mini|90px|rechts|Verpa philippinensis, Holotyp aus Chenu, 1842, Taf. 4, Fig. 7,7a

Verpa philippinensis ist eine Muschelart aus der Familie der Penicillidae in der Überordnung der Anomalodesmata. Das Verbreitungsgebiet der Art sind flache Gewässer in den Philippinen, der östlichen indonesischen Inselwelt sowie Nord- und Westaustralien.

Merkmale Das anfangs gebildete zweiklappige Gehäuse misst etwa 3,5 mm in der Länge und 3 mm in der Höhe. Es ist leicht ungleichseitig, die prominenten Wirbel sitzen etwas vor der Mitte. In den Randbereichen der Klappen ist eine schwache radiale Streifung vorhanden. Bereits in einen sehr frühen Juvenilstadium wächst der Weichkörper schneller als das Gehäuse bzw. wächst das Gehäuse nicht mehr weiter, und das Gehäuse kann nicht mehr geschlossen werden. Bereits ab diesem Lebensstadium sitzt das kleine Gehäuse mit gespreizten Klappen wie eine Kappe auf dem vergleichsweise großen Weichkörper. Die Tiere leben in senkrechten Röhren im Substrat.

Mit Beginn der Adultphase wird die Röhre verkalkt. Das ursprünglich sehr kleine, zweiklappige Gehäuse wird im unteren Teil der Röhre, oberhalb der Siebplatte quasi aufgeklappt in die Röhrenwand einzementiert. Die Dicke der Röhre und deren generelle Form kann also nicht mehr verändert werden. Lediglich das obere Ende kann noch geringfügig verlängert werden, In die Röhre werden Sandkörner und Schalenbruchstücke mit eingebaut. Der untere Teil ist keulenförmig verdickt und endet in einer konvex gekrümmten, siebartigen Scheibe mit einem breiten, fransigen und welligen Kragen. Dieser Kragen ist durch eine markante Einschnürung von der keulenartigen Verdickung abgesetzt. Dies ist das hintere Ende des Tieres. In dem keulig verdickten Abschnitt der Röhre sitzt die Hauptmasse des Weichkörpers. Der maximale Durchmesser der Röhre ist knapp oberhalb des Bereichs mit dem einzementierten ursprünglichen Gehäuse zu finden. Die Röhre verjüngt sich über dem Bereich der maximalen Dicke rasch nach oben und flacht sich ab, Diese drei Viertel der Röhre enthalten die langen Siphonen. Das obere Ende ist im Querschnitt schlüsselförmig oder acht-förmig, entsprechend den Siphonen, die etwas über den oberen Rand hinausragen. Die ist das vordere Ende des Tieres. In diesen Abschnitt der Röhre sind auch keine Sandkörner einzementiert. Auch zeigt dieser Teil Wachstumslinien oder auch Anzeichen von Reparaturen an der Röhre. Die Röhre wird bis etwa 145 mm lang bei einem maximalen Durchmesser von 16 mm. Erste Wachstums- und Reparaturanzeichen an der Röhren treten allerdings schon bei etwa 110 mm auf (vom unteren Ende gemessen). Die Tiere sind dorso-lateral über eine sattelförmige Anordnung von Papillen um das aufgeklappte kleine Gehäuse mit der akzessorischen Röhre verbunden. Diese sattelförmige Zone nimmt um das 180°-aufgespreizte Gehäuse etwa ein Viertel der Breite einer Klappe ein. Klappen und Sattelzonen nehmen etwa 36 % des Durchmesser der Röhre ein.

Es sind quasi keine Schließmuskeln vorhanden, der hintere Schließmuskel und der Fußretraktormuskel sind vollständig reduziert, der vordere Schließmuskel ist nur noch rudimentär vorhanden. Die Fußscheibe ist muskulös. Die Siphonen können nur eingeschränkt in die akzessorische Röhre zurückgezogen werden.

Unterschiede Die Art unterscheidet sich von der sehr ähnlichen Art Verpa penis (Linnaeus, 1758) durch die Einschnürung oberhalb der Siebscheibe, die bei letzterer Art fehlt.

Geographische Verbreitung und Lebensraum Brian John Smith gibt das Verbreitungsgebiet der Art wie folgt an: die Gewässer um die Inselwelt der Philippines bis zum östlichen Südchinesischen Meer, die Gewässer um die östlichen Inseln von Indonesien und der Westzipfel von Neuguinea, und von Nordaustralien und dem zentralen Teil von Queensland bis nach Westaustralien. Inzwischen wurde die Art auch in thailändischen Küste der Adamanensee nachgewiesen sowie in Taiwan.

Die Tiere leben im flachen Wasser in weichen Sedimenten wie Ton, Sand oder Kies. Es sind Suspensionsfiltrierer.

Taxonomie Die Art wurde von Jean-Charles Chenu unter dem ursprünglichen Binomen Aspergillum philippinense erstmals wissenschaftlich beschrieben. Bis vor wenigen Jahren wurde die Art der Gattung Penicillus Brguière, 1789 zugeordnet, die auch die Typusgattung der Familie Penicillidae Bruguière, 1789 ist. Dann stellte sich heraus, dass Penicillus Brugière, 1789 ein jüngeres Homonym von Penicillus Guettard, 1770 ist. An die Stelle von Penicillus Brugière, 1789 trat nun das nächstjüngere Synonym Verpa Röding, 1798 mit der Typusart Verpa penis (Linnaeus, 1758).

Aufgrund einer gewissen Variabilität der Wohnröhre existieren zahlreiche Synonyme für Verpa philippinensis (Chenu, 1842): Aspergillum clavatum Chenu, 1842, Aspergillum incrassatum Chenu, 1842, Aspergillum ornatum Chenu, 1842, Aspergillum recluzianum Chenu, 1842, Aspergillum strangulatum Chenu, 1842, Aspergillum tuberculatum Chenu, 1842, Aspergillum zebuense Chenu, 1842 und Penicillus radix J. E. Gray, 1858.

Literatur Brian Morton: The evolution of the watering pot shells (Bivalvia: Anomalodesmata: Clavagellidae and Penicillidae). Records of the Western Australian Museum, 24: 19-64, 2007. PDF Brian Morton: The functional morphology of Penicillus philippinensis (Anomalodesmata: Clavagelloidea: Penicillidae) and the evolution of an unique muscular system in the Bivalvia. Records of the Western Australian Museum 23: 175-192, 2006 PDF. Brian John Smith: . Revision of the recent species of the family Clavagellidae (Mollusca: Bivalvia). Journal of the Malacological Society of Australia 3: 187-209, 1976 Online bei Biodiversity Heritage Library

Einzelnachweise Jean-Charles Chenu: G(enus) Aspergillum. Illustrations Conchyliologiques ou description et figures de toutes les coquilles connues vivantes et fossiles, classées suivant le système de Lamarck modifié d'après les progrès de la science et comprenant les genres nouveaux et les espèces rècemment découvertes, Tome 2. 4 S., 5. Taf., 1842 Online bei www.BioLib.de, Kurt Stüber und Karin Stüber

Markus Huber: Compendium of Bivalves. A full-color guide to 3,300 of the world’s marine bivalves. A status on Bivalvia after 250 years of research. 901 S., 1 CD-ROM, Hackenheim, ConchBooks, 2010 (S. 485)

MolluscaBase: Verpa philippinensis (Chenu, 1842)

Fred E. Wells, Kitithorn Sanpanich, Siong Kiat Tan, Teerapong Duangdee: The Marine and Estuarine Molluscs of Thailand. Lee Kong Chian Natural History Museum (National University of Singapore), Singapore 2021. By ISBN 978-981-14-7613-6

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