Abdurachman Genasowitsch Awtorchanow (, ; * in Nischni Naur, Russisches Kaiserreich; † 24. April 1997 in München) war ein Historiker und Politikwissenschaftler tschetschenischer Abstammung. Ursprünglich überzeugter Kommunist, wandelte er sich während des Zweiten Weltkrieges zu einem entschiedenen Kritiker des sowjetischen Regimes und Unterstützer der tschetschenischen Unabhängigkeitsbewegung.
Leben Awtorchanow wurde 1908 in dem Ort Nischni Naur (heute Tschetschenien) in eine muslimische Familie geboren. Er besuchte eine Mekteb (religiöse Grundschule) und danach eine Madrasa, aus der er jedoch entlassen wurde, da ihm vorgeworfen wurde, "verbotene Literatur" gelesen zu haben. 1923 ging er zusammen mit seinem Cousin Mumad nach Grosny, wo sie – aufgrund des Vorwurfs des Schwarzfahrens – inhaftiert wurden. Er wurde jedoch wieder entlassen, trat wenig später dem Komsomol bei und durfte eine Parteischule besuchen. Daraufhin nahm seine Karriere rasch Fahrt auf. Im Alter von 18 Jahren wurde Awtorchanow stellvertretender Herausgeber der tschetschenischen Parteizeitung Serlo und Mitglied der KP. Nachdem Awtocharnow die RabFak abgeschlossen hatte, begann er ein Studium am Ölinstitut in Grosny und wurde Anfang der Dreißigerjahre zum stellvertretenden Leiter der Organisationsabteilung der Partei im Gebiet Tschetscheniens ernannt.
1931 wurde Awtorchanow Leiter einer Autorengruppe, die sich mit der Herausgabe einer Grammatik der tschetschenischen Sprache befasste. 1934 wurde er zum Studium an das Institut der Roten Professur delegiert, das er 1936/37 abschloss. Am 10. Oktober 1937 wurde Awtorchanow während eines Plenums des Gebietsparteikomitees von Grosny verhaftet und blieb bis zum Frühjahr 1940 in Haft. Im November wurde er erneut verhaftet und im Herbst 1941 unter dem Vorwurf der Sabotage zu drei Jahren Haft verurteilt, aus der jedoch im April 1942 entlassen wurde. Im Sommer 1942 lief er zu den Deutschen über und gelangte im Januar 1943 nach Berlin. Dort verfasste er Beiträge für die Vineta und hatte Kontakt zu Hassan Israilow, einem bekannten tschetschenischen Guerillakämpfer.
Nach Ende des Krieges war er bis 1948 in einem Lager in Mittenwald untergebracht, wo er seine spätere Ehefrau Ludmila kennenlernte. Von 1949 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1979 lehrte Awtorchanow im Bereich Politikwissenschaft an der U.S. Army Russian Area School in Oberammergau bzw. in Regensburg.
Er starb am 24. April 1997 in München.
Publikationen (Auswahl) The Communist Party Apparatus. Henry Regnery, Chicago 1966. The North Caucasus Barrier: The Russian Advance Towards the Muslim World. St. Martin´s, New York 1992, ISBN 0-312-07575-8.
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