. (Paul-Zsolnay-Verlag, Wien, 2000, ISBN 3-552-04975-4). Die Sanktionen gegen Österreich wurden allerdings nach wenigen Monaten wieder aufgehoben.
Um die norwegisch-österreichischen Beziehungen zu fördern, erfolgte im Dezember 1978 die Gründung der Österreichisch-Norwegischen Gesellschaft in Wien.
Wirtschaftsbeziehungen Norwegen belegt den 35. Platz der österreichischen Exportmärkte und den 42. Platz als Importland. Das Land gilt als eine hochentwickelte Industrienation, dessen Wirtschaft zu etwa 20 bis 25 % vom Offshore-Sektor, insbesondere von Erdöl und Gas, geprägt ist. Die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Bereich wurde durch die COVID-19-Krise beeinflusst, was 2020 zu einem Rückgang des Offshore-Anteils auf rund 12 % führte. 2021 erholte sich der Öl- und Gassektor mit der gesamten Wirtschaft schrittweise wieder.
Im Jahr 2022 stiegen die österreichischen Exporte nach Norwegen, vor allem von Maschinen sowie Eisen und Stahl, um 5,6 % auf 635 Mio. Euro. Gleichzeitig erhöhten sich die österreichischen Importe aus Norwegen, hauptsächlich Meeresfrüchte und Aluminium, um 55,6 % auf 566 Mio. Euro. Besonders in der Energiewirtschaft, insbesondere im Bereich der Offshore-Öl- und Gasförderung, spielt die Zusammenarbeit eine zentrale Rolle.
Kulturbeziehungen Im Rahmen ihrer Kulturarbeit engagiert sich die Österreichische Botschaft in Oslo dafür, die Republik Österreich als innovatives Land mit einem vielfältigen kulturellen und wissenschaftlichen Erbe zu präsentieren. Sie orientiert sich dabei am Auslandskulturkonzept von 2015 und möchte neben traditionellen österreichischen Künstlerinnen und Künstlern auch zeitgenössische Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Kunstszene in Norwegen vorstellen.
Ein besonderes Forum ist der seit 1996 bestehende und in der Österreichischen Botschaft regelmäßig stattfindende „Literarische Salon“. Es ist die einzige kontinuierliche deutschsprachige Literaturveranstaltung in Norwegen. Im Jahr 2024 lag der Fokus auf dem Kulturhauptstadtjahr, mit Projekten wie einer Konzertreise der Wiener Kammersinfonie in den Norden Norwegens, der Weiterführung des Projekts „Village Party“, einem EUNIC-Rundtisch zum Thema „Bodø 2024“ sowie einem Sommerfest mit Künstlerinnen und Künstlern aus Österreich, Estland und Norwegen. Zu den Gästen aus Österreich zählten unter anderem Hans Platzgumer, Nava Ebrahimi und Tonio Schachinger.
Diplomatische Vertretungen
Norwegen hat seit 1960 eine Botschaft in Wien. Österreich hat seit 1959 eine Botschaft in Oslo.
Siehe auch
Liste der österreichischen Botschafter in Norwegen Außenpolitik Österreichs
Weblinks
Einzelnachweise