Donald Benjamin Lindsley (* 23. Dezember 1907 in Brownhelm Township, Ohio; † 19. Juni 2003 in Santa Monica) war ein US-amerikanischer Psychologe, Neurowissenschaftler und emeritierter Professor an der University of California, Los Angeles (UCLA).Russell Johnson, Charles L. Wilson, V. Reggie Edgerton: In Memorian Donald B. Lindsley, Professor of Psychology, Physiology, and Psychiatry, Emeritus Los Angeles, 1907–2003. Abgerufen am 1. August 2026.Leo M. Chalupa: Donald B. Lindsley (1907–2003). In: American Psychologist, 2005, 60 (2), S. 193–194 (ovid.com), abgerufen am 2. August 2026.UCLA Obituary: Donald B. Lindsley, 95, Behavioral Neuroscientist auf UCLA vom 27. Juni 2003, abgerufen am 2. August 2026.

Leben Er wurde als jüngster von vier Söhnen von Benjamin Kent und Martha Elizabeth Lindsley, beide Teilemanager bei der Cleveland Stone Company, in einem ländlichen Ort südlich des Eriesees geboren. Seine Vorfahren waren Mitte des 19. Jahrhunderts aus Neuengland in die Gegend eingewandert. Von 1925 bis 1929 besuchte er das Wittenberg College und schloss mit einem B.A. ab. Danach erwarb er 1930 an der University of Iowa einen M.A und promovierte 1932 in Psychologie, wobei er bei Carl Seashore und Lee Edward Travis studierte. An der University of Iowa eignete er sich auch umfassende Kenntnisse im Umgang mit Laborgeräten und in der Physiologie an und veröffentlichte mehrere wissenschaftliche Arbeiten über die Muskelaktivität von Mensch und Ratte.

Von 1932 bis 1933 war er als Dozent an der University of Illinois tätig. 1933 erhielt er ein Postdoktorandenstipendium des National Research Council und verbrachte ein Jahr an der Harvard Medical School bei Alexander Forbes und Hallowell Davis. Von 1934 bis 1935 wurde das Stipendium verlängert und er arbeitete am Massachusetts General Hospital. Im Rahmen dieses Forschungsstipendiums wirkte er an Pionierarbeiten mit dem Elektromyogramm mit und war Proband in einer frühen EEG-Studie der Harvard-Universität. 1935–1938 arbeitete er in der Pädiatrie an der Case Western Reserve University School of Medicine in Cleveland und 1938–1946 in der Psychologie an der Brown University in Providence und zugleich in der Neurophysiologie am Bradley Hospital in Providence. Während eines Großteils seiner Karriere war er auch für Regierungs- und Militärbehörden tätig. Im Zweiten Weltkrieg leitete er von 1942 bis 1945 als Zivildirektor ein Forschungs- und Ausbildungsprogramm für Radaroperatoren an der Fernmeldeschule der US-Armee im Süden Floridas. Nach dem Krieg beauftragten ihn das Office of Naval Research und das National Research Council mit der Leitung einer Forschungsgruppe, die das Buch „Human Factors in Undersea Warfare“ verfasste. 1952 leitete er als Mitglied des Space Science Board ein Komitee, das für die NASA eine Monografie mit dem Titel „Human Factors in Long-Duration Spaceflights“ erstellte. Dabei wurden die menschlichen Probleme untersucht, die bei Langzeit-Vorbeiflügen an Planeten auftreten können.Donald B. Lindsley 30MA, 32PhD auf The University of Iowa Center for Advancement, abgerufen am 2. August 2026.

1946–1951 wurde er Professor für Psychologie an der Northwestern University. 1951 wechselte er an die neue medizinische Fakultät der UCLA. Zusammen mit Horace W. Magoun, Charles „Tom“ Sawyer, John Douglas French und Theodore H. Bullock gründete er 1959 das Brain Research Institute (BRI). 1967 schloss er sich einer Gruppe amerikanischer und brasilianischer Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffs „Alpha Helix“ zu einer Expedition 1200 Meilen flussaufwärts auf dem Amazonas an. Ziel der Expedition war die Erforschung des Gehirns und des Verhaltens verschiedener Tiere, darunter der Boa Constrictor, des Zitteraals und des Gürteltiers. Er konzentrierte sich in seiner Forschung auf die Gewohnheiten des Faultiers und versuchte zu ergründen, warum sich das Tier so langsam bewegt und wie es sich im Dschungel zurechtfindet. 1977 wurde er anlässlich seines Antritts in den Ruhestand mit einer großen Konferenz zum Thema „Neurophysiology and Psychology: Basic Mechanisms and Clinical Applications“ geehrt.

Werk Er leistete Pionierarbeit bei der Anwendung von Elektromyographie und Elektroenzephalographie zur Erforschung der Mechanismen von Lernen, Wahrnehmung, Emotion und dem Schlaf-Wach-Rhythmus. Er gehörte zu den ersten Wissenschaftlern in den USA, die das Elektroenzephalogramm nutzten, um die elektrische Aktivität des Gehirns bei Säuglingen und Erwachsenen aufzuzeichnen. Während seiner Zeit in Harvard diente er selbst als Versuchsperson für die erste öffentliche EEG-Demonstration vor der amerikanischen Ärzteschaft. Später führte er erste Untersuchungen zu EEG-Veränderungen im sich entwickelnden Gehirn durch.

Neben seiner EEG-Forschung entwickelte er aktiv Messverfahren zur Erfassung der menschlichen sensorischen Verarbeitung. Dabei nutzte er computergemittelte evozierte Potenziale, um den Einfluss von Aufmerksamkeitsprozessen auf schnelle elektrische Veränderungen im Gehirn zu untersuchen, die durch starke visuelle Reize hervorgerufen werden. Damit trug er maßgeblich zur Definition der Hirnstamm-Aktivierungssysteme bei, die Wachheit und Erregung steuern. Seine Forschung definierte das aufsteigende retikuläre Aktivierungssystem (ARAS) im Hirnstamm, das für Wachheit, Aufmerksamkeit und Erregungszustände zuständig ist.

Er entwickelte auch eine biologische Aktivierungstheorie der Emotionen, die besagt, dass emotionale Zustände auf einer allgemeinen neuronalen Aktivierung des Gehirns basieren.

Ehrungen/Positionen 1988: Ralph-W.-Gerard-Preis der Society for Neuroscience 1987: Mitglied der Finnische Akademie der Wissenschaften 1987: Distinguished Graduate Award durch das Psychologische Institut der University of Iowa 1984: Scientific Award der Society for Psychophysiological Research 1978: Stiftung des Donald-B.-Lindsley-Preises der Society for Neuroscience mit Unterstützung der Grass Foundation für herausragende Doktorarbeit im Bereich der Verhaltensneurowissenschaften 1969: Gründungsmitglied der Society for Neuroscience Ehrendoktor der Brown University (1958), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (1959), des Trinity College Dublin (1965), der Loyola University Chicago (1969) sowie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (1977) 1965: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 1964–1965: Präsident der American Electroencephalographic Society 1959: Distinguished Scientific Award der American Psychological Association 1959: Guggenheim-Stipendium für Forschungsaufenthalte und Vorträge an Hirnforschungsinstituten in Westeuropa, der UdSSR, Skandinavien, Polen und der Tschechoslowakei 1958: William-James-Vorlesung an der Harvard-Universität 1952: Mitglied der National Academy of SciencesDonald B. Lindsley, University of California, Los Angeles auf National Academy of Sciences, abgerufen am 2. August 2026. 1947: Präsident der Division 6 (Physiologische und Vergleichende Psychologie) der American Psychological Association 1942: Mitglied der Society for Experimental Psychologists Presidential Certificate of Merit, verliehen von Präsident Harry S. Truman. Gründungsmitglied der International Brain Research Organization (IBRO)

Privates Bei seiner Reise nach Europa im Jahr 1931 besuchte er verschiedene wissenschaftliche Labore. Als Bewunderer des großen Jazztrompeters Bix Beiderbecke verdiente er sich seine Überfahrt mit der Holland-America Line, indem er in seiner selbst gegründeten Jazzband „The Four Aces“ Kornett spielte und mit ihr ausgiebig durch England und Frankreich tourte. An der University of Iowa lernte er seine spätere Frau Ellen Ford († 2002) kennen. Sie studierte Theaterwissenschaften und war die Tochter von Arthur Ford, einem Professor für Elektrotechnik an der University of Iowa, der elektromyographische Geräte für Lee Edward Travis konstruiert hatte. Die beiden heirateten 1933 und waren 69 Jahre lang verheiratet. Zusammen bekamen sie die Kinder David († 2009), Margaret und Robert Lindsley, alle aus Santa Monica, und Sara Ellen Lyons aus Carpenteria. Er verstarb im Alter von 95 Jahren.

Publikationen (Auswahl) Herausgeberschaften Mit Arthur A. Lumsdaine: Brain Function and Learning, Brain Function. Band IV (= Studies in Social Psychology in World War II. Band III). University of California Press, Oakland 2023, ISBN 978-0-520-34017-6. A survey report on human factors in undersea warfare. National Research Council (U.S.). Committee on Undersea Warfare 1949 ( – Leseprobe).

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit K. M. Perryman: Visual responses in geniculo-striate and pulvinostriate systems to patterned and unpatterned stimuli in squirrel monkeys. In: Electroen. Clin. Neuro. 4, 1977, S. 157–177. Mit C. L. Wilson, B. C. Motter: Influences of hypothalamic stimulation upon septal and hippocampal electrical activity in the cat. In: Brain Res. 107, 1976, S. 55–68. Mit J. E. Gould, L. M. Chalupa: Modifications of pulvinar and geniculo-cortical evoked potentials during visual discrimination learning in monkeys. In: Electroen. Clin. Neuro. 34, 1974, 639–639. Mit Carol K. Peck: Single unit and evoked potential responses in cat optic tract to paired light flashes. In: Experimental brain research. 16 (4), 1973, S. 371–382. Mit L. G. Fehmi, J. W. Adkins: Electrophysiological correlates of visual perceptual masking in monkeys. In: Exp. Brain Res. 7, 1969, S. 299–316. Mit N. M. Weinberger, K. Nakayama: Electrocortical recruiting responses during classical conditioning. In: Electroen. Clin. Neuro. 24, 1968, S. 16–24. Mit J. E. Skinner: Electrophysiological and behavioral effects of blockade of the nonspecific thalamo-cortical system. In: Brain Res. 6, 1967, S. 95–118 Mit L. E. Travis: The relation of frequency and extent of action currents to intensity of muscular contraction. In: J. Exp. Psychol. 14, 1931, S. 359–381. Inhibition as an accompaniment of the knee jerk. In: Am. J. Physiol. 109, 1934, S. 181–191. Myographic and electromyographic studies of myasthenia gravis. In: Brain. 58, 1935, S. 470–482. Brain potentials in children and adults. In: Science. 1936, 8 (2181), S. 354. Electrical potentials of the brain in children and adults. In: J. Gen. Psychol. 19, 1938, S. 285–306.

Film Psychologists Here, There, and Everywhere, Dokumentation hunderter Wissenschaftler bei der Arbeit auf den jährlichen Fachtagungen der American Psychological Association von 1946 bis 1957

Weblinks

Norman M. Weinberger: Donald Benjamin Lindsley December 23, 1907-–June 19, 2003m abgerufen am 4. August 2026. Lindsley (Donald B.) papers, 1866-2001 auf UCLA, Library Special Collections, Medicine and Science, abgerufen am 2. August 2026. L. M. Chalupa. Obituaries: Donald B. Lindsley (1907-2003) . In: American Psychologist, 2005, 60 (2), S. 193–194. Donald B Lindsley's Activation Theory - Part of Psychology Video Course @doorsteptutor.com UPSC NET auf YouTube, abgerufen am 4. August 2026.

Literatur E. Donchin; G. Galbraith; M. D. Kietzman (Hrsg.): Neurophysiology and Psychology: Basic Mechanisms and Clinical Applications. Academic Press, New York, NY 1988.

Einzelnachweise

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