Die Fleckenbauch-Ameisenpitta (Cryptopezus nattereri, Syn.: Grallaria nattereri, Hylopezus nattereri, Hylopezus ochroleucus nattereri) ist eine Vogelart aus der Familie der Ameisenpittas (Grallariidae), die im südöstlichen Brasilien, im nordöstlichen Argentinien in der Provinz Misiones und dem östlichsten Paraguay verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art gilt als monotypisch.

Merkmale Die Fleckenbauch-Ameisenpitta erreicht eine Körperlänge von 12,1 bis 14,0 cm bei einem Gewicht von 31,0 bis 33,0 g. Es gibt kein Geschlechtsdimorphismus. Der Oberkopf ist gräulich und geht auf der Oberseite auf dem Rücken bisweilen ins Olivgrau oder Braungrau über. Am Kopf und im Gesicht gehen ein undeutlicher, gelbbrauner oder weißlicher Bartstreif sowie die blass ockerfarbenen bis gelbbraunweißen Zügel und der vordere Oberkopf in einen blassen Augenring über, der nach hinten hin etwas breiter wird. Die Flügel sind etwas bräunlicher gefärbt als der Rücken. Dies gilt insbesondere für die Handschwingen, die an ihrer Basis einen kleinen, unscharf begrenzten Spiegel bilden, der sich von den dunkel schwärzlichen Handdecken abhebt. Der undeutliche, blasse Bartstreif geht in einen dunkleren Wangenstreif über, der ihn von der weißen Kehle abgrenzt. Die übrige Unterseite variiert sowohl hinsichtlich der Färbung als auch der Zeichnung. Die Individuen variieren in der Färbung von solchen mit fast durchgehend satt ockergelbbrauner Unterseite, die zur Bauchmitte hin meist in ein fast reines Weiß übergeht, bis hin zu Exemplaren, deren Unterseite überwiegend blass gelblich-weiß ist und bei denen lediglich die Seiten und Flanken einen ockerfarbenen Anflug aufweisen. Bei einigen Individuen haben die Flanken, insbesondere im Brustbereich, schwach schwärzlich Schuppenzeichnungen, wobei diese Zeichnung dunkler wird und sich auf eine Fleckung an der Brust und entlang der Flanken beschränkt, an der unteren Brust, am Bauch und im Kloakebereich jedoch weitgehend fehlt. Bei anderen Individuen ist die Schuppenzeichnung an den Flanken deutlich dunkler und schärfer abgegrenzt. Dort setzt sie sich über die Brust fort, ohne merklich an Intensität zu verlieren oder in eine Sprenkelung überzugehen. Die Iris ist dunkelbraun, der Oberschnabel schwarz, der Unterschnabel von der Hälfte der Basis heller oder rosa und an der Spitze dunkel, die Beine und Zehen rosagrau.Harold Francis Greeney III, u. a. (2026)

Lautäußerungen Der Gesang der Fleckenbauch-Ameisenpitta ist gleichmäßige, klagende Abfolge von etwa 10 gepfiffenen Tönen, deren Lautstärke stetig zunimmt und deren Tonhöhe von ca. 2,0 auf 2,5 kHz ansteigt, insbesondere gegen Ende. Die 2,0 bis 2,8 Sekunden langen Strophen werden typischerweise vielfach wiederholt, wobei die Abstände etwa 8 bis 12 Sekunden betragen. Beim Singen richtet sich der Vogel auf, und sein ganzer Körper bebt leicht im Rhythmus des Gesangs. Sein Rasselruf ist eine Art Glucksen oder eine rasselnde Abfolge von etwa 4 bis 12 kurzen, im Tonfall abfallenden Tönen von ca. 2,7 auf ca. 2,2 kHz, die in einer Geschwindigkeit von 5 bis 10 Tönen pro Sekunde vorgetragen wird. Solche Rasselrufe werden typischerweise mehrfach in Abständen von einigen Sekunden wiederholt. Sein Pfeifruf ist ein Pfeifton mit konstanter Tonhöhe bei etwa 2,2 kHz und einer Dauer von ca. 0,25 Sekunden, der mehrmals in Abständen von einigen Sekunden wiederholt wird. Diese Lautäußerung ist nur selten zu hören und ähnelt dem des Zimttinamus. Beim Vergleich von Vögeln aus dem Norden und dem Süden zeigen sich offenbar Unterschiede hinsichtlich der Anzahl der Elemente und des Tempos des Gesangs. Nördlichere Exemplare aus dem Bundesstaat São Paulo geben 8 bis 14 Elemente bei einer Rate von 4,5 bis 5,6 Elementen/Sekunde von sich. Südlichere Exemplare aus den Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul geben hingegen nur 5 bis 10 Elemente bei 3,3 bis 4,2 Elementen/Sekunde von sich. Sie ist vorwiegend am Vormittag und in geringerem Maße am späten Nachmittag lautstark, während die Rufe im übrigen Tagesverlauf nur gelegentlich zu hören sind.

Singende Altvögel halten sich meist in dichter Vegetation, auf Baumstämmen, am Boden oder gelegentlich auf kleinen Ästen in bis zu 2 Meter Höhe auf. Sie singen auch, während sie sich fortbewegen. Dabei laufen sie einige Meter, halten inne und singen vom Boden aus. Unmittelbar nach Beendigung ihres Gesangs laufen sie weiter. Bisweilen singen sie sogar, während sie sich durch das Unterholz bewegen.

Der Gesang dient wahrscheinlich der Revierverteidigung, und die Vögel nähern sich typischerweise der Schallquelle der Tonwiedergabe. Der Rasselruf ist recht häufig zu hören, seine Funktion ist jedoch unklar. Bei Beobachtungen an einem Neststandort wurde ein Pfeifruf von einem brütenden Vogel geäußert, bevor dieser von seinem Partner abgelöst wurde. Der abfliegende Vogel setzte diese Lautäußerung auch am Boden fort. Dies wird als Ruf zwischen Partnern während der aktiven Brutzeit gedeutet.

Fortpflanzung Phänologie Drei Männchen wurden in Rio Grande do Sul im späten September, im späten November und frühen Dezember gesammelt, die nur mäßig entwickelte Gonaden aufwiesen. Ein Exemplar, dass am 19. Februar 1930 am Rio do Corvo in Paraná gesammelt wurde und im American Museum of Natural History liegt, zeigt im Kleid Federn, die auf den Übergang vom Jugendkleid ins Erwachsenenkleid hindeuten. Im Parque Provincial Cruce Caballero wurde am 25. September 2025 ein aktives Nest entdeckt. Ebenfalls dort wurden am 22. November 2010 zwei Jungtiere im Übergang zum Erwachsenkleid entdeckt. Aus dem Parque Provincial Piñalito wurden von halbwüchsigen Exemplaren vom 2. Juli 1961 berichtet. Im Reserva Forestal Morro Grande wurden am 2. September 2016 Nestlinge gesichtet. Vom Arroyo Urugua-í gibt es Berichte vom 21. Dezember 1957 und 14. Januar 1958 von Vögeln, die im Übergangskleid vom Jung- zum Erwachsenentier waren. Aus São Luiz do Paraitinga wird von halbwüchsigen Vögeln vom 28. Dezember 2016 berichtet.Alejandro Bodrati, u. a. (2018), S. 197–201

Nest Im Nationalpark Itatiaia wurde ein offenes Nest, das sich in einem kleinen Bambusbestand am Boden eines schmalen, flachen Grabens neben der Straße Agulhas Negras befand, berichtet. Es lag etwa 2 Meter über dem Boden und wurde an seiner Basis hauptsächlich von einem gebogenen, schmalen Ast eines 18 Meter hohen Baumes gestützt. Mehrere dünnere Bambushalme überkreuzten sich an dieser Stelle und boten zusätzlichen Halt an der Basis und an den Seiten des Nestes. Ein zweites Nest aus Argentinien war an einem Hang oberhalb eines kleinen Bachlaufs errichtet worden, inmitten eines recht alten Waldes, der von Bäumen der Gattungen Alchornea, Ocotea, Cedrela, Diatenopteryx, Holocalyx, Nectandra und Araukarien dominiert ist. Ein nahegelegener Bestand an Cyatheaceae, die unterhalb des Kronendachs wuchsen, beschattete das Nest in einem ansonsten offenen Unterwuchs. Dieses Nest befand sich nur 31 cm über dem Boden und wurde von unten her etwas instabil durch mehrere schräg verlaufenden Stängel und Baumfarnwedel gestützt. Das Nest aus Brasilien bestand vorwiegend aus kleinen Zweigen und dunklen Pflanzenfasern. Am Rand waren einige abgestorbene Blätter eingefügt, die zerfleddert bis zu 10 Zentimeter unter das Nest herabhingen und so zur Tarnung beitrugen. Das Nest aus Argentinien war ein lockerer, breiter und flacher offener Napf aus trockenen Zweigen und Blättern. Die Nestmulde war mit dünnen, biegsamen Materialien wie Blattstielen, feinen Wurzelstückchen und Pilz-Rhizomorphen von Schwindlingen ausgekleidet. Auf einer Seite ragten die äußeren Materialien etwas weiter nach außen als in den übrigen Richtungen, wodurch eine rudimentäre Plattform entstand. Das brasilianische Nest wurde nicht vermessen doch etwa 7 Zentimeter breit und 7 Zentimeter hoch geschätzt. Der Außendurchmesser des argentinischen Nests wird als 13,1 × 14,0 Zentimeter angegeben. Es war 5 Zentimeter hoch und hatte eine Nestmulde von 16,5 × 16,6 Zentimeter sowie eine Innentiefe von 2,9 Zentimeter.

Eier und Gelege Das einzig beschriebene Gelege bestand aus zwei Eiern. Die Form der Eier war subelliptisch. Ihre Maße waren 24,5 × 19,1 Millimeter bei 4,4 Gramm und 23,1 × 18,5 Millimeter bei 3,7 Gramm. Die Eier waren bläulich grün und stark mit unregelmäßig geformten Flecken in Schwarz, Braun und Grau gezeichnet. Bilder von einem Nest aus São Luíz do Paraitinga erscheinen hell blau oder blaugrün und weisen dunklere Flecken auf.

Bebrütung Es wurde beobachtet, dass sich beide Geschlechter am Brutgeschäft beteiligten. Die Eier waren während 97 % der beobachteten Tageslichtstunden abgedeckt. Die längste Abwesenheitszeit in der Mittagszeit waren 35 Minuten. Die sechs vollständig beobachteten Brutphasen dauerten im Durchschnitt 65 Minuten mit einer Spanne von 24 bis 104 Minuten. Die Altvögel näherten sich dem Nest zu Fuß am Boden und verharrten bisweilen bis zu 5 Minuten unterhalb des Nestes, bevor sie auf den Nestrand hüpften. Unmittelbar vor den Ablösungen waren die Altvögel meist in Nestnähe zu hören, wobei sie stets aus dichter Vegetation heraus laut äußerten. Der erste Wechsel erfolgte gewöhnlich innerhalb von zwei Stunden nach Tagesanbruch, der letzte meist etwa eine Stunde vor Einbruch der Dämmerung. Einmal stieß der Altvogel, der bei herannahender Nacht auf dem Nest saß, drei kurze, scharfe Pfiffe aus. Diese ähnelten dem Zimttinamus waren aber leiser. Dieser Ruf schien den Partner anzulocken. Nach dem Platzwechsel setzte der abziehende Altvogel diese Lautäußerungen fort, während er sich vom Nest entfernte. Jungvögel sind im Alter von 14 Tagen mit rost- bis kastanienbraunen Daunen bedeckt. Sie weisen einen orangefarbenen Schnabel und Schnabelwinkel sowie graue, unbefiederte Hautpartien um die Augen auf. Es konnte bei der Fleckenbauch-Ameisenpitta kein kooperatives Brutverhalten festgestellt werden.

Verhalten und Ernährung Nahrungssuche Man nimmt an, dass die Fleckenbauch-Ameisenpitta ihre Nahrung überwiegend am Boden sucht, wobei sie sich mit kurzen Sprüngen fortbewegt und abrupt innehält, um den Boden zu untersuchen. Beutetiere werden durch stochern im Laub, in eingerollten Blättern oder im weichen Boden erbeutet. Einzelne Tiere stochern bisweilen mehrere Sekunden lang an einer einzigen Stelle. Es sieht so aus, dass die Art immer wieder gleiche Futterstellen aufsucht.

Nahrung Es liegen nur wenig Informationen zur Nahrung vor. Ein Altvogel fütterte seinen Jungvogel mit einem großen, schwarzen Vertreter der Heuschrecken. Fotografien deuten zudem darauf hin, dass auch Käferlarven gefressen werden. Interessanterweise zeigen einige dieser Aufnahmen Larven holzbohrender Käferarten wie Prachtkäfer oder Bockkäfer. Es ist jedoch nicht bekannt, ob diese aus Baumstämmen herausgeholt oder eher zufällig in der Laubstreu oder an anderer Stelle erbeutet werden. Derzeit gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass sich die Ernährung der Fleckenbrust-Ameisenpitta wesentlich von der verwandter Arten wie beispielsweise Hylopezus oder Myrmothera unterscheidet.

Verhalten Die Fleckenbrust-Ameisenpitta bewegt sich mit kurzen Sprüngen, die von abrupten Stopps unterbrochen werden, über den Boden fort. Dabei hält sie den Kopf bisweilen gesenkt und schräg zum Boden gerichtet. Bei der Fortbewegung in der Vegetation hüpft sie flink zwischen niedrigen, waagerechten Sitzwarten hin und her. Wie andere Ameisenpittas fliegt diese Art nur selten. Wenn sie es doch tut, sind die Flüge kurz, schnell und lautlos. Offenbar wiegen sich die Altvögel bei Aufregung, etwa nach der Wiedergabe von Lautäußerungen, von einer Seite zur anderen, ohne dabei Kopf oder Beine zu bewegen. Diese wiegende Körperbewegung kann man mit dem Zucken des Hinterteils bei Grallaricula vergleichen. Sie ist überwiegend einzeln unterwegs und schließt sich nur selten oder nie gemischten Nahrungssuchschwärmen verschiedener Arten an.

Verbreitung und Lebensraum