mini|Südwestansicht der evangelischen Martinskirche in Bad Münster am Stein Die evangelische Martinskirche ist ein historistisches, unter Denkmalschutz stehendes Kirchengebäude in Bad Münster am Stein, einem Stadtteil der rheinland-pfälzischen Kurstadt Bad Kreuznach im gleichnamigen Landkreis. Die Kirche wird von der evangelischen Matthäus-Kirchengemeinde Bad Kreuznach genutzt, die zum Kirchenkreis An Nahe und Glan innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland gehört.
Geschichte mini|Der Kirchturm der alten Martinskirche ist heute als Treppenturm in das Gemeindehaus an der Nahestraße integriert. Schon bevor die heutige Martinskirche errichtet wurde, gab es in Münster am Stein eine ältere Dorfkirche, die ebenfalls nach dem Heiligen Martin von Tours benannt war. Dieser Vorgängerbau wurde erstmals 1431 gesichert erwähnt und stand an der Nahestraße. Eine Instandsetzung ist für das Jahr 1481 überliefert, im 19. Jahrhundert wurde der Kirchturm um ein Geschoss aufgestockt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die alte Martinskirche zu klein für die wachsende evangelische Gemeinde geworden, weshalb Planungen zum Bau einer neuen Kirche angestoßen wurden. Nach Einweihung der neuen Martinskirche an der Berliner Straße wurde die alte Kirche nicht mehr benötigt. Daher wurde ihr Kirchenschiff am 6. Juni 1911 abgerissen, um an gleicher Stelle ein neues Gemeindehaus zu errichten. Der alte Kirchturm hingegen blieb aus Pietätsgründen erhalten und wurde als Treppenturm in den Neubau im Heimatstil integriert, wo er noch heute von der alten Martinskirche zeugt.
Die heutige, neue Martinskirche wurde von 1907 bis 1908 im Stil des Historismus nach Plänen des Architekten Otto Kuhlmann aus Berlin-Charlottenburg erbaut, der auch den Neubau des Gemeindehauses am früheren Standort konzipierte. Die Einweihung des Kirchenneubaus wurde am 17. Juni 1908 mit einem Festgottesdienst gefeiert, bei dem Albert Schweitzer an der Orgel spielte. Während die neue Kirche den Ersten Weltkrieg unbeschadet überstand, wurde sie im Zweiten Weltkrieg bei einem Fliegerangriff am 21. Juli 1944 von Brandbomben getroffen und nahezu vollständig zerstört. Nach Kriegsende wurde die Martinskirche in vereinfachter Form wiederaufgebaut; so wurde etwa auf eine Wiederherstellung des oktogonalen Turmaufsatzes verzichtet. Nachdem die Bauarbeiten über die 1950er-Jahre hinweg angedauert hatten, wurde die wiederaufgebaute Kirche am 9. Dezember 1961 erneut eingeweiht und ihrer Bestimmung als Gotteshaus übergeben.
Baubeschreibung Die Martinskirche ist ein im Stil des Historismus, in stauferzeitlichen Formen errichtetes Kirchengebäude. Das Langhaus ist als Wandpfeilerbasilika ausgeführt und von Westen nach Osten ausgerichtet, wo eine eingezogene Apsis an das Kirchenschiff anschließt. Im Nordwesten ist auf quadratischem Grundriss ein Fassadenflankenturm mit Krüppelwalmdach an das Langhaus angebaut. Als Turmspitze ist über dem Turmkreuz ein vergoldeter Schwan angebracht. Sowohl Kirchturm als auch Langhaus beeindrucken nach außen durch ihre bossierte Sandsteinfassade. Zwei Eingänge im Nordwesten (Turm) und Südwesten (offene Vorhalle) führen über den „Luthersaal“ (Vorraum im Inneren) in den Kirchenraum.
Der Kirchenraum wird von einer grau gestrichenen hölzernen Flachdecke überspannt, die Wände sind in einem hellen Gelbton gestrichen. Ein Mittelgang führt zwischen zwei Bankblöcken auf den Altarraum in der Apsis im Osten zu. Über dem Chorbogen ist der Schriftzug „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ zu lesen. Auf zwei Sandsteinsäulen sind die Spuren des Kirchenbrandes von 1944 noch erkennbar. Mehrere Kellerräume, die als Hausmeisterzimmer, Pfarrwohnung und Pfarrbüro angelegt wurden, befinden sich unter dem Kirchensaal.
Ausstattung Die Ausstattung der Kirche ist relativ schlicht. Besonders hervorzuheben sind vor allem die Buntglasfenster der Martinskirche, die 1960/61 im Zuge des Wiederaufbaus vom Marburger Künstler Erhardt Klonk gestaltet wurden. Die acht dreifarbigen Rundbogenfenster in den Seitengängen des Kirchenschiffs zeigen mehrere christliche Symbole. In den drei westlichen Fensterachsen ist das jeweilige Motiv auf beiden Seiten ausgeführt; dargestellt werden Fisch-, Flammen- und Kreuz-Herz-Anker-Symbole. In der östlichsten Fensterachse ist das Symbol einer Taube einem Ähre-Traube-Motiv gegenübergestellt. Die sieben kleineren Rundbogenfenster im Chorraum sind im Vergleich zu den Seitenfenstern deutlich farbenfroher gestaltet. Das mittlere Fenster zeigt die Geburt Christi mit dem Jesuskind, Maria, dem Stern von Betlehem sowie Ochs und Esel. Es wird flankiert von Darstellungen der Heiligen Drei Könige (links) und anbetenden Hirten (rechts), die ihrerseits wiederum von den Motiven Christi Himmelfahrt (links) und Christi Auferstehung (rechts) umgeben sind. Auf den äußersten Chorfenstern sind jeweils zwei Engel abgebildet, die singen (links) oder musizieren (rechts).
Die Glocken der Martinskirche wurden in der Glockengießerei Mabilon in Saarburg gegossen.
Orgel Die heutige Orgel wurde 1955 von Oberlinger in Windesheim gebaut und 1964 in einem zweiten Bauabschnitt unter Verwendung des heutigen Prospekts umgebaut. 2015 fand eine Überholung durch Gregor Feld statt. Die Disposition umfasst 22 Register auf drei Manualen und Pedal. I Hauptwerk C–g3 Prinzipal 8′ Rohrflöte 8′ Oktave 4′ Gedeckt 4′ Blockflöte 2′ Sesquialter II Mixtur IV–VI Trompete 8′II Rückpositiv C–g3 Singend Gedackt 8′ Singend Principal 4′ Koppelflöte 4′ Schwiegel 2′ Sifflöte 1′ Zimbel IV Krummhorn 8′ Tremulant III Schwellwerk C–g3 vakant Pedal C–f1 Subbaß 16′ Oktavbaß 8′ Gedacktpommer 8′ Flötenprincipal 4′ Principal 2′ Mixtur IV Posaune 16′ Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Spielhilfen: 3 freie Kombinationen, Crescendowalze, Zungenabsteller
Weblinks
Informationen zur Martinskirche auf der Website der ev. Matthäus-Kirchengemeinde Bad Kreuznach
Einzelnachweise
Martinskirche Martinskirche Kategorie:Martin-von-Tours-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises An Nahe und Glan Kategorie:Wandpfeilerkirche in Rheinland-Pfalz Kategorie:Basilika (Bautyp) Kategorie:Neuromanisches Kirchengebäude Kategorie:Neuromanisches Bauwerk in Rheinland-Pfalz Kategorie:Erbaut 1908 Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Rekonstruiertes Bauwerk in Rheinland-Pfalz Kategorie:Erbaut 1961 Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Kirchengebäude in Europa