mini|Christina Augusta von Fersen Gräfin Christina Augusta Löwenhielm, geb. von Fersen (* 10. März 1754; † 8. April 1846 in Stockholm, Schweden), war eine schwedische Adelige und Hofdame (Statsfru). Sie wurde für ihre Liebesbeziehung mit dem späteren König Karl XIII. bekannt und war eine der bekanntesten Persönlichkeiten in der Zeit von Gustav III. Zusammen mit ihrer Schwester Ulla von Höpken und Louise Meijerfeldt war sie als eine der „drei Grazien“ bekannt, die durch Johan Henrik Kellgrens Gedicht Gracernas döpelse (: Die Taufe der Grazien) verewigt wurden. Sie war zu ihrer Zeit für ihr Liebesleben berüchtigt, wird in zeitgenössischen Memoiren und Tagebüchern erwähnt und ist auch in der Kunst dargestellt worden.
Biographie Familie Augusta Löwenhielm war eine von sechs Töchtern des Oberjägermeisters Graf Carl Reinhold von Fersen (1716–1786) und Charlotta Sparre (1719–1795). Sie war die Enkelin von Hans von Fersen (1683–1736), Nichte von Axel von Fersen dem Älteren (1719–1794) und Cousine von Axel von Fersen dem Jüngeren sowie von Eva Sophie Piper geborene von Fersen. Ihr Vater wurde als „einer der elegantesten und geistreichsten Gentlemen seiner Zeit“ beschrieben, und ihre Mutter wurde am französischen Königshof in Versailles für ihre Schönheit bewundert, als sie ihre Tante und deren Ehemann – Ulla Tessin und den schwedischen Botschafter in Frankreich, Graf Carl Gustaf Tessin – nach Frankreich begleitete.
Beide Elternteile verbrachten ihr Leben im Dienst am schwedischen Königshof; auch Augusta von Fersen und ihre Schwestern dienten vor ihrer jeweiligen Heirat als hovfröken (: Hofdamen). Im Dezember 1770 heiratete sie den schwedischen Hofkanzler Graf Fredrik Adolf Löwenhielm (1743–1810). Nach der Hochzeit ließ sich das Paar für einige Zeit auf dem Landgut ihres Ehemanns nieder. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn.
Liebesbeziehung mit Herzog Karl Während der Stockholmer Wintersaison 1771 wurde Augusta Löwenhielm von Prinz Karl umworben – dieser war zuvor ins Ausland geschickt worden, damit er seinen Wunsch, Brita Horn zu heiraten, aufgäbe. Prinz Karl soll sich in sie verliebt haben und sie erwiderte schließlich seine Gefühle. Die darauffolgende Beziehung wurde als „die ernsthafteste und zärtlichste in Karls erotischer Chronik“ beschrieben.Nils Erdmann: Vid hovet och på adelsgodsen i 1700-talets Sverige: en tidskrönika. Wahlströms, Stockholm, 1926. Das Paar hatte einen Sohn, Carl Axel Löwenhielm (1772–1861). Die Beziehung war allgemein bekannt, doch sie war keine offizielle königliche Mätresse; vielmehr wurde sie wie andere außereheliche Liebesbeziehungen behandelt, die damals in Adels- und Hofkreisen akzeptiert waren.
1774 überzeugte König Gustav III. seinen Bruder, Herzog Karl, einer dynastischen Heirat mit Hedwig Elisabeth Charlotte von Holstein-Gottorp zuzustimmen. Zweck der Ehe war die Zeugung eines Thronfolgers, da die Ehe des Königs mit Sophie Magdalene von Dänemark bis dahin kinderlos geblieben war und daher als nicht vollzogen galt. Am 6. April 1774 wurde Augusta Löwenhielms Gemahl zum schwedischen Gesandten in Dresden ernannt und reiste nach Sachsen. Augusta Löwenhielm blieb zunächst noch in Schweden, bis der Monarch ihr ausdrücklich befahl, vor Karls Hochzeit zu ihrem Gemahl nach Dresden abzureisen. Folgerichtig hielt sie sich während Karls Hochzeit im Juli und der Ankunft seiner Braut Charlotte in Schweden in Dresden auf, stand aber durch geheime Korrespondenz mit Karl in Kontakt.
Als der König die Nachricht der Schwangerschaft von Karls Frau, die bei Hofe Herzogin Charlotte genannt wurde, erhielt, durfte Augusta Löwenhielm nach Schweden zurückkehren. Diese war Ende Juli 1775 wurde offiziell verkündet, worden. Charlotte, die die Schwangerschaft zunächst bestritten hatte, behauptete bald darauf selbst, Kindsbewegungen gespürt zu haben. Sichtbar waren jedoch keine Anzeichen einer Schwangerschaft. Am 14. September wurde Charlotte erneut untersucht, und diesmal wurde die Schwangerschaft als sicher bestätigt. Als Geburtstermin wurde der 24. Oktober angegeben, und die Vorbereitungen für die üblichen offiziellen Rituale im Zusammenhang mit einer königlichen Geburt wurden getroffen. Am 24. Oktober wurden jedoch alle Vorbereitungen plötzlich und ohne Erklärung abgebrochen. Es ist unbekannt, ob die ganze Angelegenheit eine bewusste Täuschung war und, falls ja, wer dafür verantwortlich war und warum. Damals kursierte das Gerücht, der König selbst habe die Schwangerschaft vorgetäuscht. Der Grund dafür sei, dass er letztlich doch beschlossen habe, seine Ehe zu vollziehen und selbst für einen Thronfolger zu sorgen, anstatt diese Aufgabe seinem Bruder zu überlassen. Er habe Herzogin Charlotte sexuell unerreichbar machen und das Interesse seines Bruders auf andere Frauen lenken wollen, um einen legitimen Nachkommen Karls damit zu vermeiden. Der schwedische Graf Adolf Ludvig Hamilton beschreibt dieses Gerücht wie folgt: „Der König fürchtete jeglichen Einfluss Herzog Karls auf den Thron, auch als Vater eines Thronfolgers. Die Zuneigung zwischen ihm und seiner jungen Gemahlin erschien ihm zu groß. Der besagte Zustand trennte den Prinzen von ihr, gewöhnte ihn an andere, eine Gewohnheit, die er seither nie abgelegt hat, und nachdem der Zweck erreicht war, sorgte der Monarch dafür, dass der Spott niemanden außer dem Ehepaar treffen würde. All dies war erfolgreich.“ Im Sommer 1775 vollzog der König selbst mit Hilfe von Adolf Fredrik Munck seine Ehe, und Herzog Karl, der eine vorübergehende Affäre mit Gräfin Hedvig Amalia Lewenhaupt hatte, bat den König um die Erlaubnis, dass Augusta Löwenhielm nach Schweden zurückkehren dürfe, was ihr gewährt wurde.
Augusta Löwenhielm, die Gerüchten zufolge während ihres Aufenthalts in Dresden eine Affäre mit Karl von Sachsen, Herzog von Kurland und Semgallen, gehabt haben soll, kehrte im Herbst 1776 nach Schweden zurück und nahm ihre offizielle Position am Königshof wieder auf. Am 18. November 1776 wurde sie Herzogin Charlotte vorgestellt wurde. Die Gemahlin Karls beschreibt die Begegnung in ihrem berühmten Tagebuch: „Sie ist zweifellos entzückend, ihre Gesichtszüge sind angenehm, ihr Aussehen ansprechend, und in Ballkleidung ist sie geradezu prächtig, wenn auch vielleicht etwas korpulent. Ihr hättet sehen sollen, wie mich alle ansahen! Deshalb versuchte ich, gleichgültig zu wirken, obwohl ich in Wirklichkeit sehr neugierig war.“Carl Carlson Bonde (Hrsg.): Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok I (1775–1782). Norstedt & Söners förlag. Stockholm. 1902. Herzog Karl begann sofort nach ihrer Rückkehr, ihr den Hof zu machen, da er die Affäre fortsetzen wollte. Dies spaltete den Hof in verschiedene Lager, die versuchten, die Beziehung zu fördern oder zu unterbinden. Augusta Löwenhielm lehnte die Avancen Karls zunächst ab, stattdessen hatte sie eine kurze Affäre mit Baron Carl Adam Wachtmeister sowie mit dem russischen Fürsten Alexander Kurakin, der von Katharina der Großen nach Schweden entsandt worden war, um offiziell die Nachricht von der Vermählung des Großfürsten Paul zu überbringen. Im Dezember 1776 hatte Augusta Löwenhielm dem Werben Herzog Karls zwar nachgegeben beendete die Affäre allerdings im Sommer 1777, weil sie sich in Baron Hans Henrik von Essen verliebt hatte.Alma Söderhjelm: Gustav III:s syskon. Albert Bonniers Förlag. Stockholm. 1945. Ein Jahr später war von Essen ihr offizieller Geliebter, während Herzog Karl eine Beziehung mit der Balletttänzerin Charlotte Slottsberg eingegangen war.
Leben am Hof mini|Augusta Löwenhielm im Laientheater von Gustav III., gemalt von Pehr Hilleström. Von 1777 bis 1795 diente Augusta Löwenhielm als statsfru ( wörtlich: Staatsfrau, Hofdame/Kammerdame) bei Königin Sophia Magdalena.
Gemeinsam mit Ulla von Höpken und Louise Meijerfeldt wurde sie als eine der „drei Grazien“ in dem Gedicht Gracernas döpelse (: Die Taufe der Grazien) von Johan Henrik Kellgren bekannt, das um 1779 verfasst und 1781 veröffentlicht wurde.Carl Forsstrand: De tre gracerna, minnen och anteckningar från Gustaf III. Hugo Gebers förlag. Stockholm. 1912.
Während ihrer Zeit in Paris hatte ihre Mutter von der Ballerina Marie Sallé das Tanzen erlernt und ihrerseits ihre Töchter Augusta und Ulla unterwiesen. Diese wurden dann am sogenannten „Hoftheater“ durch ihre Tanzkünste berühmt. Zu dem von Mitgliedern des Hofes veranstalteten Amateurtheater Gustavs III. gehörten unter anderem auch Caroline Lewenhaupt, Carl von Fersen, Hedvig Ulrika De la Gardie, Nils Barck, Maria Aurora Uggla, Otto Jacob Zoege von Manteuffel und Bror Cederström.
Nach dem Ende der Beziehung zu Herzog Karl zeichnete sich Augusta weiterhin durch „ihre erotische Unbefangenheit“ aus. Ihr wurden Affären mit Beylon und dem sächsischen Gesandten Graf von Bose nachgesagt. Ihre Beziehung mit Hans Henric von Essen soll im Sommer 1778 auf Schloss Gripsholm offenkundig geworden sein, und zwar nach einem Vorfall, der im Tagebuch von Herzogin Charlotte festgehalten ist: „Es begab sich neulich, dass Gräfin Löwenhielm etwas verspätet zum Abendessen erschien – wir saßen bereits seit mehr als einer Viertelstunde bei Tisch –, und dass unglücklicherweise Baron von Essen zur gleichen Zeit eintrat. Dieser Zufall erschien uns allen, die wir um die Verbindung zwischen den beiden wussten, recht komisch, und einige von uns konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen.“ Laut Hedvig Elisabet Charlotta galt von Essen als „ziemlich simpel und völlig unfähig, eine so geistreiche und begabte Frau wie Gräfin Löwenhielm zu unterhalten“; sie fügt jedoch hinzu, dass er sich unter ihrem Einfluss zum Besseren gewandelt habe und „nun nicht mehr so viel Unsinn von sich gibt wie vor seiner Bekanntschaft mit ihr“.
Gleichsam war Löwenhielm im Hof ungemein beliebt. Ulla von Höpken kommentierte den Vorfall mit den Worten: „Man stelle sich vor, so etwas würde einer anderen armen Seele widerfahren – man würde es ihr ewig vorhalten. Doch meiner Schwester wird stets Nachsicht gewährt; es zeugt nur von ihrem offenen Wesen und ihrer Aufrichtigkeit, dass sie ihre Beziehung zu diesem sanftmütigen Essen vor aller Welt offenbart.“ Charlotte erwiderte daraufhin: „Sie mag zwar nicht vorsichtiger sein als andere, doch da sie von freundlichem und gutherzigem Wesen ist, begegnet sie jedem wohlwollend und mischt sich nicht in die Angelegenheiten anderer ein; dadurch ist sie weniger anfällig für Verleumdungen als die meisten anderen.“Carl Carlson Bonde: Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok I (1775–1782). Norstedt & Söners förlag. Stockholm. 1902.
1788 war sie indirekt in ein Duell verwickelt. Nach dem Ende ihrer Affäre mit dem Baron Hans Henric von Essen, hielt dieser 1788 um die Hand Charlotta Eleonora De Geer (1771–1798) an, der reichen Erbin von Carl De Geer, und sie akzeptierte. Sein Heiratsantrag stieß am königlichen Hof auf Unmut, da man mit der beliebten Augusta Löwenhielm sympathisierte. Von einem Rivalen, Graf Adolph Ribbing, der ebenfalls um De Geer geworben, aber von deren Vater abgelehnt worden war, wurde Essen dann zum Duell gefordert. Das Duell fand in der königlichen Reithalle im Beisein mehrerer Offiziere statt und endete mit einer Niederlage für von Essen, der dabei leicht verletzt wurde. Der Vorfall galt als Skandal und als Verbrechen gegen den König. Tatsächlich war so ein Duellstrafbar und der König wäre bereit gewesen, die Beteiligten strafrechtlich zu verfolgen, hätte De Geer dies nicht abgelehnt. Die Duellaffäre schürte zudem Ribbings Groll gegen den König; später war er an dem Attentat auf Gustav III. beteiligt.
Nach dem Ständereichstag von 1789, als Gustav III. in Konflikt mit dem Adel geriet, ließ der König ihren Onkel Axel von Fersen den Älteren – einen Anführer der adeligen Opposition gegen die Vereinigungs- und Sicherheitsakte sowie gegen den Russisch-Schwedischen Krieg (1788–90) – verhaften; sie selbst schloss sich jedoch, anders als viele andere Adlige, nicht der Protestaktion von Jeanna von Lantingshausen an.