mini|Paul Neumann. Vermutlich Alliierten-Foto von 1945 Paul Neumann (geboren 4. Januar 1914 in Königsberg; gestorben nach 1974) war ein SS-Untersturmführer und Gärtnereigehilfe. Bekannt wurde er als Gründer der „Wissenschaftlich-Technischen Abteilung“ der Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH DVA im Konzentrationslager Dachau.

Leben Paul Neumanns Eltern waren der Reichsbahnzugführer Gustav Neumann und seine Frau Therese (geborene Schirrmacher). Der Sohn schloss die Schule nicht ab, sondern machte von 1929 bis 1932 eine Lehre in einer Königsberger Gärtnerei. Er trat 1926 den Jungwölfen und 1929 einem Vorläufer der Hitlerjugend bei. Am 1. Mai 1932 kam er zum SA-Sturm. Am 1. November 1932 wurde er SS-Mitglied, eine erste Aufnahme in die NSDAP zum selben Datum war ungültig, so dass er erst zum 1. Mai 1933 der Partei beitrat (Mitgliedsnummer 2.390.266).Bundesarchiv R 9361-II/756041

Im SS-Hauptwirtschaftslager Schleißheim kümmerte er sich ab 1937 um die Heilpflanzenanlage. Als diese unter Georg Gustav Wegener ins KZ Dachau verlegt wurde, trat er die Stelle als dessen Assistent an. Er baute die „Wissenschaftlich-Technische Abteilung“ auf, eine Einrichtung mit vorwiegend akademisch gebildeten polnischen KZ-Häftlingen. Der Pharmakologe Józef Hano nannte Neumann einen „der untypischsten SS-Männer“. Neumann bildete einen Gesprächskreis mit Hano und anderen Krakauer Wissenschaftlern. Weil die Lagerordnung Kontakte zwischen Gefangenen und SS-Leuten nicht erlaubte, hatte Neumann eigens dafür Ausnahmegenehmigungen erwirkt. Trotz ihrer Privilegien waren die Wissenschaftler nicht vor Folter durch das KZ-Wachpersonal geschützt, so traf Pfahlhängen etwa jeden fünften.

Im Sommer 1938 äußerte das „Rasse- und Siedlungshauptamt Nordost“ in einem geheimen Schreiben Zweifel an Neumanns „deutschblütiger Abstammung“:„N. macht einen stark jüdischen Eindruck; die beigefügten Lichtbilder geben ein viel zu günstiges Bild, Haare und Bartwuchs des N. sind schwarz.“https://iiif.deutsche-digitale-bibliothek.de/binary/58fc1311-55b2-400a-ab15-a1602a4eb93b.pdfAm 16. November 1939 heiratete er mit SS-Genehmigung Elfriede Bohse. Im Oktober 1940 verließ er auf eigenen Wunsch Dachau und kam zum Vitaborn-Werk in Kirn. Seine Nachfolge im „Kräutergarten“ des KZ Dachau trat Traute Friedrich an.

Am 22. Mai 1942 wurde Paul Neumann Kommandeur der Sicherheitspolizei im Distrikt Krakau. Wegen seiner Schwerhörigkeit schied er am 29. Februar 1944 aus der hauptamtlichen Arbeit im Sicherheitsdienst (SD) aus. Ein Vorgesetzter lobte Neumanns Einsatz, kritisierte aber, dass er noch im Denken der „Kampfzeit“ verhaftet und ein „alter Rabauke“ sei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchte Paul Neumann zunächst in einem Kloster unter und zog dann von Krakau über Chemnitz nach Frankfurt am Main. Um nicht als ehemaliger SS-Mann aufzufallen, gab er sich einen neuen Namen mit Adelstitel, nannte sich „Diplomgartenbauinspektor“ und versuchte in der Bundesrepublik, eine Körperbeschädigtenrente zu beziehen. Am 30. Oktober 1956 verurteilte ihn ein Frankfurter Gericht wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu neun Monaten Gefängnis.

Einzelnachweise

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